Italienische Ingenieure drucken Beatmungsventil

Patentfirma blockiert

Zwei junge italienische Ingenieure versuchten, enorm wichtige Beatmungsventile per 3D-Drucker herzustellen. Doch dann hieß es, die Herstellungsfirma würde klagen, sollte das patentierte Gerät nun im großen Stil nachgedruckt werden. Die Firma Intersurgical dementiert, dennoch hält sie Detail-Pläne zurück.

Wien/Rom, 19. März 2020 / Den italienischen Spitälern fehlt es an Material. Vor allem Beatmungsgeräte werden dringend gebraucht. Aber nicht nur sie, auch kleinere, aber wichtige Geräte fehlen, um die Corona-Patienten beatmen zu können. Spezielle Ventile fehlen, die aktuell kaum nachzuliefern sind.

Kontroverse um Patent

Cristian Fracassi und Alessandro Romaioli hatten eine Idee: Die Ventile sind per 3D-Drucker herstellbar. Damit begannen sie, die Ventile nachzudrucken, obwohl sie eigentlich von der Firma Intersurgical patentiert sind. Ein Stück soll bis zu 10.000 Euro kosten. Mittlerweile wird der Preis dementiert. Allerdings kostet das Originalstück erheblich mehr als der Nachdruck. Denn der Nachdruck liegt nur bei knapp einem Euro.

Das sind die ersten Stücke der lebensnotwendigen Beatmungsventile, die von den beiden Italienern per 3D-Drucker hergestellt wurden.

Es gab große Aufregung in Italien. Gerüchte machten die Runde, dass der eigentliche Gerätehersteller mit Klagen drohen würde, sollte das patentierte Ventil nachgedruckt werden. Intersurgical dementiert das: „Die jüngsten Berichte aus Italien sind völlig falsch. Wir wurden letzte Woche wegen Details zur Herstellung des Ventils kontaktiert. Aufgrund medizinischer Herstellungsvorschriften konnten wir aber keine Auskunft geben. Wir haben aber keinesfalls gedroht zu klagen.“

Details werden zurückgehalten

Auch Romaiolie und Fracassi verneinten die Gerüchte, wonach es Druck vonseiten Intersurgical gegeben hätte. Trotzdem werden die 3D-Drucker blockiert, denn Auskunft bekommen die beiden von Intersurgical nicht wirklich. Man hätte letzte Woche um Design-Details angefragt, sagte Romaiolie, das sei aber abgelehnt worden. Jetzt müsse man das Ventil selbst entwickeln.

Intersurgical wehrt sich: „Wir tun alles, um die Krankenhäuser zu versorgen. Viele haben wir sogar kostenlos geliefert. Wir sind enttäuscht über die Fake-News, und konzentrieren uns darauf, die Krankenhäuser beliefern zu können.“

Eine Förderung der 3D-Print-Innovation könnte bahnbrechend sein. Der Bedarf an diesem Ventil wird wohl noch höher werden. Romaioli und Temporelli betonten, dass die gedruckte Alternative keinesfalls eine bessere Lösung wäre. Sie müsste viel öfter getauscht werden, allerdings wären sie angesichts der drastisch erhöhten Nachfrage sehr praktisch, um sie unmittelbar einzusetzen.

(ot)

Hier: Versione italiana / Italienische Version.

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Titelbild: Massimo Temporelli

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