Nach Staatsmillionen: AUA baut schon wieder Stellen ab

Die Rettung der AUA kostete den Staat ein Vermögen, doch das Unternehmen will einmal mehr Jobs streichen. CEO von Hoensbroech, der beste Kontakte zur ÖVP unterhält, möchte „erfolgreich durch die Krise fliegen“.

 

Wien/Schwechat, 05. August 2021 | Die Austrian Airlines (AUA) spüren laut eigenen Angaben die zurückhaltende Flugreisetätigkeit infolge der Coronapandemie. Auch im zweiten Quartal verzeichnete man deshalb einen Betriebsverlust. Zuletzt hatte man zwar mehrere Erfolgsmeldungen hinsichtlich des Sommertourismus verkündet, will nun aber wieder den Rotstift bei der Belegschaft ansetzen.

AUA soll um 20 Prozent kleiner werden

So will die Lufthansa-Tochter in Zukunft um 20 Prozent kleiner werden. Das sind ganze 1.350 Vollzeitstellen gegenüber dem Vorkrisenniveau, die abgebaut werden sollen. Argumentiert wird das mit „Wettbewerbsfähigkeit“. Seit dem ersten Halbjahr 2020 ist der Personalstand schon um 9 Prozent auf 6.132 gesunken. Das Sparprogramm konzentriert sich vor allem auf die Belegschaft, was Opposition und Gewerkschaften im Zuge des AUA-Deals auf den Plan gerufen hatte.

Die Aufwendungen für Kerosin und Gebühren sanken zwar, was an der insgesamt verringerten Reisetätigkeit im Vergleich zur Vorkrisenzeit liegen dürfte. Doch die gesamten Aufwendungen stiegen im zweiten Quartal um 46 Prozent auf 231 Mio. Euro an – eine Folge des Hochfahrens des Flugbetriebes, wie das Unternehmen selbst vermeldet. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen lag bei der AUA im zweiten Quartal des laufenden Jahres bei -95 Mio. Euro. Zum Vergleich: ein Jahr davor war es mit -99 Mio. Euro nur marginal schlechter gewesen, vor der Krise (2019) allerdings +46 Mio. Euro.

Widersprüchliche Meldungen der Führungsspitze

CEO Alexis von Hoensbroech verkündete zaghaften Fortschritt, mahnte aber zugleich:  “Steigende Buchungszahlen im Sommer verschaffen uns Luft, doch die Krise lässt uns noch lange nicht aufatmen”. Brisant ist, dass man bei gleichzeitigem Stellenabbau die Destinationen im Sommerflugplan auf über 100 Ziele angehoben habe. Außerdem lobt der AUA-Chef, der sich über steigende Buchungseingänge zu Halbjahresende freut, die Kurzarbeit und “wirkungsvolle Modernisierungsmaßnahmen”, die das Unternehmen auf Kurs halten würden.

Die AUA befinde sich auf Stabilisierungskurs und möchte „erfolgreich durch die Krise fliegen“, so von Hoensbroech. Kein Wunder, hat das Unternehmen doch mit dem viel beachteten AUA-Deal hunderte Millionen Steuergelder bekommen. 150 Mio. Euro davon sind gar ein nicht rückzahlbarer Zuschuss, ein staatlich garantierter Kredit in Höhe von 300 Mio. Euro muss aber beglichen werden. 150 Millionen kamen zudem vom AUA-Mutterkonzern Lufthansa hinzu. Für die Zahlungen der Regierung an die AUA erhielt die Republik, im Gegensatz zu Deutschland bei der Lufthansa, jedoch keine Anteile am Flugunternehmen.

Beste Kontakte zur ÖVP

Alexis von Hoensbroechs exzellente Kontakte zu Sebastian Kurz dürften für den Erhalt der Staatsmillionen jedenfalls nicht geschadet haben. Aus sichergestellten Wirecard-Dokumenten geht etwa hervor, dass der AUA-Chef zu einer elitären Runde zu Ehren des „HBK Sebastian Kurz und Susanne Thier“ geladen war. Auch der mittlerweile inhaftiere Wirecard-CEO Markus Braun war mit seiner Gattin in Wolfgang Rosams Schloss geladen. Von Hoensbroechs Gattin, die auch eingeladen war, ist wiederum mit ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler über ein christliches Charity-Netzwerk verbunden.

Von Hoensbroech schon 2018 mit dem Drehkreuz-Argument, mit dem (u.a.) die AUA zwei Jahre später gerettet werden sollte.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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