Corona-Hotspot Ischgl

Bürgermeister sieht keine Schuld

Laut der Gesundheitsagentur (AGES) lassen sich 57 Prozent der geprüften Coronafälle in Österreich auf Ischgl zurückführen. Das erging aus einer Cluster-Analyse von Epidemiologen. Der Bürgermeister der Gemeinde Werner Kurz ortet indes “keine Missstände“. Über die AGES sagte Kurz: „Diese habe schon einmal eine Fake-Meldung produziert“.

Wien, 11. April 2020 | Der europäische Corona-Hotspot Ischgl kommt nicht aus den Schlagzeilen. Am Donnerstag veröffentlichte das „Profil“ einen Bericht der Gesundheitsagentur AGES, in dem Ischgl mit 57 Prozent aller positiv getesteten Coronavirus-Fälle in Österreich in Verbindung gebracht wird. Für den Bürgermeister Ischgls Werner Kurz ist dies „nicht nachvollziehbar.“ Der Bericht sei ihm laut eigenen Angaben jedoch „nicht wissentlich“.

“Alle Vorgaben der Behörden umgesetzt”

“Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alles abgehandelt und alle Vorgaben und Vorschriften der Behörden umgehend umgesetzt. Eine Gemeinde habe zudem auch in kompetenzrechtlicher Hinsicht gar keinen “Handlungsspielraum”: meinte Kurz auf die Frage, ob man nicht früher etwa alle Apres Ski-Lokale sperren oder den gesamten Skibetrieb einstellen hätte sollen.

Dafür sei die “vorgesetzte Behörde” zuständig, so der Ortschef, der aber auch die übergeordneten Ebenen – also Land und Bund – in Schutz nahm. Auf die Frage, wer nun für etwaige oder bereits eingestandene Fehler verantwortlich sei, replizierte Kurz: “Dieser Vorwurf ist absurd”. Man habe nun einen anderen Wissensstand als Anfang März – dies gelte auch für Behörden und Politiker.

Island warnte bereits Anfang März vor Ischgl

Zur Erinnerung: Bereits am 5. März warnte Island österreichische Behörden über vermehrte Coronavirus-Fälle, nachdem Urlauber aus Ischgl zurückkehrten. Island erklärte Ischgl zum Risikogebiet. “Das Virus ist nicht von uns ausgegangen und wurde nicht in Ischgl produziert”: so Kurz. Erst am 10. März wurden Apres-Ski-Lokale geschlossen. Bürgermeister Kurz sei der erste Fall in der berühmt-berüchtigten Apres-Ski-Bar „Kitzloch“ erst am 7. März bekannt geworden.

Sammelklage droht

Dass inzwischen vom Verbraucherschutzverein eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht wurde, eine Sammelklage und strafrechtliche Ermittlungen auch gegen den Bürgermeister drohen, wollte Kurz nicht bewerten. Man arbeite “kooperativ” mit den ermittelnden Behörden zusammen und sei sehr daran interessiert, dass “alles geklärt” wird.

ORF-Doku zeigte Versäumnisse Ischgls

Die ORF-Doku ” Am Schauplatz” zeigte ein weiteres Bild der Gemeinde. Demnach herrschte über das gesamte Dorf eine Nachrichtensperre, unzureichende Atteste der Ärzte wurden verteilt und der forsche Umgang mit den Saisonalarbeitern und Urlaubern wurde thematisiert.

Auch den Vorwurf, dass nach der Ankündigung der Quarantäne von offiziellen Stellen Touristen und Angestellte – nach einer Information des Tourismusverbandes – aufgefordert wurden, noch schnell Ischgl zu verlassen und quasi auf die Straße gesetzt wurden, stellte der Bürgermeister vehement in Abrede. “Vonseiten der Gemeinde, des Tourismusverbandes oder der Seilbahnen wurde niemand aufgefordert, das Tal zu verlassen”. Dies habe nur “einzelne Betriebe” betroffen.

“Im Nachhinein ist man vielleicht immer gescheiter”, so Kurz.

(apa/bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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