Mitten in Pandemie

8.000 Kunden bei Möbelhaus-Eröffnung

Während die Bevölkerung angehalten ist, die Anzahl der Corona-Neuinfektionen zu reduzieren, lud der Möbelriese XXXLutz zu einem Einkaufssamstag der Superlative ein. Allein am Samstag kamen rund 8.000 Personen – trotz des Veranstaltungsverbots.

Wien, 11. November 2020 | Besorgniserregende Szenen spielten sich am vergangenen Samstag in Salzburg ab. Aufgrund der massiven Werbeeinschaltungen folgten Tausende der Einladung zur „aller-allergrößten“ Eröffnungsfeier beim XXXLutz in Eugendorf (Flachgau). Allein am Samstag drängten sich circa 8.000 Personen zur Schnäppchenjagd. Am frühen Nachmittag gab es bereits keine Parkplätze mehr, der Stau reichte bis auf die A1 zurück. An den Ein- und Ausgängen sowie im Inneren des Möbelhauses herrschte reger Betrieb.

„Hatten derartigen Ansturm nicht erwartet“

Überrascht über den großen Andrang zeigte sich auch ein XXXLutz-Sprecher. Man habe mit einer so hohen Besucherzahl nicht gerechnet. Laut Verordnung darf sich in Geschäften nur eine Person pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten. Trotz des Ansturms versucht der Möbelgigant auf ZackZack-Anfrage zu beruhigen: „Im Schnitt waren pro Stunde weniger als 1.000 Leute in unserem Geschäft – Es hätten 2.500 sein dürfen. Im Gegensatz zu vielen kleinen oder anderen Geschäftstypen können Möbelhäuser sowohl die Abstände, als auch die 10-Quadratmeter-Regel weit übererfüllen. Wir hätten selbst mit einer 30-Quadratmeter-Regel kein Problem.“ Während große Geschäfte also Tausende Kunden empfangen dürfen, ist der Zutritt bei kleinen Geschäften auf einzelne wenige Kunden beschränkt.

“Keine Veranstaltung”

Das Erstaunliche an dem Kaufrausch: Im Flachgau herrscht eigentlich ein komplettes Veranstaltungsverbot. „Es war keine Veranstaltung“, betont man deshalb vonseiten XXXLutz. Ähnlich sieht es auch die zuständige Polizeibehörde. Kritik kam von den Grünen: „Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten und bei täglich ansteigenden Infektionszahlen Massenaufläufe zu provozieren, ist grotesk. Das wird im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Handel bald gänzlich wieder zusperren muss“, so Landtagsabgeordneter Josef Scheinast.

Besonders bei Kulturschaffenden sorgt der Vorfall für Unmut. Denn während für sie ein komplettes Veranstaltungsverbot gilt, herrscht bei XXXLutz offenbar Tag der offenen Tür, heißt es aus der Kulturszene. Auch Scheinast sieht darin eine „grobe Ungleichbehandlung“.

Protestveranstaltung von Kulturvereinigung

Erfinderisch zeigten sich derweil Kulturschaffende in der Ortschaft Tamsweg. Sie widmeten ihr Kulturzentrum kurzerhand symbolisch in ein Möbelhaus um, um auf die Doppelmoral der Behörden aufmerksam zu machen. Das „XXSuper Möbelhaus“ freut sich über den Besuch „von sehr kritischen Kultur- und Möbelfans“, hieß es bei der Lungauer Kulturvereinigung. Wirtschaftlich wird ihr das letztendlich wenig bringen. Statt 8.000 werden weiterhin gar keine Besucher zugelassen sein.

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

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