Superspreader- Auftritt:

Totalausfall von Kurz bei PR-Gag in Vorarlberg

Sebastian Kurz leistete sich gestern einen fatalen Fehler: im Kleinwalsertal ließ er sich von hunderten Fans ohne Wahrung der Corona-Regeln feiern. Beschwichtigungen wurden sogleich mitgeliefert, doch in den sozialen Netzwerken kippte die Stimmung zusehends.

Wien, 14. Mai | Munter Selfies mit zig Fans machen, Seit an Seit mit Pressesprecher, Bürgermeistern, der Landrätin und Landeshauptmann – und das alles ohne Wahrung der Corona-Regeln? Dieses Kunststück vollbrachte der Kanzler gestern Abend bei einem PR-Event in Vorarlberg.

Ankündigung auf Facebook später gelöscht

Zuvor hatte die Gemeinde den Besuch von Kurz via Facebook angekündigt. Pikant: im Beitrag, der danach gelöscht wurde, hieß es:

„Wegen der Covid-19-Maßnahmen ist eine öffentliche Veranstaltung leider nicht möglich und es gibt leider keine Gelegenheit für einen persönlichen Kontakt.“

Screenshot Facebook. Der Beitrag wurde mittlerweile gelöscht.

Die Ankündigung entfaltete eine gewisse Wirkung: nach Teilnehmerangaben waren ca. 150 Leute zugegen, auf den Mindestabstand wurde, wie Videoaufnahmen zeigen, kaum geachtet. Die Verantwortlichen nahmen ein Bad in der Menge, Kurz machte Selfies mit Kindern. Dann der große Moment für Bürgermeister Andi Haid. Der betonte zwar, die Rede wäre nicht geplant gewesen, doch schon im nächsten Satz sagt er:

„Ich glaub‘, der Bundeskanzler und auch wir sind tief beeindruckt von Euch, dass ihr kommet‘.“

Kurz verspottet Abstandsregel in Rede

ÖVP-Landeshauptmann Wallner stand daneben und nickte, Kurz lächelte, während der Bürgermeister voller Stolz den Kanzler präsentierte. Der Kanzler setzte dann noch eins drauf, als er grinsend und unter dem Gelächter der Anwesenden warnte:

„Ich bitt‘ Euch alle an Abstand zu halten, so gut als möglich.“

Doch für die wenig schlagkräftige Warnung war es schon zu spät, zu dicht war das Gedränge im Dorf. Der Kanzler bedankte sich zudem fürs „Durchhalten“, ganz als wäre die Pandemie nun per mündlicher Verordnung vorbei – nur um danach zurück zu rudern: „Wir dürfen nicht leichtfertig werden.“

Wie leichtfertig der Kanzler war, konnte man gestern in Vorarlberg sehen. Auf Twitter machten Videoaufnahmen vom bizarren PR-Auftritt schnell die Runde. Insbesondere kreative Videos mit Innenminister Karl Nehammer, der noch im März tönte, „es sei ganz klar eine Straftat, nicht daran mitzuwirken, dass sich eine Epidemie nicht ausbreitet“, waren zu finden.

Auch Politiker, Journalisten und Kulturschaffende empörten sich, NEOS-Mandatar Sepp Schellhorn kündigte zunächst an, Anzeige zu erstatten. Im Laufe des Tages zog er dies jedoch zurück, da er nicht die übrigen Besucher in Bedrängnis bringen wolle. Stattdessen gehe es ihm jetzt darum, ob eine Veranstaltung im Vorfeld genehmigt worden war.

Die Gemeinde beschwichtigte zwar auf Facebook und behauptete, der Bund hätte mit alldem nichts zu tun. Vielmehr hätte man nicht damit gerechnet, dass die Leute “die Geste falsch aufgefasst” hätten. Das Kanzleramt ließ inzwischen mitteilen: Medien und auch Besucher hätten sich leider nicht immer an den Abstand gehalten, der Appell für die Regelung wurde erneuert.

Beschwichtigungsversuche, verharmlosende Beiträge in Medien sowie die Kanzleramterklärung, die Schuld läge bei den Fans, dürften die Lawine, die in den Allgäuer Alpen losgetreten wurde, allerdings nur schwer aufhalten.

Der Artikel wird laufend aktualisiert.

(wb)

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Titelbild: APA Picturedesk

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