Freitag, Mai 17, 2024

Wohin wir gehen – Teil 2

Die österreichische Presse ist mehrheitlich kein Korrektiv der heutigen Politik, sondern ein von ihr abhängiger Apparat, der durch diese Abhängigkeit immer stärker ins Trudeln gerät.

Teil 2: Die angeschlagene Presse

Ich möchte mich in diesem Artikel auf ein Phänomen konzentrieren, das ich im ersten Teil dieses Artikels als ein wichtiges Element in der gegenwärtigen Zerschlagung der Bewegungen für Solidarität und Frieden angeführt habe: die politische Steuerung der Presse. Hier muss zwischen verschiedenen Arten unterschieden werden. Erstens: Reine Propagandamedien. Zweitens: Die langsame politische Unterwanderung eines Mediums wie im Fall des ORF. Drittens: Übermäßige Förderung freier Medien, die durch wirtschaftliche Schwierigkeiten bei der Beibehaltung des Status quo auf Geldgeber angewiesen sind. Hier ist in Österreich seit 2018 mit der blau-schwarzen und dann grün-schwarzen Regierung eine Geldquelle maßgebend, die durch finanzielle Eingriffe in nie dagewesener Höhe zu einer wesentlichen Verzerrung des Marktes beiträgt.

Die Zuwendungen an Medien werden nicht nur durch die Presseförderung bestritten, sondern auch durch Insertionen, also als Werbekampagnen getarnte Zahlungen. Diese könnten durch eine gesetzliche Deckelung oder Abschaffung von Regierungsinseraten unterbunden werden, denn: Die Ministerien und der Kanzler haben bereits vom Steuerzahler bezahlte Pressesprecherinnen und Pressesprecher, die sich jederzeit an die Medien wenden können. Weitere Zahlungen werden im Rahmen eigener Regierungsaktionen durchgeführt: Die Gelder, die die COFAG an die Presse ausgeschüttet hat, sind nur ab einer Höhe von 100.000 Euro nachvollziehbar, da diese der EU-Transparenzdatenbank zu melden sind. Wem die grün-schwarze Regierung durch die COFAG Zahlungen unter 100.000 Euro aus Steuergeldern zukommen ließ, darüber verweigert sie den Steuerzahlenden bis heute jede Auskunft. Eine weitere Aktion der Regierung ist etwa die Förderung für digitale Transformation. Die Media-Watch-Plattforum kobuk hat die Vergabe dieser Förderungen jüngst genau analysiert: Der Bericht zeigt, dass es dabei kaum Transparenz, dafür wieder einen klaren Gewinner gibt: Die Kronen Zeitung.

Quid pro quo

Es ist selbstverständlich, dass diese Form der Förderung ein Quid-pro-quo bedingt, also nicht ohne politischen Einfluss bleibt. Ich habe letzte Woche Parallelen zwischen unserer heutigen Situation und der Situation in den USA in den ersten beiden Jahrzehnten des letztes Jahrhunderts hergestellt. Sie sind auch auf die Presse anwendbar.

In Richard Lingemans Biografie des Schriftstellers Sinclair Lewis können wir diese Entwicklung verfolgen. Lewis – später erster Literaturnobelpreisträger der USA – lebte in den Zehnerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts noch von Erzählungen und Artikeln, die er für Zeitungen und Magazine schrieb. Nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg war er mit immer stärkerer Einmischung in seine Arbeit durch die Redaktionen konfrontiert. Man verlangte patriotische Literatur und lehnte Geschichten, die Kritik an den USA übten, oder Sympathie mit solidarischen Bewegungen und solchen, die sich gegen eine Kriegsteilnahme wandten, immer entschiedener ab. Das ist deswegen so gut dokumentiert, weil Lewis selbst minutiös über seine Korrespondenzen Buch führte.

A Test of the News

Als zweites Beispiel möchte ich eine geradezu vorbildliche Studie in Medienbeobachtung anführen: A Test of the News von Walter Lippmann und Charles Merz. Diese Studie analysiert die Berichterstattung der New York Times, also einer sehr angesehenen und liberalen Zeitung, über die russische Revolution und ihre Folgen, von März 1917 bis März 1920.

Ohne diese über 40 Seiten lange Studie hier zusammenfassen zu können, sage ich so viel: Lippmann und Merz stellen Fehlinformationen in erschreckender Frequenz fest, Fehlanalysen, Vorhersagen, die auf politischen Wunschvorstellungen beruhen, und bewusste Auslassungen – all diese verzerren die Darstellung der politischen Realität. Im Abschluss stellen die Autoren fest: »Where is the power to be found which can define the standards of journalism and enforce them? Primarily within the profession itself. We do not believe that the press can be regulated by law. Our fundamental reliance must be on the corporate tradition and discipline of the newspaper guild. It is for them to agree on a code of honor […] As citizens they cannot escape that code.«

Die Regel nicht die Ausnahme

Und gerade an diesem Punkt ist die derzeitige Schwäche des österreichischen Journalismus klar auszumachen: Wird über SPÖ oder KPÖ, über Gewerkschaft oder Arbeiterkammer berichtet, so sind Fehldarstellungen, bewusste Auslassungen, Verzerrungen und falsche Vorhersagen heute die Regel, nicht die Ausnahme.

Anlässlich der Wahlen in der Stadt Salzburg brachte eine der renommiertesten Tageszeitungen Österreichs nach dem ersten Wahlgang eine Analyse, in der in keinem einzigen Satz erwähnt wurde, dass die SPÖ Platz 1 erreicht und die Wahl gewonnen hatte. Der Artikel machte die KPÖ zum Wahlsieger. Schließlich wurde für die Bürgermeiserstichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Kandidaten der SPÖ und dem Kandidaten der KPÖ vorhergesagt. Ergebnis: Der SPÖ-Kandidat erreichte 63,09 %, der KPÖ-Kandidat 36,91 %. Die Sache wurde nicht weiter behandelt.

Die Politik

Die KPÖ ist auf den Umgang der Medien mit ihr vorbereitet und weitgehend immun dagegen. Sie hat auch nur zwei regionale Erfolge vorzuweisen und ist bundesweit bedeutungslos. Außerdem hat sie eine bedenkliche Ähnlichkeit zur heutigen ÖVP und FPÖ: Sie baut ausschließlich auf ihre Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten. Das ist für eine wirklich verantwortliche Politik nicht ausreichend.

Die SPÖ aber lässt sich seit einigen Jahren wehrlos vom voreingenommenen Journalismus vor sich hertreiben. Äußert sich die SPÖ staatstragend und kompromissbereit, hat sie kein sozialdemokratisches Profil mehr. Äußert sie ihre Programmatik, so ist sie unrealistisch und linkslink. Ist ihr Spitzenkandidat angeblich nicht beliebt, liest man ihr/ihm schlechte Umfragewerte vor; ist er beliebt, unterstellt man sofort, die SPÖ werde mit der FPÖ koalieren und sei populistisch. So kann man die SPÖ immer in die Zange nehmen und sie selbst lässt geschehen, wovon Viktor Adler bereits wusste, dass er es durch das Betreiben einer eigenen Zeitung verhindern musste. Und so kommen höchst populistische Äußerungen von Journalisten zustande, wie etwa Hans-Peter Doskozil als »Schilfkickl« zu bezeichnen. Das ist nicht nur dumm, sondern vor allem völlig unrichtig. Keine FPÖ (weder unter Kickl noch unter Strache oder Haider noch eine Landesorganisation der FPÖ) hat jemals so progressive soziale Maßnahmen für Arbeitende und Infrastruktur beschlossen wie die SPÖ unter Doskozil im Burgenland.

Mangelnde Breite

Es ist evident, dass die Berichterstattung über Politik in Österreich vor allem Strukturschwächen der Medien zeigt. Sie haben zu wenig Breite. Sie glauben, diese zurzeit auch nicht zu brauchen. Welch ein Irrtum aber ist es, ein Spektrum an progressiver, konservativer und liberaler Berichterstattung aufzugeben! Das führt wie von selbst zu parteipolitischer Voreingenommenheit und sei es nur aus vorauseilendem Gehorsam. Zu sehen ist das am deutlichsten bei den gegenwärtigen Skandalen. Dass die Polizei im Fall des Todes von Christan Pilnacek nicht gesetzeskonform ermittelt hat, wird totgeschwiegen. Lebten wir Ende der Achtzigerjahre hätte sich bereits eine große Anzahl von Aufklärungsjournalisten verschiedener Weltanschauungen in diesen Fall verbissen, bis er restlos aufgeklärt wäre.

Heute geht es bei einem Skandal, in dessen Zentrum die ÖVP steht, nur mehr darum, ihn per Analyse der Presse entweder der SPÖ oder FPÖ anzulasten. Die Benko-Pleiten sind für die Presse kein ÖVP-Skandal, weil: Gusenbauer. Die Verwicklung von Raiffeisen, Haselsteiner und anderen in die Benko-Pleiten wird totgeschwiegen. BVT ist ein FPÖ-Skandal, weil: Kickl. Dass Herbert Kickl 17 Monate Innenminister war und das Innenministerium mit Ausnahme dieser 17 Monate seit dem Jahr 2000 von der ÖVP geführt wird, kümmert niemanden. Und so bleibt die Berichterstattung unbefriedigend. Sie greift einen Skandal der ÖVP erst dann auf, wenn es so viel andere Berichterstattung darüber gibt, dass es unerlässlich scheint, sich ebenfalls damit zu befassen. Und darum gibt es ZackZack: Weil es ohne dieses Medium in vielen Bereichen der Politik keine Nachforschung, keine Aufklärung der Bevölkerung, keine Berichterstattung und keine Kommentare dazu mehr gäbe.


Kobuk-Bericht zur Digitalen Transformation

Wohin wir gehen – Teil 1

Titelbild: Miriam Moné

Daniel Wisser
Daniel Wisser
Daniel Wisser ist preisgekrönter Autor von Romanen und Kurzgeschichten. Scharf und genau beschreibt er, wie ein Land das Gleichgewicht verliert.
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

34 Kommentare

  1. Dass sich die jeweiligen Regierungsparteien mit Steuergeld Zeitungen “kaufen” können, zerstört unsere Demokratie. Das gehört abgeschafft. An die Stelle dieses potenziellen Korruptionsumschlagplatzes, muss eine transparente Fördergeldvergabe treten, die demokratischen Richtwerten folgt. Bei wechselwirkender Verhaberung von Regierung und Medien schrillen alle Alarmglocken der Demokratie!
    Die Errichtung der Gratiszeitungsständer für zwei berüchtigte Auserwählte, ist ebenso vorsätzliche BürgerInnenverspottung! In diesen Ständern liegt tagtäglich willkürlich verschleudertes Steuergeld, mit dem eigentlich Bildung, Umweltschutz und Soziales finanziert gehörte. Ausgerechnet diese beiden Druckwerke haben auch noch die höchsten Regierungsinserateneinnahmen pro “LeserIn” erhalten. ( Zahlen aus 2022, Quelle: https://www.diepresse.com/13439973/regierungsinserate-451-euro-pro-oesterreich-leser )

    • Zeitungen und Werbung in Papierform gehört sowieso schon längst komplett abgeschafft. Bücher sind beinahe für die Ewigkeit, aber das Wegwerfklumpert belastet die Umwelt unnötig.

  2. Man sollte endlich diese sinnlosen Regierungsinserate abschaffen. Für die Öffentlichkeit bieten sie keinen Mehrwert weil der Informationsgehalt ohnehin eher spärlich ist, dafür kosten sie Unsummen an Steuergeld und dienen der Bestechung der Medien und somit der Verzerrung des politischen Wettbewerbs. Wozu haben wir einen öffentlich rechtlichen Rundfunk. Warum richtet man nicht dort online eine Informationsplattform über aktuelle Gesetzesänderungen usw. ein. Aber die online Berichterstattung des ORF will man ja am liebsten abschaffen um den bestechlichen Medien das Geschäft nicht zu verderben. War wohl auch ein Wunsch der Dichands.

    • Warum hat man diese riesigen Wasserschäden aber überhaupt denn je eingeführt?
      Warum gab es früher eine andere und und auch funktionierende freie unabhängige Presse? (Wenn ich denke wie viele freie Journalisten früher ihr Brot zusätzlich zu denen in den Medien angestellt verdienen konnten? – Damals hieß es in der Bevölkerung noch, “pass auf, sonst kommst in die Zeitung”, oder “der war sogar schon in der Zeitung…”, usw. und bei den kleinsten Vorkommnissen war schon der freie Journalist vor Ort und recherchierte, dokumentiert und photographierte… – zwischenzeitlich ist diese Spezies schon lange ausgestorben…

      Die damalige Einführung dieser heutigen Zustände war vermutlich das notwendige Begleitprogramm der Jahrhunderjustizreform?

      Wahrscheinlich aber braucht es nun den Kreutnerbericht, damit endlich wieder in einen funktionelen demokratischen Rechtsstaat wieder rückgebaut und und reorganisiert werden kann?

      – Jeder Tag dafür ist aber ein Tag zu spät dafür und wird die Schäden, welche ich gar nicht kennen möchte, noch viel größer werden lassen – ob auch da der Zinseszinseffekt schon wirkt?

  3. Test of the News

    Die New York Times oder Washington Post waren über viele Jahre Brutstätten des investigativen Journalismus. Doch die Berichterstattung über Watergate wäre heute nicht mehr denkbar, denn die beiden Zeitungen sind zum Sprachrohr des tiefen Staates geworden. Die Funktion des investigativen Journalismus übernehmen jetzt Plattformen wie Substack, auf denen Legenden wie Seymore Hersh jetzt publizieren.

    Corporate Capture ist aber gleichzeitig auch der Tod der Mainstream Medien und betrifft auch CNN, MSNCB, FOX und andere, deren Reichweite weit unter den alternativen Medien liegt. Die von vielen ach so dummen Leser oder Zuseher sind vielleicht doch nicht so dumm, um sich von der Propaganda täuschen zu lassen.

    Erst wenn die Medien wieder unabhängig werden, kann diese Entwicklung aufgehalten werden. Ich sehe aber weit und breit keine Änderung in Sicht. Larry Fink usw diktieren, was berichtet und wie berichtet wird, zum Wohle des Shareholder Value :-((

  4. Die KPÖ mit der ÖVP vergleichen, das kann auch nur einem Schreiberling aus der 3. Liga einfallen. Was für eine billige Effekthascherei. Von einem, der vor dem ÖVP-Blümel sich verneigt hat wegen ein paar Euro Preisgeld. Pfui.

    • Nun ja, zu sagen “Außerdem hat sie (die KPÖ) EINE bedenkliche Ähnlichkeit zur heutigen ÖVP und FPÖ …” ist wohl kein Vergleich.

  5. Vor wenigen Tagen war eine sehr gute Diskussion auf Ö1, entweder am Morgen oder nach dem Mittagsjournal, die rigiden Maßnahmen iZm Covid prägen noch heute die Menschen. In dem Journal ging es, dass sich niemand mehr seine Meinung äußern traut, sich zwischen Freunde Freundschaften zerklüftet wurden, es nicht mehr heißt, gut, dass ist deine Meinung. Mir fällt auf, zB früher exxpress, wo manche die Posts witzig oder ironisch verfasst haben, aber jene die echt massiv beleidigend oder fremdenfeindlich waren, wurden “angeblich” mit über 50 likes bewertet (vermutl. der “Verfasser” selbst) und für 12 Std war diese obenauf. Auf Ö1 sagte man, früher hat der Journalismus alle möglichen Meinungen dargestellt und der Leser/User konnte für sich eine wählen, heute wird die Meinung vom Journalisten fertig gegeben, und eine andere Meinung (Runde der Chefredakteure – wie insbes. A Rohrer) absolut niedergeschmettert, auf eine Art, die mich als durchschnittl. Person (Toleranz) echt schockt. Persönlich sehe ich wenig Kritik über S. Kurz, man hält sich bedeckt und ist vorsichtig ihm gegenüber. Ich kenne Kickl persönlich nicht und sein Wording ist fast wie im Jahr 1890 (siehe Filme Prager Morde). Man basht jeden irgendwie, ob Kickl, M. Pogo, Babler, Rendi-Wagner.. unendlich.. Frage: geht es nicht auch anders? Das ist weder Politik-Machen noch Journalismus. Die KPÖ hat ihr Programm wie Babler seines, Nehammer ist Freund von Burger für alle .. Man holt sich eine Geschichte, bauscht die auf (jetzt BVT/kickl) und vergisst, was dahinter ist: zB Signa – wer hat diese Konstruktion der Holding geschaffen? das kann R Benko nicht gewesen sein, das waren zahlreiche Berater, und es ist Aufgabe des Beraters ein Konstrukt zu wählen, das zumindest der Gründer und sein Team noch kapieren. Selbst die Finanz weiß es nicht.. wie hat die Finanz dann die Jahre geprüft. Wer empfahl ihm den Leiner Kauf zu einer Zeit, wo es schon wackelte? Ein Steuerakt muss dem Folge-FA übergeben werden.. Wenn man weiß, wie das lt Gesetz und Praxis abläuft, dann stellen sich die Haare hoch.. und das will man international als .. vermitteln? Die VP bildet wieder die “Feinde”, dh die Gruppe, die sie unwahrscheinlich wählen werden. Ich mag Anschober, er hat die Courage besessen, Fehler zuzugeben, das vor der Kamera, eine Stärke seiner Person und so unaufgeregt, sachlich, fachlich überlegt – wenn auch nicht alles perfekt – so soll es werden

  6. Gute Einwände. Aber geht das bitte auch ohne KPÖ-Bashing?

    Das ist nicht zielführend und auch nicht notwendig und die KPÖ baut keineswegs nur auf ihre Spitzenkandidaten…. Der Vergleich mit ÖVP und FPÖ stinkt zum Himmel.

    Es steht auch der SPÖ nicht gut zum Gesicht sich aufs Abwerten der KPÖ einzuschießen. Ein freundlicher Umgang im Dienste der gemeinsamen Interessen wär da angebracht.

    • Ich sehe das Bashing nicht. Es wird sogar gelobt, dass die KPÖ mit der Medienlandschaft besser zurechtkommt als die SPÖ. Die kritische Bemerkung, dass in Graz und Salzburg die Erfolge viel von der Spitzenkandidatin und dem Spitzenkandidaten abhängen, ist dem Autor wohl ein wenig zu Ausdruck dessen Geraten, was er im Artikel zurecht kritisiert.

      • War auf die Abwertungen bezogen, nicht auf den ganzen Artikel. Muss auch nicht jeder so sehen, aber ich habs halt so wahrgenommen.

  7. Wohin wir gehen?

    Wir sind aus meiner Sicht schon lange im tiefsten Faschismus angelangt und geht es täglich noch weiter in diese Tiefen, auch noch ohne jeglichem Ende dafür in Sicht!

    Die Kronzeugen Beinschab und Schmid haben schon lange dazu ausgepackt und täglich müssen wir trotzdem weiter die gekauften Medien zusätzlich zum vorsätzlich und von langer Hand genau so geplanten und täglich umgesetzten politischen Leid weiter ertragen. (Pressefreiheit – ein waghaltiges Wort aus unserer Vergangenheit?)

    So waren die bisherigen Wahlen schon auf einer solchen Basis bereits vielfach illegitim und werden es auch die aktuellen wieder sein – sogenannten Wasserschadenwahlen in einer ohnehin schon lange auch damit erreichten Wahldemokratie, was aber auch absolut weiter Niemanden auch nur einen Deut schert?

    Woher sind wir aber gekommen und wie sollen und werden wir da je wieder herauskommen können?

    • Tiefsten Faschismus? Dass sie immer so übertreiben müssen… Welche Steigerungsformen schweben ihnen dann vor wenn wieder Personen auf Grund ihrer politischen Überzeugung oder Anderssein eingesperrt, gefoltert oder deportiert werden? Sie sollten eventuell ihre Pferde etwas zügeln und bei ihren Bedenken von faschistoiden Tendenzen schreiben, auch wenn solch nüchternen Betrachtungsweisen in der Pandemiezeit von X Eiferern für überholt erklärt wurden.

      • Wenn sie mein Wissen und meine Erfahrungen hätten, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie hier anders formulieren würden und da spreche ich ganz sicher nicht von Betrachtungsweisen der Pandemiezeit?
        Aber habe ich noch immer nicht die Hoffung aufgegeben, dass die Zeit noch reif werden wird, alles aufzuarbeiten was in diesem Lande bereit passierte und wie es überfällig schon lange notwendig ist.
        Der erste und leichteste Schritt aber wäre sicherlich, dass die Leitmedien in diesem Lande wieder funktionieren, wie sie schon seit Jahrzehnten hätten funktionieren müssen?
        Nich umsonst spricht man hier von der wichtigen 4. Gewalt, ohne der eine funktionierende Demokratie als auch ein Rechtsstaat eben nicht möglich sein können…
        Als Bürger dieses Lande wäre es deshalb auch ihre Pflicht hier alles was in ihren Möglichkeiten steht dafür zu unternehmen? – Vielleicht sollte dieses Land eine eigene Stelle einrichten, wo vor allem die vorsätzlich erfolgten Nichtbericherstattungen zum zentralen Thema werden müssen?

      • Gut, über das Attribut “tiefsten” kann man streiten. Aber unwesentlich ist der Gedanke nicht, dass die Pressefreiheit ein Wert der Vergangenheit ist. Und nachdem der Rechtsruck nicht linear sondern exponentiell demokratische Werte zur Seite schiebt, ist eine Aufarbeitung dessen, was hier verloren geht, angebracht. Meine ich halt.

  8. Das mit Doskozil klingt so als wäre er die bessere Wahl als Parteiobmann, der Jenige der die Bundespartei am ehesten und am authentischten das eigentliche Konzept für ein in Österreich funktionierendes Erfolgsprogramm verpassen könnt. Nun ja, PRW und Babler hatten nie diese Möglichkeit wie Dosko ein Regierungsprogramm umzusetzen. Ich bin ja nun überzeugt dass Babler genau diese Schritte von der sie schreiben ebenfalls in Angriff genommen hätte, wäre er in der Verantwortung eines LHM gestanden. Mit dem kleinen Unterschied dass er weniger auf die Ressentiments kleinkarierter Geister bez. der Behandlung asylsuchender Mitmenschen und Integration von Migranten gegeben hätte. Auch wenn die frühere SPÖ immer danach getrachtet hatte in solchen Angelegenheiten algemeintauglich zu bleiben so lange sie mitregierte, ist es längst an der Zeit keine Rücksicht mehr auf den Boulevard bzw. auch ORF, den sie nicht mehr ändern kann, zu nehmen. Irgendwann wird es sich lohnen sich angenehm von (beinah) allen Parteien, die verantwortlich für die Politikverdrossenheit stehen, abzuheben. Hoffe dass Babler noch lange durchhält. Aber ich hab da keine Bange, da ihm die Oppositionsrolle liegen dürfte.

    • Die Bewertung von Doskozil scheint zu spalten: Keine Frage, dass seine Nutzung der Boulevardmedien untergriffig ist, Was er der SPÖ ausrichtet – über Medien und nicht in ihren Gremien – ist populistisch und unsolidarisch. Aber der angesprochene Punkt seiner realen Sozialpolitik ist nicht ganz zu vernachlässigen. Hier gibt es – mehr als im immer vorbildlich genannten Wien – doch klare Tendenzen einer bewusst kommunal gesteuerten Gesetzgebung, die das ganze Land dringend nötig hätte.

  9. Das mit Abstand größte Problem des zeitgenössischen Journalismus ist der braune Rand. Als Folge von tiefschürfender, investigativer Spurensuche im Dunstkreis von Politik und Wirtschaft, ist er oftmals deutlich am Hals von Journalist:innen und Chefredakteur:innen ablesbar.

  10. Die österreichische Presse ist tot.
    Korrektiv der heutigen Politik könnten nur die Wahlergebnisse von morgen sein und sie werden es wieder nicht sein.
    Die Abhängigkeit der Presse von der Politik ist ein bequemer und freiwillig gewählter finanzieller Rettungsring, denn mit diesem genügen politische Huldigungen anstatt aktueller Berichterstattung – Zeit und Geld gespart! Wer in Ö geht denn nicht gerne den Weg des geringsten Widerstandes? Ausser Peter Pilz.

  11. Die österreichische Presse ist mehrheitlich kein Korrektiv der heutigen Politik, sondern ein von ihr abhängiger Apparat, der durch diese Abhängigkeit immer stärker ins Trudeln gerät.

    Man braucht nur lesen was los ist….entweder auf Blau zeigen oder Sinnlosgeschwafel, ablenken von den realen Skandalen, Sobotka, Benko, Ho, Kurz, Pilnacek, USW, gegen DIF halbe Regierung wurde unter Kurz anklage erhoben, wegen korruption Amtsmissbrauch oder Postenschacher….nichts passiert, die Justiz daschlogts oder sitzt es aus und die Medien spielen das Spiel mit. Einfach pervers und ekelig.

  12. Ich wiederhole mich…..
    Zuerst mal Danke Herr Wisser.

    Der öster. Journalismus wäre sehr sehr gut. Es gibt sehr viele gute Journalisten in unserem Land…. aber

    Es gibt” Besitzer “von Medien, es gibt Sponsoren von Medien…und es gibt natürlich Inserate.

    Unsere Journalisten sind bis auf wenige Ausnahmen weisungsgebunden . Was sehr schade ist, da junge aufstrebende Journalisten sich nicht entfalten können ( dürfen). Solange sich hier nichts ändert, orientiert sich die Mehrheit an Gratisblätter oder rechten Social Media Kanälen. Über Oe24, Heute, Dosen TV etc. möchte ich mich gar nimma äußern.

  13. 👏 Bravo, Herr Wisser, danke! 💪

    Wenn Journalist*innen-Ausbildung nun ab 01.01.2024 zukünftig im WZEVI-Gesetz unter staatliche Kontrolle dem Kanzleramt unterstellt wird, wird es die von Ihnen beschrieben Situation nicht verbessern. Gesellschaftlich meinungspluralistische Resilienz sieht anders aus.

    https://ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20012264&FassungVom=2024-01-01&Artikel=&Paragraf=0&Anlage=&Uebergangsrecht=

    Wien (OTS) – Statt die Existenz der Wiener Zeitung als unabhängiges Medium mit öffentlichem Charakter abzusichern, besteht der Kern des Entwurfs des „Bundesgesetz(es) über die Wiener Zeitung GmbH und Einrichtung einer elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes” in der Einrichtung einer staatlich kontrollierten Aus- und Fortbildung von Journalist*innen sowie der unzulässigen Vermischung von amtlicher PR mit journalistischer Arbeit. Der Presseclub Concordia lehnt darum den vorgelegten Entwurf des „WZEVI-Gesetzes“ als Ganzes ab.

    In diesem Entwurf wird die Wiener Zeitung zu einem “Aus- und Weiterbildungsmedium” umdefiniert. In § 4 des WZEVI-Gesetz ist dafür die Einrichtung eines “Media Hub Austria” vorgesehen, der Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme sowie Praxisplätze bereitstellt, um “(angehende) Journalistinnen und Journalisten auf zukünftige Erfordernisse des Medienmarkts vorzubereiten”.

    Mit einem solchen “Media Hub Austria” käme es zu einer einschneidenden Verstaatlichung journalistischer Aus- und Fortbildung. Mit der Unabhängigkeit von Medien ist dies völlig unvereinbar: Dotiert mit einem Volumen von 6 Millionen Euro – mehr als die Budgets aller bestehenden privaten Ausbildungsinitiativen zusammen – wird damit journalistische Ausbildung unter die Kontrolle einer GmbH in direkter Weisungslinie des Bundeskanzleramts gebracht. „Künftig könnte der Bundeskanzler der ihm unterstellten Gesellschaft einfach anordnen, was angehende Journalisten zu lernen hätten“, erklärt Concordia-Präsident Andreas Koller. „Dieser autokratische Ansatz ist für eine Demokratie völlig unakzeptabel.“

Kommentarfunktion ist geschlossen.

Jetzt: der Pilnacek Laptop!

Denn: ZackZack bist auch DU!