Regierung setzt jetzt Roboter ein

Christine Aschbacher in der ZIB 2

Am Freitag hatte Arbeitsministerin Christine Aschbacher einen verstörenden Auftritt in der ZIB 2. Und während Kurz, Anschober und sogar Nehammer in der Krise eine gute Figur machen, muss man sich bei anderen Ministern die Frage stellen: Ist das ernst gemeint?

Wien, 21. März 2020 | Über 100.000 neue Arbeitslose in nur einer Woche. Der größte Teil davon geht nicht auf vorgezogene Saisoneffekte zurück. Zu tausenden verlieren täglich Menschen ihre Arbeit. Das (notwendige) Maßnahmenpaket der Regierung zur Eindämmung des Coronavirus erzeugt einen beängstigenden Kahlschlag am österreichen Arbeitsmarkt – trotz neuer Kurzarbeitsregelung, die erste Erfolge zeigt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise werfen bereits jetzt lange Schatten voraus.

Da wünscht man sich im Arbeitsministerium politisch Verantwortliche, die der Krise gewachsen sind. Die Regierung setzt dabei offenbar auf Roboter. Christine. Aschbachers Auftritt. Gestern. In der ZIB 2 war. An Skurrilität kaum. Zu überbieten. Las sie Antworten auf Fragen, die Lou Lorenz-Dittlbacher gar nicht gestellt hatte, etwa von einem gestörten Teleprompter ab? Hat man einem digitalen AMS-Algorithmus einen Körper gebaut? “Lache, wenn’s nicht zum Weinen reicht”, sang Grönemeyer 2002; das Gefühl hatten gestern wohl tausende Österreicher, die gerade ihren Job verloren haben und sehen mussten, wer die österreichische Arbeitsmarktpolitik durch die Krise steuert.

Der Minister-Bot

In den 1960er-Jahren experimentierten US-amerikanische Informatiker mit frühen Chat-Bots. Deren unsinnige Dialoge haben rückblickend ein deutlich komisches Element – besonders, wenn man zwei davon miteinander sprechen ließ, wie hier die beiden Programme ELIZA und PARRY:

P: Hast du jemals wirklich über die Mafia nachgedacht?

E: Ich nehme an, du hast jemals wirklich über die Mafia nachgedacht?

P: Lass uns über etwas anderes sprechen!

E: Ich bin nicht sicher, dass ich dich ganz verstehe.

Christine Aschbachers Auftritt in der ZIB 2 war um nichts besser. Man sollte meinen, die KI-Forschung hätte in den letzten 50 Jahren größere Fortschritte gemacht.

Man könnte der Ministerin nun zugute halten, dass Handlungs- und Entscheidungskompetenz nun mindestens ebenso wichtig sind wie gute Kommunikation. Eine Politikerin, die weiß, was sie tut, wäre aber in der Lage, auf einfache Fragen spontane Antworten zu geben. Davon war Arbeitsministerin Aschbacher gestern weit entfernt.

Thomas Walach

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Titelbild: APA Picturedesk

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