Letztes Aufbäumen beim LKW-Riesen

Gewerkschaft marschiert in Steyr auf

Vor der geplanten Standortschließung in Steyr, bekommt der Münchener LKW-Riese MAN nochmal Dampf von der Gewerkschaftsspitze. Gemeinsam mit Betriebsräten und Belegschaft will man doch noch den Standort retten.

 

Steyr, 06. Oktober 2020 | Angesichts der Pläne des Münchener Lkw- und Busherstellers MAN, den Standort im oberösterreichischen Steyr mit 2.300 Beschäftigten bis 2023 zu schließen, sind Dienstagnachmittag dort die Spitzen der österreichischen Gewerkschaft aufmarschiert. Sie demonstrierten Rückenstärkung für die Belegschaft und deren Betriebsräte. In einem Gespräch mit ihnen sollten auch die nächsten Schritte koordiniert werden.

Katzian schöpft nochmal Hoffnung

Gewerkschaftschef Katzian zeigte sich einerseits “sehr enttäuscht”, andererseits kämpferisch. VW und MAN hätten in den vergangenen Jahren immer Handschlagqualität und Vertragstreue bewiesen. Dass nun die gerade erst im vergangenen Jänner unterschriebene ganz klare Standortgarantie aufgekündigt worden sei, sei ein “Schlag ins Gesicht der Kollegen”.

Jetzt werde die Gewerkschaft eine gemeinsame Strategie mit dem Betriebsrat erarbeiten. Im Gespräch mit dem Betriebsrat wolle man hören, was diesem von der Konzernleitung gesagt wurde, und was mit den anderen Betriebsräten im Gesamtunternehmen besprochen wurde. Es gebe eine große Palette von gewerkschaftlichen Maßnahmen. Der Betriebsrat müsse entscheiden, welche gewählt werde, hielt Katzian fest, aber er wolle grundsätzlich nichts ausschließen.

Der MAN-Arbeiter-Betriebsratschef in Steyr, Erich Schwarz, betonte die Wichtigkeit der Unterstützung durch die Gewerkschaft als Signal an die Belegschaft.

“Die Stimmung ist nach wie vor im Keller.”

Die Arbeitnehmervertretung helfe aber unter anderem auch in rechtlichen Fragen. So durchleuchte die Rechtsanwaltskanzlei Jarolim und Partner die Verträge zur Standortgarantie. Er lehnt es ab, dass MAN die in diesen enthaltene wirtschaftliche “Schlechtwetterklausel” ziehe. Steyr habe zuletzt 20 Mio. Euro Überschuss nach München abgeliefert, in den Jahren davor seien es 33 und sogar 97 Mio. Euro gewesen. Andere bereits bestehende MAN-Werke in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau hätten dies nicht gebracht. In dem Vertrag stehe auch, dass es bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung Gespräche mit dem Betriebsrat geben solle, aber nicht, dass die Vereinbarung gekündigt werde.

Die Mär der hohen Lohnkosten

Zu den hohen Lohnkosten in Steyr rechnete Schwarz vor, dass diese maximal 10 Prozent vom Umsatz ausmachen würden. Überzahlungen seien durch massive Mehrleistungen der Mitarbeiter gerechtfertigt. Dass MAN trotz der geplanten Schließung in Steyr erst vergangenes Wochenende in einem ganzseitigen Inserat wieder neue Lehrlinge suchte, erklärte der Betriebsrat damit, dass zusätzliche zu jenen, die nach erfolgreicher Aufnahmsprüfung anfangen können, weitere benötigt werden. MAN bildet in seiner überregionalen Lehrwerkstätte auch für andere Unternehmen in Steyr, beispielsweise BMW, ZF, GFM und SKF aus.

Der oberösterreichische ÖGB-Vorsitzende und Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer sieht augenblicklich eine emotionale und eine sachliche Seite: Frust und Zorn, dass nicht zähle, was ein Konzern zusage. Aber auch, dass jetzt kühler Kopf bewahrt werden müsse und alle Möglichkeiten zu nützen seien, um den Standort zu erhalten.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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