Quarantäne auf Italienisch

Schafft Europa die Virus-Eindämmung?

Seit gestern ist Italien endgültig im Ausnahmezustand. Aber werden die erlassenen Maßnahmen die Epidemie eindämmen? Man folgt Südkorea und versucht die Kontakte weitestgehend einzuschränken. Aber in die Arbeit gehen die Italiener noch immer, das ist anders, als es China machte: Dort sind viele Menschen noch immer in Corona-Urlaub.

Rom, 10. März 2020 / Jetzt halt also auch das erste europäische Land das öffentliche Leben stillgelegt. Nach China, Südkorea und Japan versucht nun Italien, mit rigorosen Maßnahmen die Ausbreitung des neuartigen Virus einzudämmen. Das ist dringend nötig, denn das Gesundheitssystem droht zu kollabieren.

Überfüllte Spitäler, 1 Meter Abstand

Die Regierung versucht, pensionierte Ärzte zurück in den Dienst zu beordern, Spitäler sind völlig überfüllt. Auch Medizinabschlussprüfungen laufen weiter – Italien braucht medizinischen Personal. Die Bevölkerung ist indes aufgerufen jede Bewegung außer Haus zu vermeiden. Kinos, Theater, Sporthallen sind geschlossen, Einkaufszentren bleiben am Wochenende zu. Nur Lebensmittelmärkte und Apotheken bleiben offen.

Bars und Restaurants bleiben bis 18 Uhr offen – aber nur wenn die Gäste einen Meter Abstand zueinander halten. Die Sicherheitsdistanz wird von den Behörden kontrolliert, kann der Abstand nicht gewährleistet werden, muss geschlossen werden. Allerdings dürften die Lokale ohnehin nicht besonders besucht sein, denn das Haus soll nur für Einkäufe verlassen werden. Bei einer Körpertemperatur von über 37,5 Grad darf das Haus ohnehin nicht mehr verlassen werden.

Aber immerhin: In Neapel startete eine der bekanntesten Pizzerien der Stadt erstmals in seiner Geschichte einer Lieferservice.

Italien folgt Südkorea

In die Arbeit gehen die Menschen trotzdem noch. Hier unterscheidet sich die italienische Quarantäne von der chinesischen. Wuhan, das Epizentrum des Ausbruchs, machte ebenso wie Peking die Fabriken und die Industrie zu. Arbeit war nur noch von zuhause erlaubt. Diese Maßnahme setzt Italien nicht, auch wenn sie zum Homeoffice auffordert.

Der Umgang Italiens ähnelt dem Krisenmanagement Südkoreas. Dort wurde das öffentliche Leben schon vor Wochen lahmgelegt – allerdings gingen viele Menschen weiter zur Arbeit. Nur einzelne Werke, bei denen Erkrankungen unter der Belegschaft festgestellt wurden, wie bei Hyundai oder Samsung, wurden geschlossen. Masken tragen, Hände waschen und Menschenmengen meiden – das waren Vorgaben der südkoreanischen Regierung, die Bevölkerung zog mit.

„Da gibt es einen typisch koreanischen Herdentrieb, die Obrigkeit sagt denen etwas, und alle machen es“, sagte Schweizer Daniel Nyffenegger, Korea-Chef des Personalrecruters G&S, vor 14 Tagen gegenüber dem Handelsblatt. Ob das auch in Italien und im Rest Europas so einfach sein wird? Sprühflaschen von Desinfektionsmittel wurden an Büros, Bars, Straßenlaternen und Supermärkten angebracht. Das schaffte weder Italien noch ein anderes Land in Europa. Hier mischen die Apotheken das Desinfektionsmittel selbst – wenn sie an das nötige Material kommen.

Knackpunkt Arbeit: Corona-Urlaub gab es bisher nur in China

In den letzten Tagen kamen erste positive Meldungen aus dem fernostasiatischen Land, der Kampf gegen das Virus gehe voran. Die WHO hob Südkorea als jenes Land hervor, das vorbildlich handeln würde. Jetzt zog Italien nach, allerdings wohl einige Wochen zu spät. Trotzdem sind die Quarantänemaßnahmen im Vergleich zu Chinas Durchgreifen an einer Stelle explizit unterschiedlich.

Es ist der große Unterschied zu China. In Südkorea und Italien gilt: Die Wirtschaft muss weiterlaufen. China drehte dagegen für einige Wochen alles ab, und stampfte zwei neue Notspitäler aus dem Boden. Mittlerweile sind die meisten Werke wieder geöffnet. Doch Züge und Fabriken blieben im Gegensatz zu Südkorea und Italien geschlossen.

So konnte das Land den Ausbruch stoppen, das autoritär-maoistische Regime hat hier einen Vorteil: Weniger Verantwortung lastet auf den Einzelnen, der Staat kann autoritär durchgreifen, aber kümmert sich auch um die Versorgung der Bürger. Im Unterschied zum Westen: Dort sind viele Menschen nicht mal krankenversichert oder fürchten um ihren Job, wenn sie wegen Husten zuhause bleiben.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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