Equal Pay Day:

Ab heute arbeiten Frauen bis Jahresende gratis

Frauen verdienen im Schnitt in Österreich noch immer 18,5 Prozent weniger als Männer. Auf das Jahr gerechnet arbeiten Frauen somit die letzten 68 Tage „gratis“. Heuer fällt der Equal Pay Day auf Montag, den 25. Oktober.

Wien, 25. Oktober 2021 | Heute, am 25. Oktober, ist Equal Pay Day (dt. Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern) in Österreich. Ab diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen bis zum Jahresende gratis. Der sogenannte Gender Pay Gap (dt. geschlechtsspezifische Lohnlücke) zeigt die Lohnschere zwischen Männern und Frauen. In diesem Jahr liegt er bei 36 Prozent und ist damit im Vergleich zum letzten Jahr um nur einen Prozentpunkt gesunken. Das liegt vor allem daran, dass Berufe in denen vor allem Frauen arbeiten, schlechter bezahlt werden.

Doch auch wenn Frauen aktiver in „traditionell“ männliche Berufe einsteigen würden, sei das keine Garantie für ein hohes Gehalt. Wie der „Spiegel“ berichtet, haben Wissenschaftler sogar nachgewiesen, dass der Lohn in bestimmten Branchen sinkt, sobald der Frauenanteil steigt. Geht es um das Gehalt, zählt somit auch das Geschlecht.

Video vom Österreichischen Städtebund, welches in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Österreich zu sehen sein wird, um auf die Ungerechtigkeit beim Einkommen zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen.

Österreich Vorletzter in der EU

Über das Erwerbsleben verdienen Frauen im Schnitt 500.000 Euro weniger als Männer. Wenn sich der Einkommensunterschied wie in den letzten zehn Jahren entwickelt, dann würde sich die Einkommensschere erst 2054 schließen, wie der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) und die Arbeiterkammer (AK) vorrechnen.

In der EU zählt Österreich zu den Schlusslichtern im Gender Pay Gap, dem Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern auf Basis des Stundenverdienstes. 2020 machte dieser Unterschied in Österreich 20,4 Prozent aus, nur Estland schneiden schlechter ab. Der EU-Schnitt lag bei 14,1 Prozent.

Grafik/Quelle: Eurostat

Teilzeit führt zu Einkommensverlust

Der große Anteil an Teilzeitarbeit bei Frauen ist eine der Hauptursachen für die hohen Gehaltsunterschiede. Während Männer zu 90 Prozent Vollzeit arbeiten, sind es bei den Frauen nur 52 Prozent.

Laut Momentum-Institut bedeutet die Reduktion von Vollzeit (38,5 Stunden) auf Teilzeit (22,5 Stunden) bei einem Einkommen von 1.500 Euro brutto monatlich nach fünf Jahren einen netto Lebenseinkommensverlust von 40.263 Euro. Nach 15 Jahren beträgt der Verlust durch Teilzeitarbeit bereits 114.812 Euro. Der ÖGB fordert daher eine Angleichung der Arbeitszeiten zwischen Frauen und Männern in Richtung kurze Vollzeit für alle.

Weniger Lohn für gleiche Arbeit

Doch auch bei gleicher Beschäftigungsart sind Frauen benachteiligt. Laut der Einkommensexpertin der AK Oberösterreich, Bettina Csoka, verdienen Frauen in Österreich bei Vollerwerbsarbeit im Durchschnitt mehr als 800 Euro pro Monat weniger als Männer.

Jährlich sind das über 10.000 Euro, über ein Arbeitsleben (rund 40 Jahre) mehr als 500.000 Euro (ohne Zinsen). “Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Frauen für gleiche Arbeit immer noch weniger bezahlt bekommen”, kritisiert ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Korinna Schumann.

“Ein ‘Danke’ reicht nicht”

Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig die Arbeit von Frauen sei. “Sie haben die Gesellschaft sowohl mit bezahlter als auch unbezahlter Arbeit aufrechterhalten”, so Bundesfrauenvorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), Klaudia Frieben. „Trotz hohem gesundheitlichen Risiko waren sie es, die dafür gesorgt haben, dass die Versorgung gewährleistet war und die ihre Berufstätigkeit mit den großflächigen Schließungen der öffentlichen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen vereinbaren mussten. Dafür müssen sie nun entschädigt werden, mit guten Lohnerhöhungen und der Wertschätzung ihrer Arbeit. Ein Danke reicht dafür nicht, weil ein ‘Danke’ keine Miete, keine Lebensmittel und keine Energie bezahlt“, drängt Frieben weiter.

Raab will Mädchen mehr in MINT-Fächer locken

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) kündigte an, dass sie „an unterschiedlichen Schrauben“ drehen will, um gegenzusteuern. „Neben Bewusstseinsbildung und dem konsequenten Ausbau des Kinderbetreuungsangebots, um die Vereinbarkeit zu stärken, geht es ganz entscheidend auch um die Berufswahl von Frauen und Mädchen“, so Raab.

„Ich möchte Frauen und Mädchen für die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, begeistern, denn hier gibt es gute Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Auch die Stärkung der Finanzkompetenz und ein selbstbewusster Umgang mit den eigenen Finanzen tragen zur Unabhängigkeit von Mädchen und Frauen bei. Um hier ein Umdenken schon bei den Jüngsten anzuregen, habe ich nun zusätzlich 1,6 Millionen Euro für die Stärkung der Selbstbestimmung und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Mädchen und Frauen in die Hand genommen“, betonte die Frauenministerin.

Grüne für mehr Lohntransparenz

Die Grünen fordern mehr Lohntransparenz. Die derzeitigen Regeln bezeichnet Frauensprecherin Meri Disoski in einer Aussendung als „völlig unzureichend“. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ungleiche Bezahlung vermuten, müssten selbst aktiv werden und Lohntransparenz individuell erkämpfen. Das müsse umgedreht werden. Zentral sei dabei, dass die Maßnahmen auch auf kleinere und mittlere Betriebe ausgedehnt werden.

Disoskis konkreter Vorschlag sieht verpflichtende Einkommensberichte für Unternehmen ab 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor, in denen auch die einzelnen Gehaltsbestandteile angeführt werden. Diese Berichte sollen über Betriebsräte für alle Mitarbeitenden zugänglich sein. Dort, wo ungleiche Bezahlung nachgewiesen wird, sollen künftig die Arbeitgeber in der Pflicht sein, konkrete Maßnahmen zu setzen, um geschlechtsbedingte Lohndiskriminierung in ihrem Betrieb zu beenden.

Equal Pay Day: Sollen Gehälter unternehmensintern offengelegt werden, um Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen entgegenzuwirken?

SPÖ kritisiert fehlende Ganztagesplätze

SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner beklagte die fehlenden Ganztagesplätze in Kinderbetreuungseinrichtungen, die Frauen dazu zwingen, Teilzeit zu arbeiten, obwohl das weniger Lohn, weniger Pension und mehr Armut bedeute. „Die Bundesregierung lässt das kalt.“ Zudem habe die Pandemie die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Frauen erschwert. „Wer in einem Beruf arbeitet, in dem Arbeitsplätze verloren gehen, muss die Chance bekommen, umzusteigen. Es muss daher jetzt verstärkt in Weiterbildung, Umschulung und Qualifizierung investiert werden“, fordern die SPÖ-Frauen.

NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter forderte Maßnahmen, um flexiblere Arbeitszeiten und mehr Väterbeteiligung zu erreichen. Und auch sie sprach sich für das automatische Pensionssplitting aus sowie für ein deutliches Aufstocken der Kinderbetreuungsplätze und einen Rechtsanspruch darauf ab dem ersten Geburtstag. „Damit sich die Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt bessert, müssen sich die Rahmenbedingungen in vielerlei Hinsicht ändern – das führt schließlich zu einem gesellschaftlichen Umdenken, und davon profitieren Frauen, Männer, Familien und die Gesellschaft im Allgemeinen“, so die NEOS-Frauensprecherin.

Seniorenbund: Frauen machen mehr unbezahlte Arbeit

Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) machte darauf aufmerksam, dass es nicht nur Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, sondern Frauen auch viel mehr unbezahlte Arbeit – von Kindererziehung über Hausarbeit und ehrenamtliches Engagement bis hin zur Pflege von Angehörigen – leisten als Männer. Die Seniorenbund-Präsidentin erneuert daher ihre Forderung nach einem breit angelegten Aktionsplan.

Dieser beinhaltet unter anderem die umfassendere Information von Frauen über die Auswirkungen von Teilzeitarbeit, Förderungen für den beruflichen Wiedereinstieg sowie die Entlastung der oftmals weiblichen pflegenden Angehörigen im Rahmen der von Korosec eingeforderten Pflegereform.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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