Giftgas made in Austria?

Infrarot-Aufnahmen zeigen Emissionen

Mit einem Investigativ-Team und speziellen Infrarot-Kameras hat Greenpeace Österreich an drei Gas- und Öl-Standorten den Austritt von Emissionen festgehalten – ZackZack veröffentlicht die Videos. Ein US-Experte hat das Videomaterial analysiert: Dabei soll es sich um gesundheits- und klimaschädliche Gase wie Methan handeln. Die OMV, einer der Standort-Betreiber, dementiert, dass es sich um Methangas handle. Die Umwelt-NGO fordert nun eine Untersuchung vom Land Niederösterreich.

Wien, 29. September 2020 | Die Fotos und Videos, die Greenpeace am Montag veröffentlichte, geben eine bisher im verborgenen gebliebene – weil nicht sichtbare – Realität wider: Auf einem Video mit „normaler“ Kamera sind die Umrisse einer Raffinerie vor blauem Himmel an einem sonnigen Tag sichtbar. Vom selben Blickwinkel aus, mit einer speziellen Infrarot-Kamera gefilmt, sieht man die Umrisse der Raffinerie in rot-gelben Tönen und kann deutlich gelbe Austritte aus den sichtbaren Türmen erkennen. Dabei handle es sich um gefährliche, klimaschädliche und gesundheitsgefährdende Treibhausgase wie Methan, sind die Energie- und Klimaexperten von Greenpeace sicher. Die OMV schließt aus, dass es sich bei den abgebildeten Emissionen um Methan handelt.

Austritte an drei Standorten dokumentiert

Erdgas, auch fossiles Gas genannt, macht immer noch 21,8% des heimischen Energieverbrauchs aus. Es besteht zu rund 85% aus dem gefährlichen Treibhausgas Methan. Das farblose, höchst klimaschädliche Gas ist für das bloße Auge unsichtbar.

Die NGO veröffentlichte am Montag Video- und Bildmaterial von verdächtigen Ausströmungen an drei Standorten: bei der OMV-Gasstation Aderklaa, beim Gas Connect Austria Knotenpunkt Baumgarten sowie am Standort Schwechat der Borealis & OMV Raffinerie.

Das Bild- und Videomaterial wurde dem renommierten US-amerikanischen Experten Tim Doty, der bereits für die New York Times und die texanische Kommission für Umweltqualität tätig war, zur Analyse geschickt. Sein Gutachten bestätigt den „unkontrollierten Austritt“ von „höchst klimaschädlichem und potentiell gesundheitsgefährdendem Methan“ sowie zusätzlichen Gasen.

Greenpeace: Videos sollen Bevölkerung wachrütteln

Die NGO möchte durch Veröffentlichung der Videos und Fotos Bewusstsein in der Bevölkerung für das höchst klimaschädliche Gas machen.

„Prinzipiell ist es ein Problem, das der Industrie bekannt ist. Jeder wusste das – aber es geht darum auch der Bevölkerung zu zeigen.“, so Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin von Greenpeace gegenüber ZackZack.

OMV schließt Methan-Emissionen aus: „Kamera bildet Wärme ab“

Auf Anfrage bei der OMV erhält ZackZack gegenteilige Auskunft: Die Unternehmens-Techniker hätten die Veröffentlichung von Greenpeace geprüft und befunden, dass es sich nicht um Methan – und auch nicht um „Leaks“ handle: „Die Emissionen sind Verbrennungsgase aus Dampfkesselanlagen, die überwiegend aus Stickstoff, Wasserdampf, Kohlendioxid und Sauerstoff bestehen.“ Die Aufnahmen würden Wärme abbilden:

„In diesen Anlagen werden gasförmige oder flüssige Brennstoffe zur Energiegewinnung unter Sauerstoffüberschuss vollständig verbrannt. Die Verbrennungsgase sind ausnahmslos wärmer als die Umgebungstemperatur und werden daher auch farblich in den Bildern der verwendeten FLIR Kamera erkennbar.“

Modernste Technologie in Detektion sowie die Instandhaltung und regelmäßige Kontrollen würde unvorhergesehene Emissionen auf Grund von technischen Gebrechen „erkannt und umgehend behoben“ werden, so das Unternehmen gegenüber ZackZack.

Greenpeace fordert NÖ-Landesregierung zu Untersuchungen auf

Greenpeace wiederum betont auf erneute Anfrage, dass die Kamera, mit der die Aufnahmen gemacht wurden – eine spezielle Infrarotkamera der Firma (FLIR GF320) – genau dazu gedacht sei, Methan-Emissionen zu finden:

„Das ist ein Spezialformat und man braucht spezielle Software, um das zu analysieren. Unser US-Experte hat über die Bilddaten die Kohlenwasserstoff-Emissionen bestätigt.“,

so Duregger gegenüber ZackZack. Da Aussage gegen Aussage stehe, fordere Greenpeace die Niederösterreichische Landesregierung auf, Untersuchungen zu machen. Sie warnt: Gas sei und bleibe unkontrollierbar, Unternehmen würden den Austritt von klimaschädlichem Gas „nie vollständig verhindern können“. Dabei seien vor allem die Folgen bedenklich: „Die Methanverluste sind in erster Linie ein Schaden am Klima. Aber jeder Schaden am Klima ist in weiterer Folge auch ein Schaden am Menschen.“

(lb)

Titelbild: Greenpeace Österreich

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