Gesundheitsdaten in der Hand von Großkonzernen

Google übernimmt Fitnesstracker

Ein riesiger Schatz an Gesundheitsdaten wird demnächst vom weltgrößten Datenkonzern eingenommen werden. Das amerikanische Unternehmen Fitbit wird direkt dem Territorium von Google angehören. Datenschützer schreien auf.

Wien, 29. Juni 2020 | Am 1. November 2019 kündigte Google an, dass es den Fitnessmesserhersteller Fitbit kaufen möchte. Für unglaubliche 2,1 Milliarden Dollar will sich Google das amerikanische Unternehmen einverleiben. Die EU hat nun drei Wochen Zeit, um den Kauf zu prüfen und notfalls einzuschreiten.

Der große Mehrwert ergibt sich durch die Datensätze der einzelnen Nutzer. Denn auf die Daten haben nicht nur die User selbst Zugriff, sondern auch das Unternehmen. Fitbit zählt 100 Millionen verkaufte Produkte und 28 Millionen User. Für Google, das am meisten Umsatz aus personalisierter Werbung generiert, ist das ein massiver Zugewinn. Nicht nur bezüglich Werbung im Gesundheits- und Fitnessbereich, sondern auch im Hinblick auf eine starke Einsicht in körperliche Daten beim Nutzerverhalten.

Die aufgezeichneten Gesundheitsdaten werden von den einzelnen Nutzern verwendet, um die eigene Leistung zu steigern. Im Wahn nach Optimierung übersehen aber viele die gesammelten Informationen der einzelnen Geräte. Die elektronischen Armbänder sind mit verschiedensten Sensoren ausgestattet und messen Herzfrequenz, Schlafqualität, Schrittzähler, Atmung und vieles mehr.

Versicherungsunternehmen sind die Gewinner

Dadurch könnte der Traum aller Gesundheits- und Versicherungsunternehmen wahr werden, vor allem jenen aus den USA. Diese sind bekannt, dass sie Versicherungsleistungen an bestimmte Vorgaben knüpfen. Dadurch haben Personen mit Vorerkrankungen oftmals keine Kostendeckung ihrer medizinischen Behandlung. Vor allem im Angesicht der in den USA häufigen Covid-19-Todesfälle versuchen viele Versicherungen nicht die Schadensleistung auszubezahlen. Der Versicherungskonzern First Mercury lehnte Versicherungsleistungen von mehr als 100 Krankheitsfällen durch Covid-19 ab und wird nun geklagt.

Mit den Daten von Fitbit werden sich wohl auch die Maßnahmen der Krankenversicherung verschärfen. Wer sich ungesund ernährt und dadurch anfälliger wird für Diabetes, dem könnte die Rechnung für Insulin verwehrt werden. Viele Menschen machen wenig Sport, arbeiten mindestens 40 Stunden die Woche, sitzen vor dem Computer und bekommen Rückenbeschwerden. “Selber schuld”, könnten die Unternehmen behaupten und auf ihre Vorgaben für die Versicherungsleistung verweisen.

„Eigenverantwortung“ als Prinzip

Wer sich trotzdem behandeln lassen will – auf Kosten der Versicherungsunternehmen-, kann das wohl noch immer tun. Durch die Wirtschaftskrise in den USA wollen Konsumenten ihre Gesundheitsversicherungen runterstufen lassen, um Geld zu sparen. Deswegen fürchten sich Unternehmen vor Gewinneinbrüchen. Dadurch werden möglicherweise Tarife mit höheren Preisen als zuvor angeboten.

Der Konsument tritt seine Gesundheitsdaten freiwillig an einen Konzern ab, der diese an eine Versicherung weiterverkauft, die wiederum diese Daten nutzt, um aus ihren Kunden noch mehr Geld herauszupressen.

(mp)

Titelbild: APA Picturedesk

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