Köstingers Herumgeschwurbele

Eine ZIB 2 voller Widersprüche

Das gestrige ZIB 2-Interview mit Tourismusministerin Elisabeth Köstinger über die Öffnung von Skipisten ließ wohl einige Zuseher sprachlos zurück. Köstinger verstrickte sich dabei in zahlreiche Widersprüche. Die Ministerin agierte nach dem Motto: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Wien, 27. November 2020 | Eng gepfercht in einer Gondel auf die Skipiste fahren – während der Pandemie. Das schwebt Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) für die Weihnachtstage vor. Die ÖVP positionierte sich in den vergangenen Tagen so, dass die Skigebiete geöffnet werden sollen. Frankreich, Italien und Deutschland sind strikt gegen die Öffnung, um ein zweites Ischgl zu vermeiden. Um den Ski-Alleingang in der EU zu begründen, war Köstinger am Donnerstag in der ZIB 2 zu Gast. Nach dem Interview blieben allerdings mehr Fragen offen als beantwortet wurden.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich

Köstinger startete das Gespräch mit einem holprigen „Vergleich“, den die Ministerin seit Tagen durch die Medienlandschaft trägt. Österreich würde schließlich auch nicht vorgeben, wie der Karneval in Italien nächstes Jahr auszuschauen hat oder wann Frankreich den Louvre aufsperren müsse. Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher musste die Ministerin darauf aufmerksam machen, dass es in Österreich keinen Karneval gebe, den Vergleich herzustellen sei daher “ein bisschen schwierig“. Auch die Frage, ob es angesichts der dramatischen Situation – teilweise bis zu 100 Tote in Österreich pro Tag, geschlossener Gastronomie, Handel und Schulen – nicht absurd sei, die Skipisten zu öffnen, folgte eine Null-Antwort. Die Öffnung der Skipisten würde von den Infektionszahlen abhängen. Eine Zahl wollte – oder konnte – die Ministerin nicht nennen.

Lauert die Gefahr draußen – oder nicht?

Das Ski-Vorpreschen der Ministerin ist insofern kurios, dass Köstinger im März noch eindringlich vor dem Coronavirus gewarnt hatte:

„Die Gefahr lauert auch draußen, die Parks bleiben zu.“

Die Wiener Bundesgärten hatte Köstinger im Frühjahr geschlossen. Damit hatte sie eine Fläch, die mit dem 5. Wiener Gemeindebezirk vergleichbar ist, für die Bevölkerung zugesperrt. Ein halbes Jahr und eine Wien-Wahl später schlägt Köstinger ganz andere Töne:

“Das Virus verbreitet sich nicht beim Skifahren, sondern in geschlossenen Innenräumen“.

Dass man oftmals über einen „geschlossenen Innenraum“ (Gondel) auf die Skipiste muss, quittierte Köstinger kurios. Eine Gondel sei nichts anderes als eine U-Bahn, mit der tagtäglich tausende Menschen fahren. Dass eine U-Bahnfahrt zur Arbeit, auf die zahlreiche Arbeitnehmer tagtäglich angewiesen sind, etwas anderes ist, als eine freiwillige Urlaubsfahrt in einer engen Sechs-Mann-Gondel, konnte die Ministerin allerdings nicht klarstellen.

Auf die Frage, ob die gefüllten Krankenhäuser durch die Skiunfälle nicht zusätzlich belastet werden sollen – jährlich ungefähr 30.000 – gab die Ministerin ebenfalls keine Antwort.

Es will eh fast keiner Skifahren

Für wen die Ministerin die Ski-Kampagne fährt außer für Parteifreund und Skikaiser Hörl, ist fraglich. Für die breite Bevölkerung dürfte es jedenfalls nicht sein.

Laut “Trend”-Umfrage wollen nur sechs Prozent aller 1.800 repräsentativ Befragten im ersten Corona-Winter „auf jeden Fall“ Skiurlaub mit Übernachtung machen. Weitere 14 Prozent sagen, dass sie tageweise Skifahren wollen.

NEOS: “Herumgeschwurbele” der Frau Ministerin

Das Interview mit Köstinger sorgte auch beim politischen Gegner für Kopfschütteln. So auch bei NEOS-Tirol-Landeschef Dominik Oberhofer, der gegenüber ZackZack sagt:

Was die Bevölkerung, aber vor allem auch die Tourismusbetriebe jetzt brauchen, sind klare und verständliche Entscheidungen, und nicht das Herumgeschwurbele der Frau Tourismusministerin.”

Oberhofer wirft Köstinger dabei Realitätsferne vor:

“Mitten im zweiten Lockdown philosophiert sie über einen Saisonstart im Dezember. Wie realitätsfremd kann man sein? Wegen zwei Wochen Wintersport über Weihnachten und Silvester einen dritten Lockdown riskieren? Das bringt niemandem was! Außer, dass wir damit auch das Image der heimischen Tourismusbranche komplett und nachhaltig schädigen. Wenn die türkis-grüne Regierung ein starkes Signal senden will, dann würde sie jetzt vor Weihnachten am Höhepunkt der Corona-Krise 100 Kinder aus Moria aufnehmen und zeigen, dass wir in Österreich auch abseits von finanziellen Interessen Gastfreundschaft leben.“

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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