SPÖ nimmt Millionäre und Konzerne in die Pflicht

“Wer bezahlt die Krise am Ende des Tages?”

SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer fordert eine stärkere Einbindung von Millionären und Onlinekonzernen zur Bewältigung der Krise. Ein Fünf-Punkte-Plan sieht zudem ein Dividendenverbot und die Rücknahme von Pensionskürzungen vor.

 

Wien, 11. Dezember 2020| Die SPÖ hat am Donnerstag im Nationalrat einen Antrag auf eine Solidarabgabe von Onlinekonzernen und Millionären eingebracht. Damit soll sichergestellt werden, dass nicht die ArbeitnehmerInnen bei den budgetären Folgekosten der Krise zur Kasse gebeten werden. Es geht um eine gerechte Krisenfinanzierung, sagt SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer. Die Frage sei: „Wer bezahlt die Krise am Ende des Tages?“ Darauf hätten immer mehr Länder die Antwort, „die oberen 10.000 sollen einen Beitrag leisten“, so Krainer: „Nur in Österreich sagt die ÖVP, alle sollen einen Beitrag leisten, nur nicht die Milliardäre und ÖVP-Spender.“

Krainer verweist darauf, dass es im österreichischen Steuersystem eine Schieflage gibt. ArbeitnehmerInnen würden mehr als 80 Prozent des gesamten Aufkommens an Steuern und Abgaben zahlen. Vermögensbezogene Steuern würden nur einen verschwindend geringen Teil zu Finanzierung der Staatsaufgaben beitragen.

Corona-Hilfen kommen bei den falschen an

Diese Schieflage werde im Augenblick noch größer, und zwar durch die Coronahilfen der Regierung. So können Glücksspielkonzerne wie die Novomatic (Eigentümer ist der zweitreichste Österreicher Johann Graf mit einem Vermögen von 6.5 Milliarden Euro) Umsatzeinbußen auf Wetten abschreiben.

Zugleich würden sich ÖVP und Grüne nach wie vor weigern, das Arbeitslosengeld, das derzeit nur rund die Hälfte des letzten Einkommens ausmacht, auf 70 Prozent zu erhöhen. Genauso würden kleine Selbstständige, Taxiunternehmen, Kulturveranstalter und Zulieferbetriebe von der Regierung im Stich gelassen.

„Wir wollen weder den Herrn Graf, noch die Novomatic, noch die Glücksspielindustrie mit Steuermitteln subventionieren“, sagt Krainer. Die Regierung verteile zu viel Geld an die, die es nicht brauchen, und viel zu wenig an die, die es brauchen.

Steuergeld nicht zum Nulltarif

Gar kein Verständnis hat Krainer dafür, dass die Regierung die Milliarden für Unternehmen nicht an Bedingungen geknüpft hat. So gebe es keine Arbeitsplatz- und Standortgarantie, kein Verbot von Gewinnprämien von Aktienbesitzern und hohe Boni für Manager.

In ihrem Entschließungsantrag spricht sich die SPÖ für fünf konkrete Maßnahmen für eine faire Krisenbewältigung und Krisenfinanzierung aus:

1) Die Einführung einer Solidarabgabe für Onlinekonzerne wie Amazon und für Millionäre zur Finanzierung der Kosten der Krise ist sicherzustellen.

2) Die Überförderungen mittels Umsatzersatz etwa bei Luxushotels für nichtverkauften Champagner oder bei Glückspielunternehmen für Wetteinsätze sind einzustellen. Die dadurch freiwerdenden Budgetmittel sind stattdessen armutsgefährdeten und arbeitslosen Menschen (Erhöhung der Nettoersatzrate auf 70%) zur Verfügung zu stellen.

3) Es braucht wirksame Wirtschaftshilfen für Unternehmen, die indirekt hart von den Lockdowns betroffen sind (vom Taxigewerbe bis zu Kultur-Veranstaltern).

4) Die Wirtschaftshilfen sind an ein umfassendes Dividendenverbot sowie eine umfassende Arbeitsplatzgarantie zu koppeln.

5) Die Kürzungen der Pensionen für alle künftigen Pensionistinnen und Pensionisten sowie die Abschaffung der abschlagsfreien Pension nach 45 Arbeitsjahren sind zurückzunehmen.

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben

So schummelte Österreich beim EU-Corona-Aufbauplan

Bei den Verhandlungen des milliardenschweren Corona-Aufbauplans der EU inszenierte sich die Kurz-Regierung als Teil der „frugalen Vier“ – um später die eigenen Kriterien zu untergraben. Gemeinsame Recherche mit internationalen Partnern.

Die Hintergründe zur Libyen-Affäre

„Die Libyen-Affäre“ erklärt: Um was geht es im Kern? Was ist neu? Welche Rolle spielte die Flüchtlingskrise und der Wahlkampf 2017?