US-Präsident Donald Trump warf gestern via Twitter Kaliforniens Gouverner Gavin Newsom vor, bei der Forstverwaltung einen „terrible job“ gemacht zu haben. Dabei ist für einen Großteil der brennenden Wälder der Bund zuständig – und nicht der Bundesstaat. Dessen noch nicht genug, droht Trump, Gelder des Bundesstaats einzubehalten.

Wien, 4. November 2019 / Die Wälder im US-Bundesstaat Kalifornien brennen seit Wochen. Der Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, verhängte vor einer Woche den Notstand über den gesamten Bundesstaat. 40.000 Hektar Land wurden bisher zerstört – und mehr als 11.000 Menschen mussten auf der Flucht vor dem Feuer ihre Häuser verlassen, unter ihnen „Terminator“ Arnold Schwarzenegger. Kalifornien kennt Waldbrände – in diesem Ausmaß, wie sie momentan wüten und letztes Jahr wüteten, sind sie allerdings neu. ZackZack.at hat bereits berichtet: Experten sehen darin eine von vielen Auswirkungen des Klimawandels.

Trump: „Reiß Dich zusammen, Gouverneur!“

In seinem Tweet wettert der Präsident gegen Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom: Er hätte „furchtbare Arbeit bei der Waldbewirtschaftung“ gemacht.  „Jedes Jahr“ bitte Newsom die Bundesregierung um finanzielle Hilfe. „Nicht mehr. Reißen Sie sich zusammen, Gouverneur“, schrieb Trump und droht, dem Bundesstaat die Unterstützung zu entziehen. „Ich habe ihm vom ersten Tag an gesagt, dass er die Waldböden ’säubern‘ muss, unabhängig davon, was seine Bosse, die Umwelt-Aktivisten, von ihm VERLANGEN“, schrieb Trump weiter.

Trump wütet wie die Waldbrände. Bild: Screenshot Twitter

Trump: hohler Vergleich Finnlands mit Kalifornien

Vor einem Jahr hat Trump bereits mehrfach erklärt, Kalifornien solle sich ein Beispiel an Finnland nehmen. Dort gäbe es viel weniger Waldbrände als im sonnigen Küstenstaat Kalifornien, weil die Skandinavier den Waldboden harken würden. Abgesehen von den massiven klimatischen und geologischen Unterschieden zwischen Finnland und Kalifornien meldeten sich zahlreiche Experten zu Wort, dass diese These Trumps so schlicht falsch sei.

Aufgrund Unwissenheit entschuldigt

Im Interview mit der „New York Times“ hatte Kaliforniens Gouverneur Newsom kürzlich scharfe Kritik an Trumps Umweltpolitik geübt. „Wir führen einen Krieg gegen die zerstörerischsten Brände in der Geschichte unseres Staates – und Trump betreibt einen schonungslosen Angriff auf das Gegenmittel“, sagte Newsom. Seine Antwort auf Trumps Angriff fällt sachlich aus: „Sie glauben nicht an den Klimawandel. Sie sind in dieser Unterhaltung entschuldigt.“

Gavin Newsoms Reaktion auf Trumps Tweet. Bild: Screenshot Twitter

Austritt aus Pariser Klimaabkommen?

Die Brände in Kalifornien so wie viele andere Naturkatastrophen weltweit stehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit direkt mit dem Klimawandel in Zusammenhang. Trump zweifelt den menschengemachten Klimawandel entgegen eindeutiger wissenschaftlicher Belege immer noch an. Er hat 2017 angekündigt, aus dem Pariser Klima-Abkommen aussteigen zu wollen. Heute wird Trump den Vorgaben des Abkommens entsprechend den Austrittsprozess vermutlich in Gang setzen, da ein Austritt frühestens am 4. November 2020 möglich ist. Am 3. November 2020 sind allerdings US-Präsidentschaftswahlen, und bisher alle Kandidaten außer Trump haben zugesagt, dass sie aus dem Klima-Abkommen nicht austreten werden.

Kalifornien eigeninitiativ aktiv gegen Klimawandel

Trumps Klimawandel-Leugnung und dahingehende Untätigkeit hatte einen unerwarteten Effekt: Nicht staatliche Akteure in den USA haben begonnen, eigene Klimaziele zu setzen. Darunter auch Kalifornien: Die CO2-Reduktionsziele der US-Bundesstaaten Kalifornien und New York, von Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen und anderen sind nicht mehr zu vernachlässigen. Dennoch können sie die Untätigkeit auf US-Bundesebene nicht kompensieren.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

Aktuell