Russisch-Chinesische Megapipeline

Ab Montag in Betrieb

Die Beziehungen zwischen China und Russland werden enger. Am Montag wird die riesige Gasleitung „Sila Sibiri“ eröffnet. Sie stellt „Nordstream 2“ in den Schatten. Damit wird Gazprom unabhängiger von der EU. Gleichzeitig vereinbarten China und Russland weitere milliardenschwere Kooperationen.

Moskau/Peking, 28. November 2019 / „Nordstream 2“ ist in Europa ein großes Politikum. Die Pipeline soll die EU mit russischem Gas versorgen. Aber für die Gegner der Pipeline ist die neue Gasleitung nicht nur ein rein wirtschaftliches, sondern ein geopolitisches Projekt Russlands. Demnach wolle Russland seinen strategischen Einfluss auf die EU erhöhen. Nicht nur das: Die EU würde gar abhängig von Russland werden. Auch der fragwürdige Umweltschutz steht immer wieder in der Kritik. Unabhängig davon soll die Pipeline noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Megapipeline „Sila Sibiri“

Die Investition für „Nordstream 2“ wurde auf rund 9,5 Milliarden beziffert. Diese Riesensumme wird allerdings von einer anderen Pipeline in den Schatten gestellt: Die „Sila Sibiri“ (zu Dt.: Kraft Sibirien, Red.). Sie geht in wenigen Tagen in Betrieb und wird China mit russischem Gas versorgen. Es wird die längste Gasleitung im Osten Russlands und kostet mindestens das Fünffache von Nordstream 2! Nämlich knapp 50 Milliarden Euro.

Ab 2. Dezember fließt das Gas nach China. Der Vertrag wurde auf 30 Jahre geschlossen. Das Volumen: ca. 400 Milliarden US-Dollar. 38 Milliarden Kubikmeter Gas sollen jährlichen nach China geliefert werden. Es ist ohne Zweifel ein Megaprojekt. Und China ist begeistert.

Chinesisch-Russische Freundschaft

Obwohl China der sechstgrößte Gasproduzent ist, braucht das Land mehr Gas. Die asiatische Supermacht verbraucht 240 Milliarden Kubikmetern jährlich. Das ist ein Drittel mehr, als es selbst fördern kann. Mit russischem Gas wird dieses Loch nun weiter geschlossen. Der Energiehunger Chinas wird nicht geringer werden.

Deshalb ist auch der Gazprom-Konzern, der russische Energie-Riese, begeistert. Zwar bleibt Europa der wichtigste Exportmarkt (2071,7 Milliarden Kubikmeter 2018), aber die Abhängigkeit Richtung Westen wird geschmälert. Das Gas landet via „Sila Sibiri“ zudem nicht nur in China. Am fernöstlichen Hafen Wladiwostok wird es verflüssigt und verschifft. Den Export regelt der Nowatek-Konzern. Ein Konzern von russischen Oligarchen (Gennadi Timitschenko, Leonid Michelson), Energiekonzernen (Gazprom, die chinesische CNPC, Total) und dem chinesischen Seidenstraßenfonds. Auch die Verhandlungen zu „Sila Sibiri“ liefen über die Gazprom und die CNPC. Russland und China erweitern ihre Wirtschaftsbeziehungen.

Xi und Putin eröffnen, EU und USA im Abseits

Nicht nur bei der Gaslieferung werden die bilateralen Geschäfte erweitert. Erst gestern teilten russische und chinesische Nachrichtenagenturen mit, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit erweitert wird. Beim sechsten chinesisch-russischen Investitionsausschusse wurden Beratungen über neue Projekte angestoßen. Umfang: Satte 112 Milliarden US-Dollar.

Das soll die „umfassende strategische Partnerschaft und Kooperation“ der beiden Länder erweitern. Beide Staaten betonten beim Gipfeltreffen unter der Führung von Chinas Vizeministerpräsident Han Zheng und Russlands stellvertretenden Ministerpräsident, Anton Siluanow, für eine enge Zusammenarbeit in den wichtigsten Bereichen (Infrastruktur, Energie, Gesundheit, Medizin und Technologie) bereitzustehen.

Am 2. Dezember werden mehr als zwei Drittel der 3.000 Kilometer langen Pipeline in Betrieb genommen. Wladimir Putin und Xi Jinping werden telefonisch an der großen Einweihungsparty teilnehmen. Die beiden „Häuptlinge“ eröffnen dann in einer Telefonkonferenz die neue Mega-Pipeline des Ostens. Den USA und der EU kommen bei der neuen, mächtigen Wirtschaftskooperation nur eine Beobachterrolle zu.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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