Malaria-Mittel gegen Corona

Nebenwirkungen, schlechte Studien, Pharmaindustrie

Der Pharmariese Novartis stellt nun auch das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin österreichischen Krankenhäusern für eine mögliche Behandlung des Coronavirus zur Verfügung. In den USA entbrannte wegen des angeblichen „Wundermittels“ bereits ein interner Zank zwischen Trump und seinem Chef-Immunologen Dr. Anthony Fauci.

Wien, 08. April 2020 | Der ins Rampenlicht gerückte US-Immunologe Dr. Anthony Fauci hat bereits mehrmals davor gewarnt, dass es keinen schlüssigen Beweis gebe, dass das Medikament Hydroxychloroquin gegen Covid-19 wirkt. Auf die Frage, ob er es für die Covid-19-Behandlung in Betracht ziehen würde, antwortete Fauci am 24. März: „Die Antwort ist nein“. Doch wieso betrachtet der Top-Immunologe der USA und Berater von Trump das Medikament für die Covid-19-Behandlung so kritisch?

Anfang März, als sich die Pandemie in Europa rasant ausbreitete, startete eine Gruppe von französischen Wissenschaftlern in Marseille ein Experiment. Das Ziel: das Marlaria-Medikament Hydroxychlorquine als ein mögliches Heilmittel für Covid-19 zu verifizieren. Es ist eine Studie, auf die sich Trump seitdem gerne bezieht.

Studie entsprach nicht wissenschaftlichen Standards

Das Problem an der französischen Studie: sie entsprach nicht dem „Goldstandard“ wissenschaftlicher Studien, der Randomisierten Kontrolliertne Studie (RCT).

Eine Randomisierte Kontrollierte Studie heißt einfach zusammengefasst, dass weder Patienten noch behandelnde Ärzte wissen, welcher Patient das Medikament und welcher ein Scheinmedikament (Placebo) erhält. So will man in Studien verhindern, dass eine Befangenheit oder Voreingenommenheit von Ärzten und Patienten vorhanden ist. Auch suchen die Wissenschaftler nicht aus, welcher Patient das Medikament und welcher ein Placebo erhält. Die RCT gilt in der Medizin als die wichtigste Grundlage für einen Nachweis, ob eine Behandlung wirkt oder nicht.

In der französischen Studie wurde der „Goldstandard“ nicht eingehalten. Ärzte und Patienten wussten darüber Bescheid, wer das Medikament erhielt und wer nicht. 26 Patienten wurden mit einer Kombinationstherapie behandelt, sechs Personen konnten die Studie jedoch nicht beenden: drei mussten wegen Hydroxychlorquin auf die Intensivstation, einer starb an Covid-19, einer verließ das Krankenhaus ohnehin und einer musste aufgrund von heftigen Nebenwirkungen die Studie abbrechen. Diese sechs Personen wurden nicht im Endergebnis der Studie festgehalten. Dem Mittel wurde dadurch fälschlicherweise eine Wirksamkeit von 100 Prozent unterstellt.

Fox News preist Hydroxycloroquin als Heilmittel an

Der TV-Sender Fox News stellte Hydroxychloroquin als „Wunderheilmittel“ mit „100% Wirkung gegen das Coronavirus“ dar. US-Präsident Trump übernahm die Meldungen seines “Hofsenders” und verlautbarte in seinen Pressekonferenzen den Fund des „Wundermittels“ mit dem Beisatz:

„Man soll es einfach nehmen, was soll schon passieren?“

Der Hintergrund, warum Trump das Medikament so hoch lobt, liegt laut “New York Times” allerdings darin, dass er ein „kleines finanzielles Interesse“ an der Firma „Sanofi“, die das Mittel in den USA größtenteils herstellt, habe.

Mangel und schwere Nebenwirkungen

Der „Hype“ des US-Präsidenten sorgte jedenfalls für Knappheit des Medikaments in den USA. Patienten, die das Mittel für seinen eigentlichen Zweck benötigen, nämlich die Bekämpfung von Malaria und Lupus, müssen nun vermehrt ohne Hydroxychloroquin auskommen. Tote durch Überdosis des Mittels gab es bereits in den USA und auch in Nigeria, da diese vom Hype des Wundermittels “angesteckt” wurden. Auch die Nebenwirkungen des Medikaments haben es in sich: Erkrankungen, Störungen der Herzfrequenz und andere Einschränkungen des Pumporgans.

Kommt nun auch nach Österreich

Trotz nicht ausreichender Studienergebnisse wird das Medikament angepriesen. In Europa ist es noch nicht zur Behandlung von Covid-19 erlaubt. Das Pharmaunternehmen Novartis stellt nun weltweit 130 Millionen Dosen zur Verfügung, darunter auch eine gewisse Menge für heimische Krankenhäuser.

In einer Aussendung von Novartis dazu heißt es : “Die Spende in Österreich ist Teil der von Novartis bekanntgegebenen Zusage, bis Ende Mai weltweit bis zu 130 Millionen 200-mg-Dosen Hydroxychloroquin zu spenden, unter der Voraussetzung, dass die lokalen Gesundheitsbehörden den Einsatz des Medikaments bei COVID-19-infizierten Patienten unterstützen.“

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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