500 Millionen Menschen könnten wegen Lockdown in Armut rutschen

Doppelte Zahl an Malaria-Toten droht

Erste Studien über die Auswirkungen der globalen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zeigen ein verstörendes Bild: Über 500 Millionen Menschen könnten in die Armut rutschen, die Todeszahl bei Malaria könnte sich verdoppeln, Säuglinge sterben zu 45 % häufiger.

Wien/London/Melbourne, 13. Juli 2020 | Eine neue Studie vom Kings College London in Zusammenarbeit mit einer australischen Universität zeigt, welche Auswirkungen die globalen „Lockdown“-Maßnahmen in den nächsten Monaten haben könnten: 500 Millionen könnten in die Armut rutschen!

„Humanitäre Katastrophe“

„Wir waren überrascht, welche Größe der Armuts-Tsunami annehmen könnte, der auf Covid-19 im globalen Süden folgt“,

sagte Andy Sumner, einer der Studienautoren, zum US-Magazin „The Intercept“. „Wir sind nicht nur mit einer Pandemie konfrontiert, sondern mit einer globalen humanitären Katastrophe“, warnte David Beasly, Chef des UN-World-Food-Programme (WFP). „Millionen Menschen sind mit der Hunger-Gefahr konfrontiert“. Sie könnte nun zur Massen-Realität werden.

Laut World Food Programme könnte der Lockdown und die daraus folgende wirtschaftliche Rezession die Zahl der hungernden Menschen am Planeten quasi verdoppeln. Einer WFP-Studie zufolge könnten zum Jahresende 265 Millionen Menschen zusätzlich hungerleiden.

Schon jetzt, also noch vor den langfristigen Lockdown-Schäden, verhungern 24.000 Menschen täglich. Genau so viele Menschen, wie in der Vorarlberger Stadt Lustenau leben, verhungern auf unserem Planeten jeden Tag.

Massive Auswirkungen auf medizinische Versorgung

Zudem machte die WHO auf eine weitere Konsequenz aufmerksam, die die Corona-Maßnahmen mit sich ziehen. Weil Malaria-Medikamente plötzlich in den kapitalistischen Zentren im globalen Norden benötigt werden, steht Afrika ohne diese da. 75 % weniger Zugang zu Malaria-Medikamenten gibt es im globalen Süden – Malaria wütet aber weiter.

Laut WHO könnten in diesem Jahr fast doppelt so viele Menschen an der Infektionskrankheit sterben wie noch 2018. Dann gäbe es 2020 über 750.000 Malaria-Tote. Seit 2013 hat sich die Sterbezahl bis dato bei rund 440.000 jährlichen Toten eingependelt. Auch bei HIV oder Tuberkulose-Erkrankten erwartet die WHO um 10 bis 40 % höhere Sterbezahlen, weil für viele Menschen der Zugang zur medizinischen Versorgung aufgrund der Corona-Maßnahmen erschwert wurde.

Das ist aber nicht alles: Auch für Schwangere wird der Zugang zur Versorgung erschwert. Die Sterblichkeit bei Säuglingen hat sich seit der Pandemie um 45 % erhöht, errechnete die Johns Hopkins Universität. Besonders Kinder sind betroffen.

“Die Erfahrung sagt uns, dass besonders Kinder bei Epidemien von den überlasteten Gesundheitssystemen betroffen sind“,

sagt ein Report der christlichen Hilfsorganisation „World Vision“.

Hunger, Armut, Gewalt

Die heftigsten Auswirkungen wird der Covid-Lockdown in Sub-Sahara-Afrika haben, erwartet die UNO. Dort, wo jetzt schon die Hälfte der verarmten Weltbevölkerung lebt. “Wir werden erhebliche Auswirkungen auf die Unterernährungsrate haben”, sagt Alexandra Lamarche, Beauftragte für West- und Zentralafrika von Refugees International, gegenüber „The Intercept“.

“Wir sehen alle möglichen sekundären Auswirkungen. Zum Beispiel gibt es in Niger einen Polio-Ausbruch, weil die Impfung eingestellt wurde. Es gibt einfach so viele verschiedene unerwartete Konsequenzen” (…) “Es ist äußerst entmutigend. Und es wird außergewöhnlich schlimm.“

Fazit: Hunger, Armut, Gewalt und Unterversorgung sind einige der Folgen der globalen politischen Reaktionen auf Corona.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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