Nach 100 Millionen Jahren erwacht

Forscher beleben Mikroben wieder

Tief im Pazifik, etwa 100 Meter unter dem Meeresspiegel, haben japanische und amerikanische Forscher 100 Millionen Jahre alte Mikroorganismen im Meeresgrund gefunden und wiederbelebt. Die Bohrprobe wurde aus einem der am wenigsten erforschten Bereiche der Erde entnommen.

Wien, 01. August 2020 | Eigentlich ist der Mittelpunkt des Südpazifiks ein Ort des Nichts und wird daher auch “Punkt Nemo” genannt, da er der Ort auf der Erde ist, der am weitesten vom Land entfernt ist. Dort wo ein Leben kaum möglich ist, schlummerten seit 100 Millionen mikroskopisch kleine Kreaturen, die vom Mikrobiologen Yuki Morono und sein Team entdeckt und im Labor wiederbelebt wurden.

Die winzig kleinen Mikroosrganismen hatten im südpazifischen Meeresboden überlebt, der zwar sehr arm an Nährstoffen ist, ihnen jedoch genug Sauerstoff zum Leben gab. Mikroben gehören zu den einfachsten Organismen der Erde, welche im Gegensatz zu weiterentwickelte Lebewesen unter den extremsten Bedingungen überleben können.

Nachdem die Mikroben durch die Forscher aus ihrem langen Schlaf aufgeweckt wurden, begannen sie wieder zu fressen an und vermehrten sich.

Die Forschung wurde von der japanischen Agentur für Marine-Earth Science and Technology durchgeführt. Sie schreiben für das Fachblatt “Nature Communications”. Vom Forschungsschiff  “Joides Resolution” aus entnahmen sie mehrere Bohrproben vom Grund des südpazifischen Meereswirbels. Sie bohrten dabei bis zu 74,5 Meter tief. Die Sedimentschichten des Bodens sind bis zu 100 Millionen Jahre alt.

Als ich sie fand, war ich zunächst skeptisch. Wir wissen aber jetzt, dass es keine Altersgrenze für [Organismen in der] Biosphäre unter dem Meeresboden gibt.,

sagte Yuki Morono, Hauptautor der Zeitschrift “Nature Communications”.

Mit dem Forschungsschiff “Joides Resolution” wurden im Sediment des Pazifiks Bohrproben genommen.

Die “martime Wüste”

Aufgrund der äußerst schweren Lebensbedingungen, wird dieser Meereswirbel als “Maritime Wüste” bezeichnet. Sie steht unter sehr intensiver Sonneneinstrahlung und hohen UV-Index – echte Wüstenbedingungen im Meer. Die Nährstoffe vom Festland kommen mitten im Pazifik kaum bis gar nicht an, sodass der Ort besonders nährstoffarm ist.

Unsere zentrale Frage war, ob in einer so nähstoffarmen Umgebung Leben existieren könnte, oder ob dies eine unbelebte Zone ist. Wir wollten wissen, wie lange Mikroben ihr Leben fast ohne Nahrung aufrechterhalten können.,

fährt Morono fort.

Schon seit Jahrzehnten sammeln dirt Wissenschaftler Sedimentproben, um das Klima der vergangenen Zeiten, die Plattentektonik und dessen Ökosystem besser verstehen zu könenn. Der südpazifische Meereswirbel, Gyre, umfasst ganze 37 Millonen Quadratkilometer der Erde.

Hungrige Bakterien

Mit einem bestimmten Laborverfahren, behandelten die Wissenschaftler die Bakterien, um das Wachstum anzuregen. Sie “fütterten” die Mikroben mit Sauerstoff und tatsächlich fingen die winzigen Lebewesen an, die “Nahrung” aufzunehmen. Die Wissenschaftler vermuteten erst, dass es sich bei der Sedimentprobe um versteinerte Fossilien handle. Was dabei rauskam, habe keiner erwartet. Für Mitautor, Steve D’Hondt, ist das Ergebnis die spannendste Erkenntnis der Studie:

Sie zeigt, dass das Leben in den alten Sedimenten der Weltmeere unbegrenz ist, dass es in den ältesten Sedimenten mit der geringsten Menge an Nahrung noch lebende Organismen gibt, und dass sie zurückkehren, wachsen und sich vermehren können.,

Ein kleiner Schritt für die Mikrobe, ein großer Schritt für die Wissenschaft. Auf Twitter wird bereits darüber diksutiert, ob das Aufwecken der kleinen Lebewesen eine richtige Entscheidung war. Das Jahr 2020 ist schließlich sehr vielversprechend.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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