Pro & Contra:

Dornauer der neue SPÖ-Chef?

Pro: Dornauer als Parteichef

Der Tiroler Parteichef gilt als „Enfant terrible“ der Österreichischen Sozialdemokratie. Der Standard beschrieb ihn als jemanden, „der ständig stolpert, aber nie fällt.“ Und in der Tat ist es so. Man verzeiht ihm viel. Irgendwie scheint es so, als wären es vor allem seine Genossen und die Wiener Twitterblase, die ihm lange böse sind. Personen außerhalb interessiert das wenig.

Bei all seinen Missgeschicken – von flapsigen Sagern bis zum Vergessen einer geladenen Jagdwaffe im Auto – (zackzack.at berichtete) spricht dennoch einiges für ihn als neuen SPÖ-Bundesparteiobmann: Der Tiroler Sunnyboy ist mit 36 Jahren sehr jung, aber dafür politisch sehr erfahren.

Nach jahrzehntelanger ÖVP-Herrschaft eroberte er im Jahr 2016 den Bürgermeister-Sessel der Gemeinde Sellrain, mitten im tiefschwarzen Tirol. Dadurch hat er, im Gegensatz zu Pamela Rendi Wagner und ihrem Vorgänger Christian Kern, tatsächlich den sogenannten Bezug zur Basis und den so oft zitierten „Stallgeruch.“

Natürlich kann man Dornauer einen gewissen Geltungsdrang und Effekthascherei unterstellen. Aber welchen Tiroler SPÖ-Chef kannte man bundesweit vor ihm? Vielleicht kann man sich als Roter aus den Bergen anders bundesweit kein Gehör verschaffen.

Dornauer ist sehr selbstbewusst und durchaus eloquent. Dazu bringt er noch einen gewissen Skilehrer-Charme mit, etwas, das man bis jetzt noch nie in der verstaubten SPÖ hatte. Er wäre jemand, der junge Wählerinnen und Wähler ansprechen könnte. Das könnte auch Kurz gefährlich werden.

Tendenziell kann man ihn dem rechten Doskozil-Flügel in der SPÖ zuordnen. Dadurch wäre Dornauer auch interessant für enttäuschte FPÖ-Wähler, die Kurz nicht wollen und damit ins Nicht-Wähler-Lager abwandern würden.

(fr)

Contra: Dornauer als Parteichef

Dornauer: SPÖ-Bundesparteichef. Schlagzeilen, die man weder in der Vertikalen noch in der Horizontalen lesen will. Mit Dornauer würde die „Patschertheit“ endgültig auf SPÖ-Bundesebene kommen. Genau das, was die Sozis jetzt nicht brauchen. Themen und Glaubwürdigkeit werden nachrangig, es würde nur mehr die Message zählen. Und die Dornauer-Message der letzten Monate war katastrophal. Ein Skandal nach dem anderen: Porsche, Flinte, Konterfei auf Parteizentrale. Man stelle sich nur vor, Dornauer würde Staatsbesuche mit der Puffen auf dem Rücksitz machen. Dagegen wäre Trump der Thomas Schäfer-Elmeyer der Politik.

Eigentlich war Dornauer aufgrund eines seiner Fettnäpfchen von der SPÖ schon geschasst. Auf Gnade Rendi-Wagners durfte er dann wieder zurück. Er dankte es mit lauten Querschüssen gegen die Noch-Parteichefin im Wahlkampf.

Gestern zeigte Dornauer wirklich, wie er tickt. „Großzügig“ wie er ist, hat der SPÖ-Bobo sein Monatsgehalt an die Bundespartei gespendet. Rein „zufällig“ wird am selben Tag publik, dass Rendi-Wagner monatelang ihre Parteisteuer nicht gezahlt hat. Dornauer der Held, Rendi die Böse. Der Schorsch bringt sich bereits in Stellung. Was die SPÖ tun muss, ist Glaubwürdigkeit zurückgewinnen: Kein am Parteibuch vollgefressener Uraltbonze. Keine sich an Kurz anbiedernde Marionette der „Liesinger Partie“ und keinen „patscherten Schorsch“. Es braucht jemanden, der weiß wie der 0815-Bürger sich über die Runden quält. Jemand, der Abstand zu Postenschacher aller Farben nimmt und die „Fassade Kurz“ entzaubern kann.

(bf)

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