Gott ist tot. Mindestens 30 Millionen Tonträger hat er verkauft. Allein 900 Lieder hat er in seiner langen Karriere auf deutsch gesungen. Seine Interpretation der Biene Maja machte ihn für viele Jahre zu einem Superstar des Schlagers. In seiner Heimat, der Tschechischen Republik, galt er als der Frank Sinatra des Ostens. Nun ist Karel Gott gestern Nacht nach schwerer Krankheit verstorben. Ein kurzer Rückblick auf ein bewegtes Leben.

Wien, 02. Oktober 2019 / Karel Gott wurde am 14. Juli 1939 in Pilsen geboren, verbrachte das Kriegsende bei seiner Großmutter am Land und zog mit seinen Eltern im Alter von 9 Jahren nach Prag. Er galt als verträumtes Kind und schon früh fiel er durch seine Leidenschaft für die Musik und die Malerei auf. Der Eintritt in einen Kunstgewerbeschule blieb ihm jedoch verwehrt. So absolvierte Gott eine Lehre als Elektromonteur. Als junger Mann nahm immer wieder an Gesangswettbewerben teil und trat regelmäßig als Sänger in Musikbars auf. In dieser Zeit galt seine musikalische Leidenschaft dem Jazz.

Gesangsstudium und erste Erfolge

Erst 1959 konnte Karel Gott sein Gesangsstudium am Prager Konservatorium beginnen. Vier Jahre später nahm er seine erste Schallplatte auf: eine Version des Jazz-Klassikers Moon River auf Tschechisch. Ende der 1960er Jahre sammelte Gott erste internationale Erfahrung. Einem breiteren Publikum wurde er 1968 durch seine Teilnahme für Österreich beim Eurovision Song Contest bekannt. Seitdem war er regelmäßig Gast bei deutschen Musiksendungen in Radio und Fernsehen.

Schiwago-Melodie und die Biene Maja

Die gesungene deutsche Interpretation der Schiwago-Melodie mit dem Titel „Weißt du wohin“ machte ihn in Deutschland zum Schlagerstar. Dieser Titel ist auf dem Album „Die goldene Stimme aus Prag“ erschienen. Dieses Image prägte fortan seine Karriere. 1977 sang er die Titelmelodie zur deutsch-japanischen Zeichentrickserie Biene Maja. Mehr als drei Millionen Millionen Kinder saßen bei jeder Sendung gebannt vor den Bildschirmen. Viele sangen die Melodie lauthals mit. Mit seiner Interpretation wurde Karel Gott letztlich unsterblich. Gott erhielt im Laufe seines Lebens unzählige Preise und Würdigungen.

Die Marke Karel Gott

Karel Gott hatte, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, eine ausgeprägte und ausgebildete Stimme. Sein deutscher Gesangsstil war von einem Einschlag ins Böhmische bestimmt. Zusammen mit peter Alexander interpretierte Gott böhmische Lieder auf Deutsch. Und wie Alexander stand Gott stets für die heile Welt des Schlagers. In Bekleidungsfragen war und blieb Karel ein Kind der 1970er Jahre, was ihm einen gewissen Wiedererkennungswert verschaffte. Manche Kritiker sahen in Gott einen tschechischen Schmusesänger in goldenem Sakko und Jeans.

Unter kommunistischer Herrschaft

Abseits seines Musikerlebens versuchte er so unpolitisch zu sein wie möglich. Das fiel ihm letztlich schwer, da er seine Heimat Tschechien, die unter kommunistischer Herrschaft stand, nicht verlassen wollte. Somit sah er sich 1977 gezwungen, die Anticharta zu unterschreiben. Das war ein Abwehrversuch des Prager Regimes gegen die Dissidenten des Kommunismus. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erntete Gott dafür viel Kritik, was ihn persönlich sehr traf.

In den Medien bis zuletzt

Karel Gott blieb auch musikalischen Experimenten nicht verschlossen.  Mit dem Gangsta-Rapper Bushido nahm er 2008 den Song „Für immer jung“ auf. Damit erreichten Gott und Bushido Platz 5 der deutschen Singlecharts und wurden mit zwei Goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Das letzte Mal stand Karel Gott im September in den Schlagzeilen letzten Jahres, als er sein Krebserkrankung bekannt gab. Nun ist er im Alter von 80 Jahren verstorben.

(sm)

Titelbild: CC / František Ortmann

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