Indien verbietet China-Apps

Spionagevorwurf

Indien verbannt fast 60 chinesische Apps, darunter die beliebte, aber umstrittene Jugend-App TikTok. Bereits 2019 griff Indien zu derartigen Maßnahmen. Auch die USA lehnen chinesische Tech-Unternehmen ab.

Wien, 02. Juli 2020 | Der Konflikt zwischen China und Indien vertieft sich. In den vergangenen Monaten kam es bereits zu Gefechten an der Grenze zwischen den beiden Milliarden-Ländern.

60 chinesische Apps verboten

Jetzt greift Indien zu einem drastischen Akt der “Selbstverteidigung”: fast 60 Apps wurden durch die Regierung verboten. Die bekannteste Anwendung ist TikTok, eine Social Media-Plattform, die nur 15 Sekunden-Videos zulässt.

Für China ist das ein gewaltiger Rückschlag. Denn Indien ist TikToks größter ausländischer Markt mit über 191 Millionen Downloads Ende 2019. Im Vergleich dazu: der zweitgrößte Markt sind die USA mit knapp 41 Millionen Downloads.

Die Apps sollen in den Stores von Google und Apple nicht mehr herunterladbar sein. Über die Telekomanbieter werden alle Verbindungen gekappt, sodass bestehende Nutzer den Dienst nicht mehr benutzen können.

Schon im April 2019 wollte Indien vor den Wahlen aus “moralischen Gründen” den Vorgänger Musical.ly verbieten, weil es laut Regierung zur Nachahmung von Pornografie angeregt hätte.

Datensammelwut im Hintergrund

Die chinesische App hat mehrere Funktionen, doch vieles ist dem jungen Publikum nicht bekannt. Wie viele andere Social Media-Dienste wird TikTok “gratis” angeboten. Im Hintergrund steckt allerdings eine riesige Datensammel- und Verarbeitungsmaschine. Bei Facebook oder Google werden diese Daten offiziell dafür verwendet, um personalisierte Werbung zu erstellen. Spätestens seit den Leaks von Edward Snowden ist aber bekannt, dass Geheimdienste persönliche Nachrichten mitlesen können.

Viele westliche Länder sind sehr skeptisch gegenüber den chinesischen Versionen am Digitalmarkt. China ist ein neuer Player am Markt und lässt sich nicht in die Karten blicken.

Digitales Kräftemessen der Großnationen

Immer mehr fahren auch andere Großmächte Abwehrmaßnahmen gegen die Datenspionage der chinesischen Digitalindustrie auf. Vor ein paar Tagen erklärte die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) die chinesischen Mobilfunkhersteller Huawei und ZTE zu Gefährdern der nationale Sicherheit. Für US-amerikanische Anbieter von Telekommunikation ist es dadurch verboten, staatliche Förderungsgelder für Technik und Geräte dieser Firmen aufzuwenden.

Im Hintergrund geht es auch um die geopolitische Schlüsselrolle von 5G: der “Gewinner” des Wettrennens kann potenziell jede Kommunikation weltweit überwachen.

(mp)

Titelbild: APA Picturedesk

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