Schweden stoppt Untersuchung gegen Assange

Nach neunjährigen Voruntersuchungen wurden die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange fallengelassen. Die Vorwürfe waren der Hauptgrund, warum der Australier 2012 in die ecuadorianische Botschaft flüchten musste. Jetzt ist davon nichts mehr geblieben. Trotzdem steht er unmittelbar vor der Auslieferung in die USA.

London/Stockholm, 19. November 2019 / Knalleffekt im Fall Julian Assange. Nach jahrelangem Hinhalten hat Schweden nun alle Untersuchungen gegen den Wikileaks-Gründer fallengelassen. 9 Jahre unterhielt die schwedische Staatsanwaltschaft Voruntersuchungen gegen Assange. Die Vorwürfe aus Schweden waren der Hauptgrund, warum Assange 2012 in die ecuadorianische Botschaft flüchten musste. Nun, während die Auslieferung in die USA kurz bevor steht, wurde alles fallengelassen.

UN-Sonderbeauftragter kritisiert Rolle Schwedens

Denn 2012 stand eine Auslieferung nach Schweden im Raum. Assange vermutete schon damals, dass Schweden nur ein Zwischenstopp in die USA gewesen wäre. Der Wikileaks-Gründer deckte bekanntlich verheerende Kriegsverbrechen der Vereinigten Staaten auf. Nun sitzt er in Belmarsh in England im Hochsicherheitsgefängnis. Die USA will mittlerweile ganz offen seine Auslieferung. Dort wartet ein Prozess wegen Spionage auf ihn. Das wäre katastrophal für den investigativen Journalismus.

Seit 2010 standen Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange im Raum. Der bis dahin unbescholtene Bürger sah sich mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Doch die Vorwürfe zweier mutmaßlicher Opfer konnten nie geklärt werden. Mittlerweile schrieb der UN-Sonderberichterstatter über Folter „seine ernsthaften Bedenken über die Rolle Schwedens“ im Fall Assange. Die UN hat die neunjährigen Voruntersuchungen unabhängig überprüft.

Assange vor Auslieferung

Noch immer könnte Schweden die Auslieferung Assanges in die USA blockieren. Bis dato ist nichts dergleichen geschehen. Die Trump-Administration verlangt eine 175-jährige Haftstraße für den Journalismus von Assange. Das wäre ein weltweiter Schlag gegen die Pressefreiheit.

Ursprünglich brachte Schweden den Fall Assange ins Rollen, nun haben sich die Skandinavier zurückgezogen. Am 13. Dezember tritt Assange erneut vor einen Richter. Für Nils Melzer ist Assange „über einen langen Zeitraum psychischer Folter ausgesetzt“. Ende Februar wird über seine Auslieferung in die USA verhandelt. Möglicherweise sogar unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

(wh)

Titelbild: APA Picturedesk

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