AMS-Algorithmus: Aschbacher zufrieden

Kostete 1,8 Millionen

Mit 2019 endete die Testphase des AMS-Algorithmus. Arbeitsministerin Aschbacher zeigt sich mit dem Computersystem zufrieden. Bisher kostete das neue System, das arbeitslose Menschen in verschiedene Gruppen einteilt, 1,8 Millionen Euro.

Wien, 20. Februar 2020 / Viel weiß man nicht über den „AMS-Algorithmus“. Eigentlich heißt er Arbeitsmarktchancen-Assistenzsystem (AMAS), und im Jahr 2019 wurde er am AMS getestet. Immer wieder äußerten Kritiker fehlende Transparenz im Umgang mit dem neuen System. So wurden nur wenige der Modellvarianten, die Arbeitssuchende in die Gruppen „gute Chancen“, „mittlere Chancen“ und „schlechte Chancen“ einteilt, veröffentlicht. In einer Anfragebeantwortung zeigte sich Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) allerdings hochzufrieden.

Keine verpflichtende Betreuung bei “schlechten Chancen”

Der Algorithmus soll die Chancen einer Person auf eine neue Arbeitsstelle berechnen. Frauen würden ohnehin benachteiligt werden, da man als Frau mit weniger Punkte in das Rechensystem einsteigt, sagt SPÖ-Abgeordnete Kucharowits. Aschbacher widerspricht:

„Es werden persönliche Eigenschaften und die regionale Arbeitsmarktlage in Beziehung zueinander gesetzt. Das AMAS arbeitet nicht mit der Vergabe von Punkten. Das AMAS führt beispielsweise zu einer besonderen Förderung von Frauen.“

Wie die Gewichtung aber dann erfolgt, wenn nicht über Punkte, lässt die Ministerin offen. Die Testphase habe einige Anpassungen mit sich gebracht, diese wurden aber bereits umgesetzt. Für Personen mit niedrigen Jobchancen sei auch keine verpflichtende, externe Betreuung geplant. Diese könnten nur freiwillig in Anspruch genommen werden, so die Ministerin weiter.

Entwicklung kostete 1,8 Millionen

Gekostet hat der AMS-Algorithmus bisher stolze 1,8 Millionen Euro, und das nur bis Ende 2019. Doch laut Aschbacher wurde der günstigste Anbieter gewählt. Ein weiterer Anbieter hätte auf die Ausschreibung reagiert. Das Angebot dürfe aber nicht veröffentlicht werden, gab Aschbacher in der Aussendung bekannt. Kucharowits (SPÖ) zeigt sich auf ZackZack-Nachfrage enttäuscht:

“Man weiß nicht, welche Kategorien wie gewichtet und gewertet werden, man weiß auch nicht, ob eventuell bestimmte Gruppen benachteiligt werden. Von Transparenz kann keine Rede sein, man weiß weder, welche Vorgaben an das AMAS gemacht worden sind, noch ergibt sich aus der Beantwortung, ob und wie diese erfüllt worden sind.”

Obwohl die AMS-Mitarbeiter in das neue System eingeschult wurden, lastet auf ihnen mehr Druck. Denn sie sollen als „sozialen Korrektiv“ eingreifen, wenn sie denken, dass System würde falsche liegen. Sagt der Computer „Nein“, könnte der Mitarbeiter noch immer „Ja“ sagen. Die Arbeitssuchenden haben aber keine Wahl. Sie sind vom AMAS betroffen und werden vom Computer eingestuft. Es gibt keine Möglichkeit sich dagegen zu entscheiden.

„Als Arbeitssuchender ist man bald einem System ausgeliefert, dessen Risiken man selbst nicht abschätzen kann“,

sagen fünf anonyme Wissenschaftler im Herbst zum AMS-Algorithmus.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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