Das 1:5-Debakel in Frankfurt war ein neuer Tiefpunkt für den deutschen Rekordmeister. Trainer Niko Kovac bot seinen Rücktritt an, die Bayern-Verantwortlichen akzeptierten dankend. Das beste Standing hatte der 48-jährige ehemalige kroatische Nationalspieler bei Fans und Vorstand ohnehin nie. Zu unspektakulär und zu wenig taktische Variabilität zeigten die Bayern in den 15 Monaten unter Kovac. Nach dem unrühmlichen Kovac-Ende befindet man sich an der Säbener Straße auf der Suche nach einem Nachfolger. ZackZack.at beleuchtet die aussichtreichen Kandidaten.

München, 04. November 2019 / Bayern braucht wieder Glamour. Kovac kam vom damaligen Tabellen-Achten, kurz nachdem Frankfurt im Pokalfinale Bayern eins „über die Rübe“ zog (3:1-Sieg für Frankfurt, red.). Es folgte in Kovac erster Bayern-Saison ein unspektakulärer und ergebnisorientierter Stil, mit wenigen positiven Ausreißern (7:2 gegen Tottenham). Der Kovac-Stil schlug jedoch schnell in negative Stimmung an der Isar um. Und wieder war es Frankfurt, das Bayerns heile Welt zum Beben brachte. Am Sonntag bot Kovac schließlich seinen Rücktritt, den die Bayern-Bosse dankend annahmen, an. Nun stehen Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic vor der schwierigen Suche eines Nachfolgers.

Die Mia-san-Mia-Übergangslösung: Hansi Flick

Designierter Nachfolger bis zur Winterpause ist der ehemalige Salzburg- und Deutschland-Co-Trainer Hansi Flick. Der 44-jährige Ex-Bayern-Spieler wurde bereits von Kovac ins Team als Co-Trainer geholt und wird aller Voraussicht nach nur eine Interimslösung sein. Für ein längeres Engagement wird die Zeit wohl zu kurz sein, damit sich Flick beweisen kann.

Chancen: 5%

Die Vereinslosen: Mourinho, Wenger

Kaum wird ein Posten bei einem Groß-Klub frei, stehen diese zwei Namen in sämtlichen Gazetten ganz oben. Heißes Eisen wie immer: „The Special One“ Jose Mourinho. Der momentane Sky-Experte würde jedoch so gar nicht ins Beuteschema der Münchner passen, da die Bayern-Verantwortlichen auf der Suche nach Ordnung und Spiellaune sind. Zwei Dinge, die man nicht unbedingt mit dem ehemaligen Chelsea- und Real-Coach verbindet. Der Portugiese steht für launige Interviews und eine Taktik des Betonanrührens. Auch der seit seinem Abschied von Arsenal immer wieder kolportierte Arsene Wenger scheint eher schlechte Karten für den Posten zu haben.

Chancen: 5%

Der Taktgeber: Xabi Alonso

Der spanische Ex-Bayernspieler (2014-2017) Xabi Alonso setzt gerade erste Schritte im Trainerbusiness bei der zweiten Mannschaft des La Liga-Clubs Real Sociedad. Alonso galt bereits zu seiner Zeit als Spieler als taktisch hervorragend und mit hohem Spielverständnis ausgestattet. Auch hält der Bayern-Vorstand große Stücke auf den 114-fachen spanischen Internationalen. Bereits im Mai verkündete Rummenigge in einem Interview, auf die Frage ob Alonso einmal als Vorstand zu den Bayern zurückkehren solle: „Nein, als Trainer.“ Zudem war Alonso „der beste Taktgeber, den wir im Mittelfeld in den letzten Jahren hatten“. Großes Plus für Alonso ist: er kennt die bayrische Mentalität, spricht vier Sprachen fließend, darunter auch Deutsch. Auch die Ablösesumme sollte den Bayern kein Kopfzerbrechen bereiten.

Chancen: 30%

Der Ösi: Ralph Hasenhüttl

Vor der Bestellung von Kovac fiel ein Name immer wieder in den Medien: Ralph Hasenhüttl. Der heutige Southampton-Trainer wurde damals bereits von den Bayern kontaktiert. Damals lehnte er ab. Sollte er nun am Posten interessiert sein, dürfte sich seine Verhandlungsposition nicht gerade verbessert haben. Erst kürzlich schoss Leicester City Hasenhüttl und sein Team 9:0 aus dem eigenen Stadion. Platz 18 in der Liga ist nun auch nicht gerade ein Ruhmesblatt. Heimische Fußballfans müssen sich wohl noch weiter auf den ersten österreichischen Trainer bei den Münchnern seit 1961 (Adolf Patek, red.) gedulden.

Chancen: 0%

Der, der nicht will: Jupp Heynckes

Die Fans wünschen sich einen Namen ganz besonders zurück: Jupp Heynckes. Der viermalige Bayern-Trainer ist nach jedem Trainerrauswurf sofort in aller roter Munde. Der 74-jährige Triplegewinner von 2013 sagte bereits nach seinem letzten Engagement, bei dem es sich laut Heynckes um kein Comeback, sondern einen freundschaftlichen Gefallen für Hoeneß handelte, dass es seine letzte Trainerstation war. Heynckes dürfte wohl für die kommenden Tage sein Handy ausgeschalten haben, Anrufe der Bayernbosse sind dennoch zu erwarten. Ob Heynckes erneut überredet werden kann, darf allerdings bezweifelt werden.

Chancen: 10%

Der Wunschkandidat: Erik ten Haag

Der momentane Ajax-Trainer sorgte letztes Jahr mit seiner niederländischen Boygroup in der Champions League für Furore, nur knapp scheiterte man im Semifinale an Tottenham. Es folgte im Sommer der Ausverkauf des niederländischen Meister: de Jong, de Ligt und Dolberg verließen den Klub, was dem 49-jährigen sauer aufstieß. Ten Haag äußerte sich bereits über ein mögliches Bayern-Engagement. Er würde dies ernsthaft in Betracht ziehen. Auch die Fans des deutschen Rekordmeisters stehen dem Niederländer positiv gegenüber und sprechen sich für ihn aus. Besonders die offensive Spielkultur könnte Balsam für die hart gedroschene Bayernseele sein.

Chancen: 40%

Der Junge: Julian Nagelsmann

Erst diese Saison wechselte der 32-jährige von Hoffenheim zum Red Bull-Klub nach Leipzig. Begierde erweckte der Jungspund unter den Bundesligatrainern bereits vorher bei den Bayern-Bossen. Allerdings bezeichnete Hoeneß den Leipziger zwar als guten Trainer, jedoch als für den Posten noch zu jung. Sein laufender Vertrag beim direkten Konkurrenten Leipzig dürfte wohl auch nicht von Vorteil sein. Der Erfolg würde für Nagelsmann sprechen, in der Tabelle befindet man sich vor dem Rekordmeister und besonders in den letzten Tagen sind die Leipziger in spektakulärer Torlaune, was den Bayernfans gefallen könnte. 8:0 gegen Mainz am Wochenende und nur 4 Tage zuvor schoss man Glasners Wolfsburger mit einem 6:1 im Pokal vom Platz.

Chancen: 10%

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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