Was ist der Unterschied zwischen Peter Pilz und Christoph Chorherr, Eva Glawischnig, Christiane Brunner und Maria Vassilakou? Nein, das wird jetzt keine Pointe eines Witzes, sondern es ist bitterer Ernst.

Peter Pilz ist vieles: ein Meister der medialen Inszenierung, manchmal laut in seinen Aussagen, manchmal dabei auch krawallig. Pilz ist einer, der genau hinschaut und Korruption sehr gut riechen kann; einer, der aufzeigt und wenn nötig anzeigt. Eines ist er sicher NICHT: Käuflich. Er hat einen inneren Kompass und er hat den Anstand, den ein Politiker gegenüber den Reichen und Mächtigen braucht. Die großen Korruptionsskandale dieser Republik wäre ohne ihn nicht aufgedeckt worden.

Steht Christoph Chorherr für Anstand?

#Comeback „Saubere Politik“, so lautet die 2. Plakatwelle der Grünen. Eigentlich sympathisch – wäre da nicht die Heumarkt-Affäre in eine neue heiße Phase geraten. Das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung ermittelt gegen die von den Grünen geführte Magistratsabteilung 31 im Wiener Rathaus. Acht Personen stehen im Zentrum der Ermittlungen. Im medialen Fokus steht dabei das ehemalige grüne Urgestein und der Neo-Berater im Immobilienbereich Christoph Chorherr. Auf eine dringliche Anfrage von JETZT antwortete Justizminister Clemes Jabloner, der Verdacht gegen Christoph Chorherr wegen Korruption und Amtsmissbrauch habe sich durch die Ermittlungen erhärtet.

Christoph Chorherr steckt also mitten in einer, nennen wir es, „Spendenaffäre“.  „Es war ein Fehler, die Spenden anzunehmen“. Die Wiener Vizebürgermeisterin Hebein geht in der Causa um Flächenwidmungen auf Distanz zur ihrem Parteikollegen. Das interne Urteil ist also schon gesprochen.

Christoph Chorherr war nicht nur grünes Urgestein, sondern langjähriger grüner Planungssprecher. Jetzt ist er Berater für Soravia, einem großen Wiener Immobilienentwickler. „Schon als grüner Planungssprecher kreuzten sich seine und Soravias Wege. Fiel doch in diese Zeit die Widmung des bis heute umstrittenen Hochhaus-Projekts Danube Flats in Kaisermühlen.“ Das schrieb der Kurier Anfang Juni.

Steht Eva Glawischnig für Anstand?

Nach ihrem Rücktritt als Grünen-Chefin heuerte Eva Glawischnig ausgerechnet bei jenem Konzern an, den die Grünen in Wien jahrelang bitter bekämpft hatten. Noch wenige Tage nach Glawischnigs Wechsel zeigten die Grünen Novomatic an: „Nun haben wir den Verdacht, dass auch bei den Wettautomaten in Sportwettlokalen einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Deshalb haben wir eine Anzeige gegen Admiral-Sportwetten eingebracht. Admiral ist eine 100 Prozent-Tochter von Novomatic.“

„Eva Glawischnig hat gerade in diesen Segmenten langjährige Erfahrung gesammelt“,freut sich Mag. Harald Neumann, Vorstandsvorsitzender der NOVOMATIC AG über den Neuzugang.

Steht Christiane Brunner für Anstand?

„Grüne Ex-Politikerin zieht es in die Energiewirtschaft –  Christiane Brunner legte alle politischen Funktionen zurück und sondiert in der Privatwirtschaft.“ Wieder titelt der Kurier.

Ja Österreich hat viele kleine und mittlere Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien. Bei Thema Pelletskessel sind wir weltweit Technologieführer. Es gäbe also viele spannende und potente Marktteilnehmer. Der Verbund wirbt gerne mit seiner „Grünheit“ aber letztlich bleibt er ein börsennotierter Stromkonzern. War das eine anständige Entscheidung sich für diesen Arbeitgeber zu entscheiden?

Steht Maria Vassilakou für Anstand?

Und da ist noch Maria Vassilkou. Auch sie hat angekündigt, nach ihrem Ausscheiden aus der Stadtregierung im Bereich der Stadtentwicklung tätig zu werden. Die Immobilienbranche übt also auch auf die Ex-Vize-Bürgermeisterin einen unglaublichen Reiz aus. Eine Wiener Immobilienbranche, die auch mit Groß- und Vielspendern beim Kurz-Messias-Wahlkampf 2017 aufgefallen ist.

Der Anstand in der Politik beginnt in der Politik und endet auch nicht nach dem Ausscheiden aus dem öffentlichen Amt.

Wen würde also der Anstand wählen?

(sm)

Titelbild: gruene.at, ZackZack.at

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