Kanzler will Impfdosen vom Krankenbett aus erkämpft haben

Eigene Homepage widerspricht

Am Mittwoch rückte die türkise Message Control in den Boulevardmedien aus – und wie! Sebastian Kurz hätte, vom Krankenbett aus, 900.000 Impfdosen für Österreich „erkämpft“. Jedoch ist einerseits die EU für die Impfstoff-Beschaffung zuständig, andererseits wurde diese Zahl bereits am Montag von Clemens Auer genannt.

 

Wien, 17. Dezember 2020 | „Game Changer“; „Kanzler zeigt, wie man richtig regiert“: Die Meldungen in „Österreich“ und „Kronen Zeitung“ überschlugen sich am Mittwoch. Bundeskanzler Sebastian Kurz griff nämlich trotz Krankheit zum Hörer und telefonierte mit Sinan Atlig, dem Regional President Vaccines von Pfizer, und Robin Rumler, dem Pfizer Country Manager für Österreich.

Kanzler verkündet alte News

Der Kanzler verkündete per Kronen Zeitung die neuesten Impfdosis-Zahlen. 900.000 Stück werden von Pfizer/Biontech im ersten Quartal 2021 für Österreich zur Verfügung stehen – eine Menge, mit der man 450 000 Menschen gegen das Coronavirus impfen kann. Das berichtete der Kanzler nach seinem Teleofnat.

Die 900.000 Impfdosen sind jedoch keine Neuigkeit durch das Kanzler-Telefonat. Bereits am Montag verkündete Clemens Auer, Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium und Impfkoordinator, ebenjene Zahl vor Journalisten. Der Kanzler wärmte somit „Old News“ auf.

Ö1-Journalistin Beate Tomassovits bestätigt auf Twitter, dass Auer die Zahlen bereits am Montag nannte.

Fellner: „Vom Krankenbett erkämpft“

Nichtsdestotrotz ließ es sich „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner nicht nehmen, einen Kommentar über die vermeintliche Impfstoffbeschaffung des Kanzlers abzufertigen.

„Sebastian Kurz zeigt, wie man richtig regiert: Vom Krankenbett aus hat er 900.000 Impfstoffdosen erkämpft – und damit sichergestellt, dass bis März 450.000 Österreicher geimpft werden können. Wenn es Kurz gelingt, im ersten Quartal vielleicht sogar 1 Million Österreich zu impfen, dann sind wir auf dem besten Weg, Corona zu besiegen.“

Bundeskanzleramt widerlegt auf eigener Homepage

Für die Impfstoffbeschaffung und Verteilung ist allerdings die Europäische Union zuständig, im Austausch mit den Mitgliedsstaaten. Nicht der Bundeskanzler. Dieser Beschaffungsprozess wird sogar auf der Homepage des Bundeskanzleramtes angeführt:

„Der Beschaffungsprozess der Covid-19-Impfstoffe sei “gut aufgestellt” und könne als eine der großen Erfolgsgeschichten der EU im Gesundheitsbereich betrachtet werden. Für die Verhandlungen und den Abschluss der Vorkaufverträge mit den potenziellen Herstellern standen der EU insgesamt 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung. 2 Milliarden Impfdosen konnte die Europäische Kommission sicherstellen; davon stünden 2 Prozent Österreich zu.“

Auch die EU-Kommission erklärt in einer Aussendung noch einmal die Vergaberichtlinien: „Alle Mitgliedstaaten werden gleichzeitig auf Impfstoffe gegen COVID-19 zugreifen können, und zwar abhängig von ihrer Bevölkerungsgröße. Zu Beginn der Bereitstellung und bis die Produktion aufgestockt werden kann, wird die Gesamtzahl der Impfstoffdosen jedoch begrenzt sein.“

Fellner weniger schmeichelhaft bei Kanzlerkonkurrenz

Für politische Mitbewerber des Kanzlers hatte Fellner übrigens weniger schmeichelhafte Worte über. Gesundheitsminister Rudolf Anschober würde die Impfung „verschlafen“, SPÖ-Chefin und Ärztin Rendi-Wagner hat laut Fellner „keinen Plan fürs Impfen“.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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