Mr. President, ihre Daten sind falsch

Trump-Drohanruf wird Lachnummer

Der scheidende US-Präsident Donald Trump dreht auf den letzten Metern nochmal auf – und durch. Die Washington Post veröffentlichte einen Audio-Mitschnitt eines verzweifelten Drohanrufs. Darin hatte der Republikaner versucht, den für die Wahlauszählung in Georgia zuständigen Parteifreund Raffensperger zum „Stimmen finden“ zu bewegen. Mit Audio.

 

Washington, 04. Jänner 2021 | Am Wochenende veröffentlichte die „Washington Post“ einen brisanten Audio-Mitschnitt. Im Gespräch mit dem republikanischen Staatssekretär von Georgia, Brad Raffensperger (65), forderte Donald Trump seinen Parteifreund unverhohlen zum Nachzählen auf.

„Will nur 11.780 Stimmen finden…“

Mit peinlichen Methoden versuchte er, das seiner Ansicht nach falsche Ergebnis zu manipulieren. Raffensperger müsse sich nicht schämen, denn: „Es ist nichts Falsches daran zu sagen, dass sie neu berechnet haben.“ Trump wolle „nur 11.780 Stimmen finden“, sagte der verzweifelt wirkende Noch-Präsident dem Mitschnitt zufolge. Er habe die Wahl klar gewonnen.

Video: Washington Post/Twitter.

Staatssekretär Raffensperger solle die Wahl mit Leuten prüfen, „die Antworten finden“. Doch dieser machte Trump eine Ansage: „Wir müssen zu unseren Zahlen stehen. Wir glauben, unsere Zahlen stimmen.“

Trumps „Daten falsch“

Damit nicht genug, legte Raffensperger noch eins nach. In ruhiger Stimme sagte der Republikaner seinem Parteikollegen, der bald das Weiße Haus räumen muss:

„Nun, Herr Präsident, das Problem, das sie haben, besteht darin, dass ihre Daten falsch sind.“

Der Präsident war über die Aussagen offenbar so verärgert, dass er auf Twitter seinem Parteifreund eine einschenkte:

Screenshot: Twitter – mit Warnung von Twitter versehen.

Raffensperger sei nicht willens oder unfähig gewesen, seine Wahlmärchen zu bestätigen. „He has no clue“, er habe keine Ahnung. Auch pikant: In Georgia stehen Senatswahlen an, die für die Republikaner fast schon existenziell sind. In den Stichwahlen um zwei Senatssitze geht es um nichts anderes als die Mehrheit der Republikaner im Senat. Falls diese gekippt wird, könnte Demokrat Joe Biden faktisch durchregieren, denn seine Partei hat bereits die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

Trump am Ende

Der US-Präsident glaubt entgegen aller Daten und gerichtlichen Feststellungen immer noch an eine Wahlfälschung zugunsten seines Kontrahenten Joe Biden. „You know it“, alle wissen es, glaubt er. Sein Problem: Alle wissen, dass Biden die Wahl gewonnen hat. Bis auf ein paar treue Senatoren, kehren Trump nun auch große Teile seiner Partei den Rücken zu. Kein Wunder, denn die Anschuldigungen, nach welchen ihm Stimmen „geklaut“ worden seien, sind zu keiner Zeit belegt worden – trotz Klageflut.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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