Sezession oder Abspaltung ist momentan ein schwieriges Thema. Katalonien, Nordirland und Schottland, das sind die großen Bewegungen. Und jetzt ist auch noch Österreich davon betroffen. Vorarlberg zur Schweiz – das ist kein ganz neues Thema. Seit 100 Jahren geistert es immer wieder in manchen Köpfen herum.

Wien, 04. Oktober 2019 / Im Jahre 1919 nach dem verloren 1. Weltkrieg und dem „übrig“ geblieben Rumpfstaat Österreich, gab es ein klarer Wunsch der Vorarlberger: 81% stimmten dafür, sich der Schweiz anzuschließen. Nicht nur die bittere Not, die herrschte, auch die unklare politische und wirtschaftliche Situation und auch die weite Entfernung zu Wien waren alles gute Argumente, sich in die Arme der Schweiz zu begeben.

Kanton übrig

Doch die Schweizer wollten keinen Anschluss des relativ gesehen großen Vorarlbergs an die Eidgenossenschaft. Zu viele Katholiken und zu viele Deutschsprachige, die das Gleichgewicht der Kantone durcheinander gebracht hätten. Der Begriff des Kantons „Übrig“ war entstanden  und Vorarlberg blieb österreichisch.  Mit dem Vertrag von Saint-Germain  war sowieso alles hinfällig, denn Restösterreich musste eine unabhängige Republik sein.

Das Verhältnis zu den „Weanarn“

Doch Vorarlberg blieb weiter sehr weit weg von Wien. Alemannen, die sich gerne in einer etwas unabhängigen Rolle sahen. Der Arlberg war weiter eine natürliche Grenze, die sich bis zum Bau des Arlbergtunnels im Winter immer wieder für Stunden, manchmal Tage, schloss.

Pro Vorarlberg – Kampf für den eigenen Satus

Ende der Siebziger Jahre war es die Bürgerinitiative „Pro Vorarlberg“ die mehr Selbständigkeit und einen eigenständigen Status von Vorarlberg einforderte. Die Vorarlberger standen auch diesmal der Initiative positiv gegenüber, hatten aber starke Vorbehalte gegen einen Separatismus. Der Vorarlberger bleibt das, was er gerne ist: ein Pragmatiker. Doch als Ergebnis gab es mehr Föderalismus bei Ländern und Gemeinden, weil auch Wien und die Steiermark die Vorarlberger Forderungen unterstützten.

Schweizer Kantonsrat will sich Xiberg krallen

Doch diesmal istalles anders. Ein Schweizer Kantonsrat aus dem an Vorarlberg angrenzenden Kanton St. Gallen hatte die Idee Vorarlberg doch in die Schweiz einzugliedern. Und schon waren zwei Umfragen in der Öffentlichkeit, wenn auch nicht repräsentativ, die beide positiv auf den Schweizer Vorstoß reagierten.

Pragmatische Lösung – What else?

Aber da auch die Schweizer zumindest in der deutschsprachigen Region Alemannen sind, wurde die Sache pragmatisch und nach Schweizer Art sehr nüchtern behandelt. Das konnte nur in der folgenden Form enden. Eine Sezession wäre laut der Regierung in St. Gallen nur dann zu rechtfertigen, „wenn im betroffenen Gebiet Menschenrechte systematisch und schwer verletzt würden“. Dies sei in Vorarlberg „in keiner Weise der Fall“, die „schützenswerten Interessen eines Staates auf Einheit und territoriale Integrität“ sei außerdem höher zu gewichten.

Übrig und zufrieden!?

Und wieder ist Vorarlberg also „übrig“ geblieben und wird weiterhin ein „österreichisches“ Schicksal teilen. Ach ja, und bei all dem darf nicht übersehen werden, dass vermutlich schon morgen die neue schwarz-grüne Landesregierung präsentiert wird.

Was für ein Tempo! Pragmatisch zu sein hat halt schon was.

(sm)

Titelbild: ZackZack Grafik

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