Tausende Passagiere warten noch auf ihr Geld

Aber AUA verschenkt schon wieder Flüge

Mit einer Marketingaktion verschenkt die AUA in der Gratiszeitung “Heute” schon wieder Flüge. Das irritiert, warten doch zehntausende Kunden auf ihre Rückerstattungen aufgrund ausgefallener Flüge. Hält die AUA die Gelder zurück, weil sie noch mit einer Insolvenz spekuliert?

Wien, 31. Mai 2020 | Als Mitte März die Corona-Krise harte Maßnahmen erforderte, wurde tausende Flüge gestrichen. Seitdem warten allein in Österreich zehntausende Kunden auf ihr Geld von der AUA. Die AUA hält die Rückerstattung aber bislang zurück.

Spekulation mit Insolvenz? Kunden zahlen drauf

Die Airline bietet den Kunden stattdessen Gutscheine oder Umbuchungen. Eine wirkliche Rückerstattung des Flugpreises gibt es nicht. Dasselbe gilt für Deuschland: Auch Konzernmutter Lufthansa hält die Rückerstattungen bisher zurück.

Warum zahlt die AUA nicht? Für viele Experten ist die Lage eindeutig: AUA und Lufthansa spekulieren noch mit der Insolvenz. Solange diese noch nicht vollkommen vom Tisch sei, werde der Konzern die stornierten Flugtickets nicht rückerstatten, heißt es vonseiten einiger Experten.

Es gibt gute Gründe, um von dieser These auszugehen: Erst am gestrigen Freitag brachte die Lufthansa erneut eine Insolvenz ins Spiel, obwohl man sich erst kürzlich auf eine staatliche Milliarden-Rettung geeinigt hatte!

Flüge werden verschenkt

Wie viel Geld die AUA ihren Kunden schuldet, weiß niemand. Gemunkelt wird: rund 20 Millionen Euro, doch es gibt auch Schätzungen, die ins Vielfache gehen. Unterstützt werden die Konsumenten von Peter Kolbas Verbraucherschutzverein. Dieser arbeitet mittlerweile mit dem deutschen Service ticketrefund.de zusammen.

Die AUA stört das aber offensichtlich nicht. Nachdem sie gestern bekanntgab, dass ab 15. Juni der Flugbetrieb wieder Fahrt aufnehmen soll, startete man auch gleich mit einem Gewinnspiel. Zusammen mit dem von der Regierung massiv geförderten Gratis-Blatt „Heute“ verlost man seit Donnerstag Gratis-Flüge nach Griechenland.

Zehntausende Kunden warten noch auf ihr Geld. Das hindert die AUA aber nicht daran, schon wieder Gratis-Flüge zu verschenken. Quelle: Heute.at.

Seltsame Marketingaktion

Grund genug, um bei der AUA nachzufragen. Wie erklärt sie den Zehntausenden, dass man schon wieder Flüge verschenkt? Vonseiten der Pressestelle der AUA heißt es dazu:

“Bei der Marketinkooperation, bei der auf Initiative von heute.at zwei Tickets verlost werden, wollen wir die Freude über die Wiederaufnahme des Flugbetriebes teilen.”

Aber: warum wurde die Rückerstattung noch nicht ausgezahlt? Dass die Kunden noch immer auf ihr Geld warten würden, hätte jedenfalls nichts damit zu tun, dass man mit einer Insolvenz spekuliere. Das habe einen ganz anderen Grund, heißt es von der AUA: “Die Anzahl der zu bearbeitenden Fälle” sei so “extrem gestiegen”. Das führe dazu, dass “die Bearbeitung länger als üblich” dauern würde.

Dass die Marketing-Aktion eine seltsame Optik liefert, dürfte auch die AUA verstanden haben. Denn man wolle “die Chance gerne nutzen”, um sich “bei betroffenen Kunden für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.”

Offen bleibt, wie sehr sich Tourismusministerin Elisabeth Köstinger über ein Marketing freut, das den Flugbetrieb wiederbeleben soll. Bekanntlich wirbt sie aktuell für Inlandstourismus. Köstingers Motto für den Sommer 2020: Grundlsee statt Griechenland.

(ot)

 

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Titelbild: APA Picturedesk

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