Donnerstag, April 25, 2024

Mindgeek – Die Firma, der die Pornos gehören

Die Firma, der die Pornos gehören

Das Internet ist von Pornos dominiert. Was aber wenige wissen: Alle bekannten Plattformen sind in der Hand von einem Unternehmen. Es heißt MindGeek und hat sich ein Monopol in Sachen Internet-Pornografie aufgebaut. Die Produktionsbedingungen treibt manche Darsteller sogar in den Selbstmord. Trotzdem wirbt man mit humanistischen Kampagnen.

Wien, 27. November 2019 / Jede vierte Suchanfrage im Internet: Pornos. Die Portale sind berühmt, jeder kennt sie. Youporn, Pornhub, Redtube – sind nur die bekanntesten. Diese „Tube-Seiten“ sind berüchtigt für kostenlose, unbegrenzte Pornografie. Was aber weniger bekannt ist: Alle Seiten gehören demselben Unternehmen, MindGeek. Das Unternehmen ist ein verschachteltes Konstrukt. Es umfasst über 30 Firmen.

Riesiger Datensammler

MindGeek kontrolliert die Pornowelt. Und diese Welt ist groß: Unzählige Produktionsfirmen versorgen die Plattformen mit neuen Videos. Und auch diese gehören zum Unternehmenskomplex von MindGeek. Nahezu jede professionelle Porno-Produktion, die im Internet zu finden ist, wird von diesem Unternehmen produziert und vertrieben.

Was bedeutet das? Zuerst einmal, dass Unmengen an Daten an MindGeek gehen. Auch die Streaming-Dienste Netflix, Amazon Prime und Spotify sammeln eine Datenflut. Doch die mit Abstand größte Datenmenge saugt der Porno-Konzern ab. Zumindest 125 Millionen tägliche Besuche verzeichnet das MindGeek-Netzwerk. Die wirklichen, täglichen Aufrufe könnten aber weit höher liegen. Jährlich kommt es auf mehrere Milliarden Klicks. Nur Facebook und Google haben mehr.

Über das Nutzerverhalten weiß der Konzern alles, die Daten sind eine lukrative Geldquelle: 97 Millarden Dollar Umsatz macht Streaming-Pornografie im Jahr (zum Vergleich: Netflix macht rund 12 Milliarden Dollar). Im Durchschnitt verbringt ein Nutzer unter 10 Minuten auf einer MindGeek-Seite. Deshalb produziert Mindgeek vorrangig genau solche Kurzvideos. Und zwar “inhouse”.

Hartes Geschäft für Darsteller

In den Produktionsfirmen geht es dabei alles andere als „sexy“ zu. Frauen gelten als Geldmaschinen, objektiviert im Video und oft ausgebeutet in der Produktion. Auch die männlichen Darsteller stehen unter Druck. MindGeek setzt der Szene zu, daraus folgt die Konsequenz: immer mehr, immer billiger. Die Darsteller sind „Sexmaschinen“. Alle 30 Minuten entsteht in den USA ein neuer Pornofilm. Und im Normalfall hat MindGeek oft irgendetwas damit zu tun.

Für viele bleibt aber nur ein kleines Stück des Kuchens. Das Leben als Pornodarsteller ist meist nicht besonders ertragreich. Als Neueinsteiger gibt es oft nicht mehr als 200 Euro. Etabliert man sich in der Szene, kann man mit einem guten monatlichen Gehalt aussteigen. Aber reich werden die wenigsten damit.

Stattdessen kriegt man oft: die Ausbeutung des eigenen Körpers. Oft wird am Set mit Drogen und Aufputschmittel nachgeholfen, sonst wäre der stundenlange Dreh für viele kaum zu schaffen. Einige zerbrechen daran. Erst vor knapp 2 Jahren starben in wenigen Wochen vier weibliche Pornodarstellerinnen. Anfeindungen in den sozialen Medien und Depressionen führten zu Selbstmord und zur Drogenüberdosis. Brisant: Erst im Sommer klagten 22 Frauen die Plattform Pornhub. Der Grund: Filme von ihnen wären ohne ihr Einverständnis auf der Plattform gelandet. Gedreht wurden sie aber von einer Pornhub-Produktionsfirma.

Kampagnen als Marketing

Hinter den Videos werden Webcam-Dienste immer beliebter. Auch diese Plattformen sind im Besitz von MindGeek. Der Verdienst der unzähligen Darsteller ist überschaubar. Auch dabei können nur die wenigsten gut davon leben. Und das, obwohl stundenlange Schichten vor der Kamera abgehalten werden. Gezahlt wird dabei in der Regel mit seiteneigener Währung. Pikant: Auf eine Art und Weise hat MindGeek dabei schon sein eigenes Geld entwickelt. Wie viel von der Bezahlung bei den Darstellern landet und wie viel beim Porno-Monopolisten? Für den Kunden unklar.

Die Ausbeutung der Darsteller und vor allem von Frauen ist die Regel in der Pornowelt. Gleichzeitig setzt der Internet-Riese via Pornhub aber auf „weltrettende Kampagnen“: Mit einem Sex-Film will man beispielsweise gegen die Verschmutzung der Ozeane kämpfen. Auch die LGBT-Community wird von Pornhub stets verteidigt. Und auch Frauenrechte stehen bei Pornhub-Kampagnen ohnehin hoch im Kurs. Mit diesen Kampagnen versucht man, die eigene Beliebtheit zu erhöhen. Die eigenen Produktionsbedingungen werden dabei allerdings verschwiegen.

(ot)

Titelbild: ©MindGeek www.mindgeek.com

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