Facebook und die Staatsmacht: Eine Verschwörungstheorie

Kommentar

Max Schrems, Europas letzter Ritter der Digitalisierung, hat es ans Licht gebracht. Facebook speichert bei Passwortänderungen die alten Passwörter weiterhin ab. Das ist nicht nur ohne Rechtgrundlage, sondern es muss auch einen weiteren Grund geben. Dieser könnte sehr beunruhigend sein.

Wien, 15. Februar 2020 /

Mit hoher Wahrscheinlichkeit geht es um die staatliche Kontrolle und/oder das Begehren der Geheimdienste. Erstens: NSA, Mossad, BND und Co. lassen grüßen. Zweitens: Die Politik in Europa hat entweder versagt oder – schlimmer – gar kein Interesse an den Grundrechten ihrer Bürger.

Passwörter werden am Server des Betreibers im Regelfall verschlüsselt gespeichert. Damit soll niemand in der Lage sein, auf die Passwörter zuzugreifen. Eine Speicherung alter Passwörter macht eigentlich nur Sinn, wenn damit ein Informationsgewinn für den Betreiber, in genannten Fall Facebook, verbunden ist. Eine Passwort-History kann sehr aufschlussreich sein und wird in vielen Fällen zu weiteren Zugangsdaten eines Users führen. Wer von uns besitzt schon dutzende oder hunderte wirklich völlig verschiedene Passwörter?

Bürger wird zum offenen Buch

Stellen wir also folgende durchaus wohl begründetet Vermutung an. Facebook besitzt die Passwort-History von 2,7 Milliarden Usern über viele Jahre: Passwörter von Facebook-, Instagram- und WhatsApp-Accounts. Das ist vermutlich weniger für Facebook, aber viel mehr für Dritte spannend. Über eine Passwort-History lässt sich in vielen Fällen die Passwortsystematik eines Users herstellen. Damit wird dieser User schnell zum offenen Buch.

Wo bleibt der Schutz durch die Politik?

Dieses Szenario, das nun von Max Schrems bestätigt wurde, ist nicht neu. Viele vermuten das schon lange und Facebook ist wahrscheinlich in guter Gesellschaft. Was macht die Politik: Statt die Bürger zu schützen, herrscht Schweigen im Walde. Nicht nur, dass diese digitalen Supermächte, für die Facebook hier stellvertretend steht, kaum oder keine Steuern zahlen. Die Politik liefert uns alle quasi diesen Konzernen aus: Vielleicht mit dem Hintergedanken, uns damit transparent für Geheimdienste und andere Staatsinteressen zu machen. Mark Zuckerberg sitzt in Amerika und die NSA ist sowieso überall. China lässt an dieser Stelle auch grüßen. Schuld ist übrigens immer der User. Beim Digitalen ist immer der absolut aufgeklärte, umfassend informierte und IT-affine Bürger gefragt.

Kurz der Digital Native – ja, nein, weiß nicht?

Kanzler Kurz ist 33 Jahre alt. Als Jahrgang 1986 gehört er faktisch zu den „Digital Natives“. Seine Online Kampagnen, geführt vom sagenumwobenen Herrn Maderthaner, sind Legende und tragen sehr stark zur vehement praktizierten türkisen Message Control bei. Kurz oder zumindest seine engsten Berater müssen also sehr gut Bescheid wissen.

Überwachung durch die Digitalen Supermächte gewünscht?

Es passt aber gut ins Konzept der Message Control, an dieser Stelle nichts gegen die digitalen Molche zu unternehmen. Im Zuge des Masterplans „totale Message-Control forever“ sind offenbar viele Mittel und Wege recht, den „Gegner“, pardon den Bürger, zu kontrollieren. Die Anfrage von Maderthaner für das Büro Kurz an die höchst umstrittene und für ihre dubiosen Geschäftspraktiken bekannte Firma Cambridge Analytica spricht Bände.

Verschwörungstheorie?

Unsere Demokratie lässt einiges (noch) nicht zu, aber es wird mit viel Akribie am Dammbruch gearbeitet. Die Sicherungshaft und der jüngste Angriff von Kurz auf die Justiz sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Teile des Plans. Die Auslieferung der Bürger an womöglich willfährige Digitalkonzerne ist vielleicht mehr gewollt, als uns allen lieb ist. Max Schrems wird wohl weiter der letzte Ritter der Digitalisierung bleiben – ein einsamer Kämpfer. Und das, was hier geschrieben steht, ist dann wohl auch nichts anders als eine weiter Online-Verschwörungstheorie.

(sm)

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Titelbild: APA Picturedesk

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