Freitag, Juli 19, 2024

Unsterblich Episode 12: Was tun, bis die Wundermedizin fertig ist?

Bis es die eine Wunderdroge gibt, die uns fast unsterblich macht, wird noch einige Zeit vergehen. In der Zwischenzeit kann man aber genug anderes tun, um verlässlich seine Lebensqualität zu erhöhen und das Leben zu verlängern.  

Ich möchte lange leben und dabei eine hohe Lebensqualität behalten! Soll ich einfach warten bis es eine „Ewige-Jugend-Pille“ gibt? Die Antwort ist eindeutig nein! Wer lange gesund bleiben möchte, muss ganz schön was auf sich nehmen und viel Motivation und Optimismus besitzen. Und nicht den ganzen Tag auf der Couch liegen!

Selbstversuche

Es gibt eine sehr genaue Anleitung für Selbstversuche mit Senolytika: der beste Kandidat ist meiner Meinung nach FOXO4-DRI.

Ein Experimentator, der über seinen Selbstversuch berichtet hat viele unterschiedliche Senolytika gleichzeitig genommen, gefastet (Jahrelang nur eine Mahlzeit am Tag), sehr viel Bewegung gemacht, sodass es nicht möglich ist, eine Aussage über die Wirkung von FOXO4-DRI zu machen. Immerhin scheint er davon keine negativen Nebenwirkungen gespürt zu haben. Als Ergebnis seiner vielen Anti-Aging Aktivitäten hat er ein biologisches Alter von 38 obwohl er kalendarisch 57 ist (https://foxo4dri.com/finally-doing-an-update/).

Ganz ehrlich, ich habe große Lust auf so ein Selbstexperiment! Ich muss mir aber noch ein Konzept zusammenstellen, von dem ich dann auch 100% überzeugt bin. Vielleicht fange ich mit einer Creme für die Hände an, die ich nur auf einer Seite verwende. Dann könnte ich als Kontrolle die beiden Hände vergleichen. Wie gesagt, Kontrollen sind sehr wichtig, wenn man eine klare Aussage machen möchte. Ich halte Euch am Laufenden.

Faktoren, die unsere Lebenserwartung bestimmen

Unsere Gene machen 30 bis 50% aus. Langlebigkeit ist vererbbar. Aber eben nicht zu 100 %.  Worin bestehen die restlichen 50 bis 70%?

Das Ziel aller dieser Übungen und Ideen ist ja möglichst lang gesund und fit zu bleiben und den Alterungsprozess zu verzögern! Bevor wir dafür ein Konzept ausarbeiten, müssen wir einmal herausfinden, welche Faktoren außer den Genen dabei eine Rolle spielen. Und diese Studien sind sehr aussagekräftig und sollten mehr Beachtung bekommen. Jede Regierung sollte diese Faktoren ganz oben auf ihrer Agenda stehen haben, um diese zu realisieren.

Der Alterungsprozess wird durch die Anhäufung molekularer Schäden vorangetrieben, was zu einem allmählichen Anstieg des Anteils defekter Zellen und Organe führt. Durch die altersbedingte Zunahme der Schädigungen werden sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Funktionsreserven von Geweben und Organen beeinträchtigt, was zu einer Störung des Selbstorganisationssystems und einer verminderten Anpassungsfähigkeit an die Umwelt führt.  Gebrechlichkeit, Behinderung, altersbedingte Krankheiten und letztendlich der Tod sind die Folge. Wartungsmechanismen verlangsamen die Schadensakkumulationsrate. Diese Mechanismen werden durch verschiedene Faktoren positiv oder negativ moduliert, d. h. Genetik, Epigenetik, Geschlecht und Gender, sozioökonomischer Status und Bildungsstatus, Zufall und Lebensumstände, Ernährung und körperliche Aktivität, Stressbewältigung und soziale Unterstützung sowie pathogene Belastung. Verschiedene Kombinationen dieser Faktoren schaffen die Möglichkeit, altersbedingte Erkrankungen zu vermeiden, zu verzögern oder zu kontrollieren.

Da sind vielerlei Dinge, die uns altern lassen. Was mich besonders optimistisch stimmt, ist die Zunahme der Lebenserwartung in den letzten 120 Jahren, von 36-38 um 1900 auf 78-82 im Jahre 2020. Das ist mehr als eine Verdoppelung in knapp über 100 Jahren.

Was scheint das Wichtigste zu sein?

  1. Bewegung ist an erster Stelle. „Wer rastet, der rostet ist“ ist nach wie vor eine gültige Ansage. Studien zeigen, dass mindestens 5 bis 6 Stunden intensives Training pro Woche notwendig sind. Das können aber durchaus lustige Bewegungen wie Tanzen sein.
  2. Von Fasten und Kalorienrestriktion ist wissenschaftlich bewiesen, dass sie das Leben verlängern.
  3. Ernährung ist essentiell: welche der extrem vielen Diäten, die propagiert werden, die richtige ist, lässt sich schwer beurteilen. Auf jeden Fall sollte man viel Gemüse und Obst essen, gesunde ungesättigte Fette, nicht zu viele Kohlenhydrate, nicht zu viel Fleisch, dafür aber Fisch, Nüsse, genügend Ballaststoffe, Hülsenfrüchte und genügend Wasser trinken.
  4. Soziale Kontakte sind immer aber besonders im Alter wichtig! Pflege deine Freunde und unternimm regelmäßig schöne Aktivitäten mit ihnen:  Ausflüge, lustige Spiele, gemeinsam kochen und gute Gespräche führen. Meide Menschen, die ihren Psychomüll auf dir abladen und über alles nörgeln! Die psychische Belastung wirkt sich auch auf dein Wohlbefinden und deine Gesundheit aus.
  5. Bildung ist auch ein wichtiger Faktor, wichtiger als das Einkommen. Der Wittgenstein Preisträger Wolfgang Lutz schreibt: „Der Kopf ist wichtiger als das Portemonnaie“:
  6. Vitamine und Mineralien sind in ausreichender Menge zu konsumieren.
  7. Zuviel Sonne meiden! Man schütze sich vor Sonnenbrand, sollte aber trotzdem viel Zeit im Freien und in der Solle verbringen.
  8. Die vielen Anti-Aging Präparate und Senolytika findet Ihr in Episode 5.

Auch wenn man alle diese Dinge befolgt, kann man Pech haben und früh altern und krank werden, denn die Genetik spielt eine große Rolle. Trotzdem ist so gut wie sicher, dass jeder einzelne dieser Punkte das Leben nicht nur lebenswerter macht, sondern auch verlängert.

Titelbild: Pixabay

Autor

  • Renée Schroeder

    Renée Schroeder ist eine der führenden Biochemikerinnen Europas. Als Wittgenstein-Preisträgerin lehrte sie an der Universität Wien. Heute lebt sie auf dem Salzburger Leierhof und beschäftigt sich mit wilden Kräutern, die sie verarbeitet. Für ZackZack beschreibt sie die ebenso folgenreichen wie weitgehend unbekannten Entwicklungen der technischen Eingriffe in die Grundlagen unseres Lebens - bis hin zur Abschaffung des Alterns.

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