Freitag, Juli 19, 2024

Riesen-Razzia bei Amazon

Blaulicht vor dem Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf bei Wien. Der Konzernriese wurde mit über 60 Mann gefilzt. Im Zentrum stand aber nicht Amazon selbst, sondern Firmen, die für Amazon Pakete zustellen.

Wien, 19. Februar 2020 / Bei Amazon Österreich sind Beamte der Finanzpolizei vorstellig geworden. Mit 63 Mann filzte die Behörde zwei Stunden lang das Verteilzentrum Großebersdorf bei Wien. Die Finanzpolizei vermutet “gewerbsmäßige Schwarzarbeit”. Sichergestellt worden seien die Fahrerlisten, um die tatsächlichen Dienstzeiten zu überprüfen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Im Visier stand nicht der Online-Riese selbst, sondern die Subfirmen, die für Amazon im Großraum Wien die Pakete zustellen.

Sub-Unternehmen unter Verdacht

Offenbar bekamen Journalisten der “Presse“ gerade eine Führung durch die Zentrale, als die Behörden vorstellig wurden. So sollen Mitarbeiter-Listen gesammelt worden sein, die alle Paketlieferanten ausweist. Die Unternehmen der rund 500 Fahrer sollen insgesamt fast 400.000 Euro Steuerschulden angesammelt haben. Amazon sagte, man werde Maßnahmen gegen Lieferpartner setzen, die Mitarbeiter nicht nach geltendem Recht beschäftigen.

Die Fahrer arbeiten oft in äußerst prekären Verhältnissen. 250 Pakete am Tag sind auszuliefern, Scheinselbstständigkeit und eine kleine Bezahlung pro Paket sind nur einige Punkte, die Gewerkschaften an der Branche kritisieren. Der gesamte Online-Handel, sei ein Geflecht von “Subsubsub”-Firmen. Das schwächste Glied ist der Fahrer, sagte Gewerkschafter Karl Delfs kürzlich zu “futurezone.at”.

Amazon erfreut

Unternehmen, die ihre Logistik mit Sub-Firmen organisieren, übernehmen für diese Firmen zu wenig Verantwortung, sagen Gewerkschaften schon länger. Als Generalunternehmen sollten sie für arbeitsrechtliche Verfehlungen haften. Dies betrifft nicht nur Amazon, sondern auch beispielsweise die Österreichische Post.

Amazon freut sich dennoch über die Razzia: „Wir begrüßen die heute von Finanzminister Blümel veranlasste Großrazzia der Finanzpolizei bei Amazon. Es braucht eine strukturierte Betrugsbekämpfung, um Steuerhinterziehung und Sozialbetrug hintanzuhalten. Damit wird einer Wettbewerbsverzerrung entgegengewirkt und für mehr Fair Play gesorgt. Österreich hat sich seine Arbeits- und Sozialstandards hart erarbeitet, daher ist ein effektiver Vollzug nur fair.“

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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