Nach Köstinger-Mail: McKinsey-Berater koordinierte Test-Flop

Neue Details in der Causa „Safe A“: nach einer persönlich von Köstinger unterzeichneten Mail schaltete sich ein McKinsey-Berater als Ansprechpartner ein. Er koordinierte noch im Juli Treffen mit Verbänden, wollte aber entgegen seiner Mail-Signatur nichts mit seiner eigenen Firma zu tun haben.

Update am 08. August, um 14:00: O-Ton von SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher am Ende des Artikels

Wien, 08. August 2020 | Die Involvierung von McKinsey beim Projekt „Safe A“ wird immer deutlicher. Es geht um 150 Millionen Euro Steuergeld eines Coronatest-Projekts. Viele Hotels, die Opposition und Tourismusverbände kritisieren das Projekt.

Einen Tag nach Köstinger-Mail meldet sich McKinsey

Zackzack vorliegende Dokumente zeigen, dass unmittelbar nach einer persönlichen E-Mail von Elisabeth Köstinger (ÖVP) ein Berater des US-Riesen aktiv wurde und sich als Ansprechpartner für Tourismusverbände anbot.

Tourismusministerin Köstinger meldet sich am 1. Juli, um zur Teilnahmen am Projekt aufzurufen.

Einen Tag nach der Köstinger-Mail rief McKinsey-Berater K. bei einem Verband an und organisierte ein erstes Treffen mit Branchenvertretern. Dabei sprach K. ausführlich über die Erstellung von Plänen im Zuge des „Safe A“-Projekts. Kurz darauf informierte ein teilnehmender Tourismusverband seine Mitgliedsbetriebe:

Daraufhin geschieht Seltsames: K. meldet sich beim Absender und stellt klar: Er wolle nicht mit McKinsey in Verbindung gebracht werden. Die offizielle Sprachregelung lautet: K. ist für die Labore und das Rote Kreuz tätig. Das Rote Kreuz hatte in einem davon unabhängigen Mail auf die Rolle von McKinsey bei der Auswahl der Labore hingewiesen:

Warum der Berater nichts mit seiner eigenen Firma zu tun haben will, obwohl er seine Signatur weitergab, ist unklar. Der Verbandsvertreter, der anonym bleiben will, betonte gegenüber zackzack zudem, er habe sich gewundert, warum da jemand mit deutscher Handynummer anrufe.

Gab es einen direkten Kanal zwischen Ministerium und McKinsey? Beide wollten auf eine entsprechende Anfrage nicht antworten. Während McKinsey auf die alte Stellungnahme verwies, griff Köstinger-Sprecher Daniel Kosak auf Twitter persönlich den Autor dieses Artikels an.

Verband: „Niemand sonst hat mit uns Kontakt aufgenommen“

Brisant: beim neu aufgetauchten Berater K. handelt es sich nicht um den bisher bekannten H. Im Zuge der umfassenden Berichterstattung von zackzack, „Krone“ und „Standard“ verschwanden Belege von McKinsey von Projektseiten, darunter der Name von H. Jetzt tauchen Hinweise auf seinen Kollegen auf. Seine Tätigkeiten werfen neue Fragen auf.

Seitens des Verbandsvertreters hieß es gegenüber zackzack:

„Der Mann war der einzige, der sich bei uns nach der anfänglichen Mail aus dem Ministerium bei uns gemeldet hat. Niemand sonst hat mit uns Kontakt aufgenommen.“

Das stellt die von McKinsey aufgestellte These, man habe nur ein paar Wochen in der Testphase am Projekt mitgearbeitet und kein Geld dafür kassiert, immer mehr infrage. Wer McKinsey den Auftrag gegeben hat, ist weiterhin unklar.

Weitere Mail mit Ansprechpartner H.

Hinzu kommt, dass H. – der mittlerweile untergetaucht scheint – nicht nur in den im Netz gelöschten Wirtschaftskammer-Dokumenten auftaucht. Eine andere Tourismusinstitution nannte H. am 30. Juni ebenfalls als Ansprechperson in Bezug auf die staatlich geförderten Abstrich-Untersuchungen.

Interessant ist auch, dass in der E-Mail kolportiert wird, man habe die Information von Univ.-Prof. Dr. Wolfang Speiser erhalten. Speiser ist beteiligt an „Ihr Labor“, welches wiederum Teil des mutmaßlichen Labor-Kartells „Arge Safe A“ ist. Bei diesem fällt auf, dass die Mailadressen von drei der vier Mitgliedern mit „Safe A“ beginnen. Bei allen anderen Teilnehmer-Laboren ist das nicht der Fall.

Handelt es sich bei „Arge Safe A“ um vorher ausgewählte Labore? Tourismusministerium und Wirtschaftskammer hatten stets betont, dass es ein privatwirtschaftliches Konsortium aus Laboren gebe, welches für die PCR-Tests zuständig sei. Man könne sich via Portal „Sichere Gastfreundschaft“ für das Programm melden. Zackzack-Recherchen ergaben, dass viele der neu teilnehmenden Labore von der Existenz eines Konsortiums gar nichts wussten.

Gab es Absprachen unter den Labors?

Faktum ist, dass es Verbindungen der vier „Arge“-Labore zu anderen Teilnehmern gibt. So ist ÖVP-Wirtschaftsbündler Dr. Hans Georg Mustafa neben seiner Führungsrolle bei „Medilab“ auch Gesellschafter bei der „Dr. Schobesberger Labordiagnostik“. Beide sind gelistet als Labore, die Tests für Hotels im Rahmen von „Safe A“ anbieten. Ein anderes gelistetes Labor, die „COVID-Fighters“, machte mit Geschäftsführer F. bereits Schlagzeilen. F. ist ehemaliger ÖVP-Funktionär und Ex-Administrator der Anpatz-Seite „Die Wahrheit über Christian Kern“ (der „Standard“ berichtete).

Ob es etwaige Absprachen zwischen Laboren gegeben hat, ist nicht bekannt. Speiser meldet sich trotz mehrmals angekündigten Rückrufs seit Wochen nicht bei zackzack. Ein Labor, das sich anonym an zackzack wandte, beklagte, trotz vollständiger Beantragung nicht berücksichtigt worden zu sein. WKO-Präsident Mahrer hatte zum Start des Projekts eigentlich zugesichert, alle geeigneten Labore könnten bei „Safe A“ mitmachen.

Im Zuge der Bewerbung des Labors meldete sich zunächst Kurz‘ ORF-Stiftungsrat Gregor Schütze, der nach anfänglicher Korrespondenz im Zuge des Antrags nichts mehr von sich hören ließ. Das Labor ging leer aus. Stattdessen meldete sich Schütze, wie er mittlerweile selbst offiziell zugegeben hat, bei unserer Redaktion im Namen von McKinsey und versuchte sich an Message Control. Er scheiterte.

Derweil zeigt sich SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher empört:

„Köstinger versucht uns in der Causa McKinsey bis heute für dumm zu verkaufen. Der Beratungsriese soll sieben Wochen lang gratis für die Republik gearbeitet haben. Das ist einfach nicht glaubwürdig. Dann geht es munter weiter und eine Beratungs- und PR-Firma nach der nächsten taucht plötzlich im Corona-Missmanagement auf. Wozu sie nötig waren, was Leistung und Expertise waren, all das bleibt im Dunkeln, weil diese Regierung eins nicht will: Transparenz. Es liegt die Vermutung nahe, dass hier Kurz-Freunde viel Geld einstecken.“

 (wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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