Mahrer will Sonntags-Shopping nach Lockdown

Gewerkschaft erzürnt

Harald Mahrer will den Kaufrausch nach dem Lockdown. Deshalb soll der Handel in der Vorweihnachtszeit auch am Sonntag geöffnet bleiben. Die Gewerkschaft ist erzürnt. Mahrer habe mit ihr nicht einmal gesprochen, so Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA.

 

Wien, 19. November 2020 | Die Gewerkschaft ist empört über den Ruf von Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer nach einer Sonntagsöffnung und längeren Handelsöffnungszeiten in der Vorweihnachtszeit. “Wir sind mehr als überrascht und verärgert. Mit uns wurde nicht einmal das Gespräch gesucht”, sagte Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, am Donnerstag zur APA. Auch WKÖ-intern gibt es Widerstand.

“Der Sozialpartnerschaft unwürdig”

Mahrers Vorstoß sei eine Hauruckaktion und der Sozialpartnerschaft unwürdig, zumal es um hunderttausende Handelsangestellte gehe, die in der Coronazeit sehr belastet gewesen seien, so die Spitzengewerkschafterin. “Wir haben die Handelsangestellten dutzendfach zur Sonntagsöffnung befragt.” Diese werde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Zu einer Verlängerung der Öffnungszeiten sagte Teiber: “Schon jetzt können Geschäfte bis 21 Uhr offenhalten. Wie lang denn noch?” Auch Handelsangestellte “sind Menschen, haben eine Familie”.

“Haushalten fehlt Geld”

Das Argument, die heimischen Handelsbetriebe gegen den US-Giganten Amazon zu stärken, lässt Teiber nicht gelten. Die Gewerkschaft sei zu jeder Allianz für eine faire Besteuerung des Online-Riesen bereit. “So etwas bringt was, nicht zwei Sonntage.” Für den Handel sinnvoller wäre es außerdem, die Gewerkschaftsforderung nach dem Coronatausender aufzugreifen. “Da gab es die Idee, diesen in Gutscheine umzuwandeln”, sagte Teiber. Dies könnte man kommendes Jahr umsetzen, was dem Handel auch mittelfristig helfen würde. Denn: “Natürlich fehlt den Haushalten Geld.”

Teiber verwies darauf, dass es selbst in der Wirtschaftskammer in einzelnen Bundesländern skeptische bis ablehnende Stimmen zur Sonntagsöffnung vor Weihnachten gebe. Peter Buchmüller, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg und selbst Händler, ist beispielsweise gegen den Mahrer-Vorstoß. “Das wäre für den Handel nicht gut, speziell für kleine und mittlere Betriebe”, sagte er der “Kleinen Zeitung”. Buchmüller gab zu bedenken, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen 100-prozentigen Zuschlag bekommen müssten. “Die Frage ist, für wen das dann ein Geschäft ist – nur für die Großen”, so der Salzburger WKÖ-Chef.

Ausrede Corona?

WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik betonte gegenüber der APA in einem schriftlichen Statement: “Die Öffnung an den zwei verbleibenden Sonntagen vor Weihnachten ist einer von mehreren Vorschlägen. Weitere Maßnahmen, an die die WKÖ denkt, sind etwa eine Verlängerung der Öffnungszeiten oder aber das Einrichten von Personenleitsystemen.” Hier brauche es pragmatische Lösungen, damit die Österreicher einkaufen gehen können, ohne sich anzustellen. “Ziel muss es sein, Kundenströme zu entzerren”, stützt sich die WKÖ auf Infektionsschutz.

Im Hinblick auf eine mögliche Sonntagsöffnung vor Weihnachten sei klar, dass es “sozialpartnerschaftliche Gespräche braucht, um zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen”, sagte Trefelik. Beschäftigte, die am Sonntag arbeiten, sollten danach frei haben, so der WKÖ-Handelsobmann. Ein weiterer Vorschlag: “Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die während des Lockdowns nicht gearbeitet haben, könnten für diese beiden Sonntage eingesetzt werden.”

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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