Journalisten-Legende Hugo Portisch ist tot

Mit dem Tod Hugo Portischs endet eine Ära österreichischer Mediengeschichte. Der epochemachende Journalist war Millionen von Österreichern die Stimme politischer und geschichtlicher Erläuterungen. Seine Initiative für die Umgestaltung des ORF war ein Meilenstein für die Schaffung eines weitgehend unabhängigen Staatsfunks.

 

Wien, 02. April 2021 | Hugo Portisch ist Medienberichten zufolge am gestrigen Donnerstag 94-jährig verstorben. Der 1927 in Pressburg (heute Bratislava) geborene Journalist und Volksaufklärer prägte mit seinen verständlichen Darstellungen komplexer politischer und historischer Zusammenhänge das Politbewusstsein ganzer Generationen über den österreichischen Tellerrand hinaus.

Vom Chefredakteur zum ORF-Kommentator

Hugo Portisch hatte immer etwas zu sagen und wollte sich nicht langfristig an Vorgaben binden. Als Kurier-Chefredakteur initiierte er ein erfolgreiches Volksbegehren für die Umgestaltung des ORF und wurde später unabhängiger Autor und Kommentator im Staatsfunk. Als solcher wird er unzähligen Österreichern in freudiger Erinnerung bleiben. Seine Bücher und Sendereihen Österreich I und Österreich II waren für das breite Publikum Quelle politischer und geschichtlicher Begeisterung. Sie haben bis heute eine tragende Rolle für das österreichische Selbstverständnis der Ersten und Zweiten Republik inne.

Opfermythos und Fast-Präsident

Fast wäre Hugo Portisch sogar Bundespräsident geworden. Nach der erfolglosen Präsidentschaft von Kurt Waldheim schlugen ÖVP und SPÖ Portisch als gemeinsamen Kandidaten für die Wahl zum Präsidenten vor. Dieser lehnte ab. Er wollte sich seine politische Unabhängigkeit bewahren.

Eine wichtige Rolle dürfte die Journalistenlegende auch für das internationale Selbst- und Fremdbild Österreichs gespielt haben. Er stand in regem Kontakt mit dem damaligen Kanzler Franz Vranitzky, als dieser 1991 in einer berühmten Rede die Mitschuld Österreichs an den Nazi-Verbrechen verkündete. Der Mythos vom ersten Opfer der Nationalsozialisten wurde abgelöst von einem Staat, der sich öffentlich kritisch mit seiner Geschichte auseinandersetzte.

Hugo Portisch sagte mit fast 90 Jahren, dass er „ein sehr glücklicher Mensch“ ist.  Sein bewegtes Leben, das auch das Ende des Zweiten Weltkrieges „mit einer ungeheuren Intensität erlebt hat: Freiheit!“, wirkt bis heute inspirierend.

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

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