Mittwoch, Juni 19, 2024

Sturm auf Windkraft — Und warum sie trotzdem teuer ist

Und warum sie trotzdem teuer ist

Deutschland will bis 2030 kräftig in dänische Windkraft investieren. Für den Kunden ändert sich dadurch zuerst einmal wenig. Grund ist das Merit-Order-Prinzip.

Kopenhagen/Berlin, 29. August 2022 | Deutschland hat sich den Zugang zu deutlich mehr Windenergie aus Dänemark gesichert. Das dänische Energieministerium teilte am Montag mit, die Übertragung solle dabei über die Insel Bornholm mit einem 470 Kilometer langen Netzkabel nach Deutschland erfolgen. Auf der Insel im dänischen Teil der Ostsee ist ein Energieverteilungszentrum geplant.

Gigantischer Ausbau

Von dort sollen bis 2030 mehrere Windparks im Meer Energie liefern – für Deutschland geht es um mindestens drei Gigawatt. Damit könnten 4,5 Millionen Haushalte versorgt werden. Die Investitionen und die künftigen Gewinne wollen sich beide Länder je zur Hälfte teilen.

Dänemark ist nicht das einzige europäische Land, das die angestrebte Energiegewinnung bis 2030 kräftig nach oben korrigiert hat. Auch Deutschland, das Vereinigte Königreich, Belgien und die Niederlande planen nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine mit deutlich mehr Strom aus Windenergie bis 2030.

Für Kunden trotzdem teuer

Dass die Kunden auch für Strom aus Windkraft derzeit tief in die Tasche greifen müssen, verdanken sie dem sogenannten Merit-Order-Prinzip, das seit der Liberalisierung der Energiemärkte konsequent Anwendung findet. Dabei bestimmt das teuerste Kraftwert, welches für die Sättigung des Strombedarfs notwendig ist, den Preis auf der Börse. Derzeit sind das teure Gaskraftwerke. Unternehmen mit niedrigen Erzeugerkosten, die etwa Wind- oder Wasserkraft erzeugen, machen durch das Prinzip hohe Gewinne, weil sie zu einem billigen Preis produzieren, aber gleich hohe Einnahmen lukrieren wie ein Gaskraftwerkt.

Erst wenn Wind, Atom- und Wasserkraftwerke ausreichend Strom für den Markt produzieren, dass keine Gas- und Kohlekraftwerke mehr gebraucht werden, würde sich der Preis reduzieren.

(reuters/dp/apa)

Titelbild: BO AMSTRUP / AFP / picturedesk.com

Autor

  • DanielPilz

    Taucht gern tiefer in komplexe Themengebiete ein. Lebt trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm und verpasst fast kein Fußballspiel.

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