Sobotka und der U-Ausschuss

Die Novomatic-Gedächtnislücke

Am 13. März 2019 sitzt ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka fast zwei Stunden in der Novomatic-Zentrale. Jetzt, als Vorsitzender des Ibiza-Untersuchungsausschusses, war das für ihn nur ein Höflichkeitsbesuch. Aber neue Fakten und Dokumente erzählen eine andere Geschichte. Und Sobotka kann sich nicht erinnern…

Update am 04. Juni 2020 um 11:30 Uhr

Wien, 02. Juni 2020 | Neos-Abgeordnete Stefanie Krisper hat Sobotkas Naheverhältnis zu Novomatic recherchiert und ihn auf sein enges Verhältnis zu seinem Ex-Sekretär Bernhard Krumpel und dessen gemeinsame Firma mit Peter Sidlo hingewiesen. Die Wiener Zeitung berichtet am 26. Mai 2020: „Sobotka kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Krumpel sei in den Jahren 1999 und 2000 sein Pressesprecher gewesen. Er könne sich nicht erinnern, wann und wo er ihn zuletzt getroffen habe.“

Das Gedächtnis des Präsidenten ist auffallend kurz. Novomatic-Eigentümer Johann Graf kann mit seinem Kalender Sobotkas Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Dort findet sich ein Eintrag mit „SOBOTKA“ und „Krumpel“ am 13. März 2019.

Sobotka und sein Ex-Sprecher Krumpel

Pünktlich um 14.00 Uhr erscheint Sobotka bei Novomatic-Konzernsprecher Bernhard Krumpel. Dabei sind Novomatic-Aufsichtsratschef-Chef Bernd Oswald und Tina K (Name von Redaktion geändert).

Im Konzern und in der ÖVP ist bekannt: Im März 2019 werden die Weichen für die Zukunft der CASAG – der Casinos AG – gestellt. Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic will endlich sein Stück vom Online- und Lotterienkuchen. Novomatic hat die Unterstützung von Strache und FPÖ. Aber die Entscheidung liegt bei der ÖVP.

Um 15.00 Uhr steigt Sobotka in den Lift und fährt in die Vorstandsetage im 7. Stock. Dort begrüßt ihn Novomatic-Eigentümer Johann Graf.

Direkt nach dem Gespräch mit Sobotka sitzt Aufsichtsratschef Oswald bei Johann Graf. Um 15.48 Uhr schickt Oswald eine iMessage an Novomatic-Chef Harald Neumann: „Bitte um Rückruf! Brauchen kurze Info wegen CASAG.“ Kurz nach dem Sobotka-Treffen gibt es offensichtlich Klärungsbedarf rund um den geplanten ÖVP-Umbau der CASAG.

Treffen mit Graf mitten im Vor-Wahlkampf

Am 9. Juli ist Sobotka wieder bei Graf. Diesmal hat es der Präsident nicht so weit. Das Treffen findet um 16.00 Uhr im Novomatic-Forum am Wiener Karlsplatz statt. Die Koalition mit der FPÖ ist längst geplatzt. Der Nationalrat hat sich am 12. Juni aufgelöst. Die ÖVP bereitet einen teuren Wahlkampf vor. Und der Präsident des aufgelösten Nationalrats sitzt schon wieder beim Novomatic-Eigentümer.

Sobotka hat bis heute die entscheidenden Fragen nicht beantwortet:

  1. Warum lässt sich der Nationalratspräsident zweimal zu Novomatic laden?
  2. Was hat Sobotka mit seinem ehemaligen Pressesprecher, mit dem Novomatic-Aufsichtsratschef und mit der Lotterien-Beauftragten des Glücksspielkonzerns eine Stunde lang besprochen?
  3. War Sobotka die enge geschäftliche Beziehung zwischen Krumpel, FPÖ-NR Markus Tschank und FPÖ-CASAG-Kandidat Peter Sidlo bekannt?
  4. Hat Sobotka seinem ehemaligen Pressesprecher nur einen Höflichkeitsbesuch abgestattet?
  5. Warum hat Sobotka Graf auch nach der Auflösung des Nationalrats im beginnenden Wahlkampf getroffen?
  6. „Die Novomatic zahlt alle.“ Das behauptet HC Strache im Ibiza-Video. Hat Novomatic auch die ÖVP – direkt oder indirekt – finanziert?

Graf und Krumpel sind inzwischen Beschuldigte im Casinos-Strafverfahren. Sobotka ist als Nationalratspräsident Vorsitzender des Untersuchungsausschusses, der das alles aufklären soll. Der Präsident fühlt sich unbefangen.

Update 14:26 Uhr: Sowohl Sobotka, als auch Novomatic waren bislang nicht zu einer Stellungnahme bereit.

(red)

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Titelbild: APA Picturedesk

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