IWF verweigert Venezuela Nothilfe

Maduro verlangte “totale Quarantäne”

Schon vor dem ersten Corona-Fall in Venezuela ordnete Präsident Maduro die „totale Quarantäne“ des Landes an. Damit war man das erste Land Lateinamerikas. Aber die Pandemie könnte dennoch zur Katastrophe werden. Es fehlt jetzt schon an allem – zum Beispiel an Wasser zum Händewaschen. Trotzdem verweigert der IWF Hilfsgelder, die USA sogar Tests.

Caracas, 20. März 2020 / Venezuela befindet sich im Lockdown. Flüge von und nach Venezuela Richtung Ausland sind dicht, Schulen sind zu, aus dem Haus gehen – außer für lebensnotwendige Besorgungen – ist nicht mehr erlaubt. Maduro rief seine Bevölkerung auf, die Maßnahmen mitzutragen. Venezuela sei so extrem verwundbar, dass man es sich nicht leisten könne, wenn eine Epidemie ausbricht.

Maduro fordert nationale Einheit

„Das ist eine riesige Herausforderung für eine verarmte Bevölkerung ohne funktionierende Strom- und Wasserversorgung. Es fehlt an Grundnahrungsmitteln und Medikamenten. Die Pandemie kennt weder ideologische noch politische oder soziale Unterschiede“,

sagte Chavez-Erbe Nicolas Maduro. Er schlug schon vor dem ersten Corona-Fall im Land Alarm und erklärte als erstes lateinamerikanisches Land die „totale Quarantäne“. Sozialistische Versorgungskomitees sollen Lebensmittelpakete schnüren – nur Menschen in Schlüsselposition dürfen zur Arbeit kommen.

„Wenn wir uns nicht schützen und zu sicher fühlen, könnten die Völker Lateinamerikas und der Karibik von einer schrecklichen Pandemie heimgesucht werden. Deshalb schreitet Venezuela voran und erklärt die totale Quarantäne, die soziale Quarantäne in allen Staaten und im Hauptstadtdistrikt“,

sagte Maduro in der möglicherweise wichtigsten Rede seiner Lebens.

IWF lehnt Hilfsantrag ab

Das Land litt in den letzten Jahren nicht nur am autoritären Maduro-Regime, die Wirtschaft wurde durch weitreichende Sanktion der USA und der EU zu Boden gebracht. Es fehlt an allem – besonders Wassermangel sei ein Riesenproblem, heißt es aus der Bevölkerung. Maduro beantragte zusätzlich 5 Milliarden Dollar an Finanzhilfe vom Internationalen Währungsfonds.

Doch der IWF kennt politische Differenzen offenbar auch im Kampf gegen Corona: Er lehnte Hilfen für Venezuela ab. Viele IWF-Mitglieder sehen den Trump-Mann Juan Guaidó als Präsidenten an. Deshalb könne Maduro nun keine Hilfe gewährt werden. Der IWF kündigte an, 1 Billion US-Dollar gegen die Auswirkungen von Corona bereitzustellen. Für das krisengebeutelte Venezuela ist aber nichts da, solange Maduro an der Macht ist.

„Leider kann der Fonds diesen Antrag nicht prüfen“, so ein IWF-Sprecher, „das Engagement des IWF braucht die offizielle Anerkennung der Regierung durch die internationale Gemeinschaft. Derzeit gibt es keine Klarheit über diese Anerkennung.”

China schickt Hilfsmittel – Guaidó abgemeldet

Der IWF lässt Venezuela also alleine. Venezuela erhält nur Hilfe von einem wichtigen Verbündeten: China hat bereits medizinisches Hilfsmaterial nach Venezuela geschickt. Darunter sollen auch rund 300.000 Tests sein. Laut Regierungskreisen soll die USA den Import von Tests blockiert haben. Maduro forderte die USA auf, die Sanktionen zu lockern. Das geschah bisher allerdings nicht.

Maduros politischer Gegner, Juan Guaidó, hat sich nicht der nationalen Einheit untergeordnet. Er versucht auch in Zeiten des Virus, Maduro zu stürzen. Doch gerade jetzt sieht man, wie wenig Einfluss der Guaidó in Venezuela wirklich hat. Er berief eine eigene Expertenkommission zum Virus ein und betonte seine großartigen internationalen Beziehungen. Guaidó wird besonders von der USA, aber auch von Österreich unterstützt. China unterstützt das Maduro-Regime.

Die meisten Oppositionellen stellten sich aber schon zuvor hinter Maduro. Die wenigsten sind an den politischen Grabenkämpfen Guaidós interessiert. Nun soll irgendwie die schlimmste gesundheitliche Katastrophe verhindert werden.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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