Skandalkalender – Türchen 14

Der WBO-Skandal

Genossenschaften, die offenbar anfällig für Skandale sind; ein politisches Talent mit Hang zum Luxusleben und viel krimineller Energie; Politiker, die keine Verantwortung sehen oder übernehmen wollen; und natürlich schwer geschädigte Genossenschafter, die lange hinters Licht geführt wurden. Das ist die Blaupause für handfeste Wohnbauskandale.

Wien, 13. Dezember 2019 / Ernst Rauchwarter war ein politisches Talent der ÖVP, das nicht nur im burgenländischen Landtag (1972 bis 1982) wirken wollte, sondern auch die wirtschaftliche Macht suchte. Die Folgen waren unvermeidlich: Ämterkumulierung hüben wie drüben und viele „Freunde“ in strategischen Positionen. Als Landtagsabgeordneter war er ein freigestellter Beamter der Landesregierung. Er besaß Anteile an einer Druckerei. Über eine Managementfirma leitet er zahlreiche Betriebe. Und er war auch Obmann der Wohnbau Ost.

Der ÖVP-Landesparteiobmann Franz Sauerzopf war sein Protegé. Rauchwarter wurde nicht nur zu einer der Nachwuchshoffnungen der ÖVP, sondern immer mächtiger. Das missfiel übrigens auch einigen Parteigängern Rauchwarters. Die Vermengung von Politik, Luxusleben und geschäftlichen Interessen wurde zu einem immer größeren Kritikpunkt.

Die Bombe platzt

Erste Probleme bei der WBO traten 1981 auf, doch Rauchwarter konnte sich noch einmal retten und brachte sogar seinen Horst Tietze als neuen Geschäftsführer der WBO durch. Doch dann platzte die Bombe. Es fehlten nach einer Überprüfung der WBO durch den Revisionsverband 30 Millionen Schilling. Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Am Ende waren 28 Banken mit 729 Millionen Schilling, 315 Firmen mit 175 Millionen und über 600 Genossenschafter, beteiligt. Die Gesamthöhe der angemeldeten Forderungen betrug knapp über eine Milliarde Schilling.

Parteienfinanzierung & Co.

Für Rauchwarter und einige seiner „Freunde“ klickten die Handschellen. Sein Förderer, Landeshauptmannstellvertreter Franz Sauerzopf, musste schließlich nach langer Gegenwehr, auch weil er die Unterstützung der Bundes-ÖVP verlor, zurücktreten. Rauchwarter und Tietze wurden zu zehn Jahren Haft verurteilt. Illegale Parteienfinanzierung wurde ebenfalls aufgedeckt. Mindestens 3,3 Millionen Schilling sollen an Parteien geflossen sein, 10 Millionen an Zeitungen und über 20 Millionen an diverse Firmen. Das war die Bilanz des Untersuchungsausschusses. In Niederösterreich verhinderte die ÖVP einen Untersuchungsausschuss im Landtag, sodass eine Verstrickung von Landeshauptmann Siegfried Ludwig nie geklärt werden konnte.

Detail am Rande: Einige Banken, wohl auf politische Intervention, übernahmen für die Wohnungs- und Eigenheimbesitzer Schulden aus Kulanz, sodass diese den Skandal ohne Schaden überstanden.

(sm)

Titelbild: Dr. Franz Sauerzopf – APA picturedesk.com / ZackZack-Grafik OW

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