Freitag, Juli 19, 2024

»Der vergessene Dritte« – Pilot von Apollo 11 gestorben

Pilot von Apollo 11 gestorben

Er war der dritte Mann der Mondmission Apollo 11 und stand im Schatten von Neil Armstrong und Buzz Aldrin – nun ist Michael Collins mit 90 Jahren an Krebs gestorben.

Washington, 29. April 2021 | Michael Collins hatte den wohl undankbarsten Job der Raumfahrtgeschichte: Während weltweit rund eine halbe Milliarde Zuschauer vor ihren Fernsehern die Mondlandung bejubelten, war der Astronaut mittendrin – und doch ganz alleine. Collins flog seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Rahmen der Apollo 11-Mission zum Mond. Als Pilot der Raumkapsel betrat er den Erdtrabanten allerdings nicht, sondern musste im All bleiben.

Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin. Foto: APA/NASA

Am Mittwoch ist der “vergessene dritte Astronaut” im Alter von 90 Jahren gestorben, wie seine Familie und die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilten. Collins habe an Krebs gelitten und “seine letzten Tage friedlich im Kreis seiner Familie verbracht”, hieß es in einer Mitteilung der Familie.

“Wir werden ihn schrecklich vermissen. Aber wir wissen auch, wie glücklich er sich gefühlt hat, das Leben zu leben, das er gelebt hat. Wir werden seinem Wunsch nachkommen, dieses Leben zu feiern und nicht zu trauern.”

“Der einsamste Mensch in der Geschichte”

Die USA hätten einen “wahren Pionier und lebenslangen Erkundungs-Aktivisten” verloren, sagte der kommissarische NASA-Chef Steve Jurczyk. Wegen seiner Rolle bei der “Apollo 11”-Mission hätten ihn manche den “einsamsten Menschen in der Geschichte” genannt.

Start der Apollo 11 am 16. Juli 1969 in Florida. Foto: APA

Einsam sei er damals aber gar nicht gewesen, hatte Collins zu Lebzeiten immer wieder betont:

“Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von “Apollo 11″ hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte.”

Die Unternehmung war für drei Männer angelegt, Collins sah sich genauso notwendig an wie seine Kollegen.

US-Präsident vergaß Collins

US-Präsident Richard Nixon vergaß bei seiner Live-Schaltung vom Weißen Haus zum Mond allerdings, Collins zu erwähnen und sprach nur zu den anderen beiden – und so ging Collins als der “vergessene Astronaut” in die Geschichte ein.

Collins war Pilot der “Gemini 10”-Mission, der ersten, bei der das Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. Dabei wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte, und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.

“Schreibt ‘Glücklich’ auf meinen Grabstein”

Im Alter zog sich Collins zurück. “Grummelig” sei er geworden, sagte er einmal. Seine Zeit verbringe er mit “Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Malen, Kochen, Lesen, Sorgen um die Börsenwerte machen und der Suche nach einer guten Flasche Cabernet für weniger als zehn Dollar”.

Foto: APA

Als Held habe er sich nie gesehen.

“Es gibt Helden, die auch gefeiert werden sollten, aber Astronauten gehören nicht dazu. Wir arbeiten hart und haben unsere Aufgabe fast perfekt erfüllt, aber dafür waren wir angestellt worden.”

Er habe Glück gehabt im Leben – und sei glücklich gewesen. “Schreibt ‘Glücklich’ auf meinen Grabstein.”

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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