Die Zukunft der Windkraft

Holz statt Beton

Auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland wurde der Bau von zehn Windkraftanlagen mit einem Turm aus laminiertem Holz genehmigt. Die Anlagen mit 240 Meter Blattspitzenhöhe könnten den Trend für zukünftig fast klimaneutrale Windenergie setzen.

Wien, 20. November 2019 / Sie sind leichter, logistisch weniger herausfordernd und erzeugen weit weniger CO-2 Emissionen als die bisherigen Windräder aus Stahl und Beton: In Schweden sollen zehn Windräder gebaut werden, deren Türme aus Leimschichtholz produziert werden.

Holz versus Stahl und Beton

Bisher bestehen konventionelle Windrad-Türme im unteren Teil aus Beton, im oberen Teil aus Stahl. Beide Baustoffe gelten mittlerweile als hochgradig klimaschädlich: Die Stahlindustrie ist weltweit für zehn Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, die Produktion von Zement für rund acht Prozent der CO2-Emissionen. Zum Vergleich: Flugverkehr verursacht nicht einmal drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Holz hingegen bindet CO2: eine Tonne CO2 wird in jedem Kubikmeter Holz gespeichert. Bei der Verwendung von Holz ist natürlich eine nachhaltige Waldbewirtschaftung Voraussetzung.

Leichter, praktischer, besser

Der Trend der Nachhaltigkeit ist auch in der Bauindustrie angekommen – und bei Holz kann man durchaus von einer win-win-Situation sprechen: trotz Leim ist das Schichtholz in der Herstellung nicht nur um ein Vielfaches umweltfreundlicher, es birgt auch Vorteile hinsichtlich Logistik und Qualität für Produzenten und Endnutzer.

Die Windrad-Türme in Leimschichtbauweise in der Produktionswerkstätte. Foto: Modvion

Die in Schweden produzierten Holzmodule werden in Leimschichtweise hergestellt. Sie sind kleiner und daher einfacher zu transportieren als Turmsegmente aus Stahl oder Beton, bei deren Transport nicht selten Straßen kaputtgehen unter der Schwerlast der Baustoffe. Otto Lundman, Geschäftsführer des produzierenden Unternehmens Modvion AB, sagt über das Material:

„Stahl ist stärker als Holz gemessen am Volumen, aber unser Leimschichtholz ist 55 Prozent stärker als stahl gemessen am Gewicht. Je höher wir bauen, desto mehr wirkt sich die Gewichtsreduktion aus. Stahl durch Holz zu ersetzen reduziert darüber hinaus CO2-Emissionen.“

Holz auf dem Vormarsch

Für das Klima wäre es jedenfalls von Vorteil, wenn Holz Beton und Stahl als Baustoff verdrängen könnte. Die Zement- und Stahllobby, die in Österreich mit Unternehmen wie der VOEST sehr mächtig ist, wird sich jedenfalls kräftig dagegen wehren. Dennoch ist die Holzbauweise am Kommen, dank neuer Techniken sind in den letzten Jahren international bereits mehrgeschoßige Häuser aus Holz entstanden, unter anderem in Berlin, Oslo und Seattle – in Wien steht das derzeit weltweit höchste Holzhaus mit 84 Meter Bauhöhe: Das sogenannte HoHo-Haus. Tokio arbeitet daran, Wien mit dem weltweit höchsten Holzhochhaus mit 350 Meter abzulösen. Das soll allerdings erst 2041 fertiggestellt werden. Ein weiteres Pionierprojekt ist derzeit in Österreich im Gange: Das sogenannte vivihouse entsteht aus einer modularen Holz-Skelettbauweise, das mehrstöckig errichtet werden kann. Seit 2017 wird die Bauweise von einem multidisziplinären Team entwickelt und getestet – ein erster Prototyp existiert bereits und soll in den nächsten Monaten in Wien aufgestellt werden.

(lb)

Titelbild: Modvion

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