Am Grazer Straflandesgericht sind Jihadisten-Prozesse schon fast Routine. Graz gilt schon lange als mitteleuropäisches Zentrum des bosnisch-salafistischen Islam.

Wien, 08. November 2019 / Letzten Freitag wurden 13 Personen für die Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Von den 13 Angeklagten erschienen zwei nicht. Irre: Sie sollen für die Radikalisierung ganzer Familien verantwortlich sein! Der Hauptangeklagte, ein Hassprediger des radikal-islamistischen Glaubensvereins „Taqwa“, wurde aus der Haft vorgeführt. Ein zweiter Hassprediger hat sich nach Malaysia abgesetzt.

Staatsanwaltschaft wendet Mafia-Paragraphen an

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten die Bildung einer terroristischen Vereinigung sowie staatsfeindliches Verhalten vor. Der „Taqwa“-Verein wurde 2008 gegründet und soll 38 Personen dazu gebracht haben, sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen und in Syrien zu kämpfen. Laut Staatsanwaltschaft fehlt von diesen Menschen jede Spur. Vermutlich wurden sie getötet.

Eine zweite Auswanderungstranche von Vereinsmitgliedern Ende 2014 war bereits Gegenstand eines Verfahrens in Graz geworden und hatte zur Verurteilung von drei Ehepaaren geführt. Unter anderem auch deshalb, weil sie mit ihren Kindern die teilweise extrem grausamen Propagandavideos der Terrororganisation IS angeschaut hatten.

Angeklagte fühlen sich nicht schuldig

Die Angeklagten fühlen sich in keiner Weise schuldig: „Mein Mandant hat nie jemanden radikalisiert oder bestärkt, nach Syrien zum IS zu gehen“, betonte der Anwalt des Hauptangeklagten. Ein anderer Verteidiger bezeichnet einen Angeklagten gar als Humanisten.

Wann genau ein Urteil zu erwarten ist, ist schwer abschätzbar. ZackZack.at bleibt dran.

 

(fr)

Titelbild: APA Picturedesk

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