Riesen-Brand am Rhein:

So gingen Europas Daten in Flammen auf

Es sind gewaltige Bilder: Europas größtes Rechenzentrum ging in Flammen auf, viele Daten sind nun für immer verloren. Der trügerische Glaube, alle Daten wären in einer sicheren, raumlosen Wolke, löste sich vergangenen Mittwoch in Luft auf.

Straßburg, 15. März 2021 | Am vergangenen Mittwoch brannte es bei Europas größtem Datenspeicher-Anbieter “OVHCloud”. Zwei von vier Serverhallen in Straßburg waren betroffen, eine brannte komplett nieder. Der Brand traf bis zu 16.000 Kunden, teilte das Unternehmen selber mit.

Der trügerische Glaube an Daten-Wolken

Laut Medienberichten gingen ganze 3,6 Millionen Webseiten zumindest kurzzeitig offline. Zahlreiche Kunden verloren alle ihre Daten. Backups, also zusätzliche Datensicherungen, gab es bei OVH nur gegen eine Extragebühr – die viele im Glauben an die Sicherheit der Cloud einsparten.

Zu den prominenteren Daten-Opfern gehörten das “Centre Pompidou”, der französische Bitcoinanbieter “Coinhouse”, die offizielle Webseite der französischen Regierung “data.gouv.fr” oder die britische Computerspielfirma “Facepunch” mit dem Survival-Spiel “Rust”. Letztere meldete ebenso den Totalverlust ihrer Daten wie die französische Großkanzlei “Leroi & Associés”.

Ansicht des Cloud-Rechenzentrums “OVH”, nachdem das Gebäude bei einem Brand in Straßburg zerstört wurde. Der Brand, der am 9. März 2021 über Nacht stattfand, fegte die meisten Server im Gebäude weg. / Fotos: APA Picturedesk.

Feuer vernichtete sogar Backups

Nach Angaben der französischen Webseite “Le Journal du Net” hätten aber auch manche Kunden, die ein Backup hatten, alle Daten verloren. Denn auch die Backup-Server seien in einer anderen Halle des gleichen Datenzentrums gestanden und vom Feuer ebenfalls betroffen. Wie viele Unternehmen ihre Daten endgültig verloren, wird noch erhoben. OVH hofft, im Laufe der Woche den Kunden an dem Standort wieder Dienste anbieten zu können.

Die 1999 von Octave Klaba gegründete französische “OVH”, später umbenannt in “OVHCloud”, hat über 260.000 Server in mehr als zwanzig Rechenzentren und ist damit Europas größter Anbieter von Rechenleistung und Datenspeicher. Das Unternehmen war einer der Hoffnungsträger für eine europäische Antwort auf die Cloudangebote der Internetriesen aus den USA und China.

OVHCloud hatte erst vor kurzem bekanntgegeben, den Weg an die Börse anzustreben und dabei auf eine Bewertung mit mehr als einer Milliarde Euro gehofft.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

7 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Kurz muss Akten liefern – VfGH fordert Kanzler auf

Paukenschlag! Der Verfassungsgerichtshof hat entschieden, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz geforderte Akten aus seinem Ressort an den Untersuchungsausschuss liefern muss. Kurz hatte keine ausreichende Begründung für eine Nicht-Lieferung dargelegt.
Link zu: MeinungLink zu: Leben

Großbritannien lockert weiter – Kaum noch Corona-Tote

Ein Drittel der Erwachsenen im Vereinigten Königreich ist bereits vollständig gegen das Cornavirus geimpft. Am 17. Mai treten weitere Lockerungen in Kraft. Die britische Regierung plant, am 21. Juni schlussendlich alle Corona-Maßnahmen aufzuheben.

Strache vergleicht Gastro-Nachweis mit Asyl-Papieren

Der gescheiterte Ex-FPÖ-Chef nahm die Gastro-Öffnung am 19. Mai zum Anlass, auf Facebook einen absurden Vergleich aufzustellen. Demnach sei es schwerer ins Wirtshaus zu kommen, als nach Österreich zu flüchten.

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen