Es ist ernst!

Merkel-Ansprache vielfach gelobt

Angela Merkel rief gestern Abend in einer TV-Ansprache zu Solidarität und Mitwirkung im Zuge der Corona-Pandemie auf. Für ihre Kommunikation wird sie nun vielfach gelobt. Unterdessen plant Deutschland einen 50 Milliarden Euro schweren „Solidaritätsfonds“ für Kleinunternehmer.

Wien, 19. März 2020 / Krisenkommunikation ist nicht einfach. So scheiden sich die Geister, wie gut oder schlecht Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz durch die Corona-Krise kommuniziert. Ihm wird mittlerweile immer häufiger parteipolitische Inszenierung bzw. türkises Branding von Berichten über Anti-Corona-Maßnahmen vorgeworfen.

Merkel richtet sich besonnen an die Bevölkerung

Ganz anders wird nun von etlichen Kommentatoren und Personen des öffentlichen Lebens die Krisenkommunikation von Bundeskanzlerin Angela Merkel gesehen (CDU). Diese richtete sich gestern Abend in den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF an die deutsche Bevölkerung.

Harvard-Junior Professor Ben Golub. Quelle: Twitter.

Simon Hix, Politikprofessor an der Londoner LSE. Screenshot: Twitter.

Finnlands Ex-Premier Alexander Stubb. Quelle: Twitter.

Dabei betonte Merkel:

“Es ist Ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Zur Versorgungssituation äußerte sie sich zudem kritisch über Hamsterkäufe:

„Hamstern ist vollkommen unsolidarisch.“

Bemerkenswert in der Rede war, dass Merkel den Begriff Solidarität in den Mund nahm. Sie verzichtete auf Belehrungen und betonte stattdessen:

“Wir sind eine Demokratie (…) Wir leben nicht von Zwang, sondern von geteiltem Wissen und Mitwirkung.“

Die Physikerin ist bekannt dafür, ihr politisches Handeln sehr auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu bauen.

Medien-Professor: „Emotional, emphatisch und mit großer Kraft“

Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Uni Tübingen, lobte in einer ZEIT-Analyse die Ansprache in höchsten Tönen. So schrieb er:

„Nun hat sie – aus Anlass der Corona-Krise – eine Rede an die Nation gehalten, die anders war, emotional und empathisch, erkennbar besorgt von der Dramatik der Ereignisse und doch von großer, klärender Kraft. Hier gab jemand Einblick in seinen Seelenkompass; hier zeigte sich ein vom Prinzip der Gemeinwohlorientierung geleiteter politischer Charakter.“

Die Bundeskanzlerin zog zudem Vergleiche zu ihren Erfahrungen in der DDR, der Deutschen Einheit und sprach von der „größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“. Unterdessen kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Lieferung von 10 Millionen Atemschutzmasken an.

50 Mrd.-Paket für KMU

Zudem plant die Bundesregierung ein Hilfspaket von insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Das bestätigten Regierungskreise in Berlin der „Deutschen Presse Agentur“ (dpa) und der „ZEIT“. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin der „Spiegel“ darüber berichtet.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte in den vergangenen Tagen Ähnliches angekündigt, jetzt konkretisiert sich offenbar der Umfang der Hilfspakete. Das Milliardenpaket mit dem Namen „Solidaritätsfonds“ soll in Form eines Sondervermögens des Bunds organisiert werden, das selbstständig Kredite aufnehmen darf.

(wb)

Lesen Sie auch

Titelbild: APA Picturedesk

HIER SPENDEN!

Direkt an unser Konto spenden!

Bildungsverein Offene Gesellschaft
Verwendungszweck: ZackZack
AT97 2011 1839 1738 5900

AKTUELLES

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben