Geschenk für Faschisten

Freiheitskämpfer wird vergessen

Stjepan Filipović war ein jugoslawischer Nationalheld. Sein berühmtes Foto hängt in der UN-Zentrale von New York. Jetzt wird seine Belgrader Straße umbenannt. Die Straße des berühmten Antifaschisten wird durch den Namen eines Faschisten ersetzt.

Belgrad, 05. Dezember 2019 / Im Wahlkampf bekam Sebastian Kurz Unterstützung vom Balkan. Aleksandar Vučić ist seit 2017 Präsident von Serbien. Er veröffentlichte ein Unterstützungsvideo für den ÖVP-Chef. Warum sich Kurz allerdings über so einen Unterstützer freut, ist fragwürdig.

Vučić herrscht mit autoritärer Hand

Vučić zeigt immer wieder ein fragwürdiges Demokratieverständnis. Vor knapp einem Jahr erfasste eine große Protestwelle das Land. Tausende Menschen waren auf den Straßen – gegen den autoritären Stil der Regierung. Die Reaktion von Vučić:

„Auch wenn 5 Millionen auf den Straßen sind, werde ich den Forderungen der Opposition nicht nachgeben.“

Serbien hat Sieben Millionen Einwohner. Einer der letzten TV-Sender, die nicht regierungstreu berichten, wurde diese Woche vom staatlichen Kabelanbieter abgesetzt.

Und die serbische Regierung versucht zudem, das antifaschistische Erbe Jugoslawiens aus der Erinnerung zu verdrängen. Das macht eine Straßenumbenennung in Belgrad deutlich. Die Stjepan-Filipović-Straße heißt nun Emil-Perška-Straße. Neue Straßennamen sind keine Seltenheit. Aber diese ist besonders kontrovers.

Antifaschismus verschwindet

Stjepan Filipović war ein kroatischer Partisane. Sein Foto hängt in der UN-Zentrale von New York. Das Bild zeigt ihn kurz vor seiner Hinrichtung durch die Nazis. Er streckt die Arme in die Höhe, die Schlinge um seinen Hals schrie er: „Smrt fašizmu, sloboda narodu!“ (Tod dem Faschismus, Freiheit für das Volk, Red.). 1949 wurde er von Jugoslawien zum Nationalhelden erklärt. Seine Heimatstadt in Kroatien widmete ihm ein Monument, Straßen und Plätze wurde nach ihm benannt.

Als Jugoslawien zerfiel, wurde das Monument gesprengt. Die Partisanen und ihre Idee eines geeinten Jugoslawiens war nicht mehr erstrebenswert. Der neue Nationalismus der Kleinstaaten sah keinen Platz mehr für einen Mann, der für die jugoslawische Bevölkerung kämpfte. Filipović stand für Jugoslawien, nicht für Kroatien.

Jetzt macht Serbien damit weiter. Die Stjepan-Filipović-Straße in Belgrad gibt es nicht mehr. Brisant: Sie heißt jetzt Emil-Perška-Straße. Und auch Perška war Kroate. Seine Rolle war aber eine andere Rolle im Krieg als die von Filipović. Er unterstützte die kroatischen Ustascha. Diese kollaborierten mit den Nazis. Seine Rolle im Krieg ist nicht ganz geklärt. Nur eines ist sicher: Perška wird aktuell als Ustascha-Held gefeiert.

Faschisten bekommen Straßen

Für die Belgrader Kommission kein großes Problem. Sie betonte Perškas Geschichte vor dem Krieg:

„Perska war jugoslawischer Fußballprofi und der erste Spieler, der 10 Spiele für die Nationalmannschaft des Königreichs Jugoslawien bestritt.“

Dass ein Faschist einen Antifaschisten ersetzt, wurde verschwiegen.

Der serbische und der kroatische Staat sind sich hier offenbar einig. Die gemeinsame Geschichte soll vergessen werden. Ein Faschist, auch wenn er Kroate ist, ist für eine Belgrader Straße da offenbar passender. Diese Namensänderung reiht sich ein in ein politisches Muster.

Rund 6000 Monumente wurde im kroatischen Jugoslawien gebaut. In jedem war das Wort „Freiheit“ eingraviert. Nun werden sie dem Verfall überlassen oder gleich zerstört. Und in vielen Regionen Ex-Jugoslawiens bekommen Nationalisten und Faschisten ihre eigene Straße. In Banja Luka wurden Straßen nach Tschetniks benannt. Sie kollaborierten ebenfalls mit den Nazis.

In der Republika Srpska wurden Schulen und Institutionen nach Radovan Karadzić, ein in Den Haag verurteilter Kriegsverbrecher, benannt. In der Westherzegowina sind Straßen nach hochrangigen Vertretern des faschistischen Staates Kroatien, dem damaligen Satellitenstaat der Nazis, benannt.

Update (06.12):Mittlerweile gab die Vucic-Regierung den Druck nach. Sie benennt die Belgrader Stjepan-Filipović-Straße nun nicht mehr nach Emil Perška sondern Taraisku.

(ot)

Titelbild: common wiki

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