Wegen wirtschaftlichen Drucks:

Aus für Eishockey-Megaevent in Belarus

Der wirtschaftliche Druck war am Ende zu viel: Nach monatelangen Protesten hat sich der Eishockey-Weltverband IIHF dann doch dazu durchgerungen, dem Co-Gastgeber Belarus die Weltmeisterschaft zu entziehen. “Aus Sicherheitsgründen, die außerhalb der IIHF-Kontrolle liegen”, sei diese Entscheidung “unvermeidlich” gewesen, teilte der Weltverband am Montag nach einer Videokonferenz mit.

Wien/Zürich, 20. Jänner 2021 | Die Kritik an der im Mai geplanten Eishockey-WM in Minsk war angesichts der Machenschaften von Diktator Alexander Lukaschenko zuletzt immer größer geworden. Neben dem internationalen politischen Druck drohten am Wochenende die größten und langjährigen WM-Sponsoren mit ihrem Rückzug, sollte Belarus als Co-Gastgeber bestätigt werden.

Wie ZackZack berichtete, sollte die Eishockey-WM ursprünglich vom 21. Mai bis 6. Juni im lettischen Riga und im belarussischen Minsk stattfinden. Zahlreiche internationale Politiker schlossen sich daraufhin zusammen, um das Megaevent zu boykottieren. In Österreich wandten sich Yannick Shetty und Helmut Brandstätter (beide NEOS) in einem offenen Brief an Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) sowie Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) um eine Stellungnahme zu fordern. Der Brief wurde bisher noch nicht beantwortet.

Grund des IIHF: “Sicherheitsbedenken”

„Auf Grund von Sicherheitsbedenken hat der Council der IIHF heute bestätigt, dass eine Verlegung der WM aus Minsk unvermeidbar ist“, heißt es in der Mitteilung, die nach der virtuellen Sitzung am Nachmittag verbreitet wurde. Unter “Sicherheitsbedenken”, das führt die Stellungnahme des Verbandes aus, seien “sowohl die wachsenden politischen Unruhen als auch Covid-19” zu verstehen. Erwäge man das, was der Verband bei seinen „eingehenden Prüfungen“ untersucht habe, sei es unmöglich, das “Wohlergehen” der Mannschaften, Zuschauer und Offiziellen zu garantieren.

Finanzieller Verlust im Vordergrund

IIHF-Präsident Rene Fasel – der nach wegen seines Besuchs bei Lukaschenko in der Vorwoche in die Kritik geraten war – hatte bisher stets vor den finanziellen Folgen eines Entzugs wegen bestehender Verträge gewarnt und angesichts der internationalen Proteste darauf verwiesen, “dass die Weltmeisterschaft als Instrument der Versöhnung eingesetzt werden kann, um die gesellschaftspolitischen Probleme in Belarus zu beruhigen und einen positiven Weg nach vorne zu finden”.

Bei seinem Besuch in Belaurs wollte Fasel nach eigener Aussage dabei mehr Menschenrechte und härtere Maßnahmen im Land gegen die Coronavirus-Pandemie anmahnen. Tatsächlich gingen aber innige Bilder mit Umarmungen und ohne Einhaltung der in Westeuropa üblichen Corona-Sicherheitsmaßnahmen um die Welt.

“Es ist etwas blöd gelaufen, das ist mir auch peinlich”,

hatte Fasel dazu gesagt.

“Das ist ein Sieg”

So kommentierte die belarussische Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja die IIHF-Entscheidung auf ihrem Telegram-Kanal. “Das ist ein Sieg, weil es Lukaschenko nicht gelungen ist, den Eindruck zu erwecken, als habe er alles unter Kontrolle.”

Eigentlich war erst beim Meeting des Exekutiv-Komitees in einer Woche mit einer Entscheidung gerechnet worden. Stattdessen ging es nun ganz fix. Bei ihrem turnusmäßigen Videocall vor der Sitzung am 25. und 26. Jänner gab es bereits keine Zweifel mehr.

Belarus ist “kein würdiger Gastgeber”

Die am Montag getroffene Entscheidung sei “wohlüberlegt, konsequent und logisch”, so Deutschlands Eishockeyverbandschef Franz Reindl, der Mitglied des IIHF-Exekutivkomitees ist. Der Ausrichter Belarus könne die Voraussetzungen seiner Ansicht nach nicht garantieren, die notwendig sind, um in diesem Jahr ein würdiger Gastgeber einer Eishockey-WM zu sein. Der Schritt, Belarus die WM zu entziehen, war “alternativlos”.

“Wir werden uns nun mit den verschiedenen Möglichkeiten weiter befassen, die hinsichtlich der WM 2021 auf dem Tisch liegen und in den Gremien zeitnah zu den Entscheidungen kommen, die die Gastgeberrolle für das diesjährige Turnier betreffen”,

so Reindl.

Neuer Gastgeber noch unklar

Als Alternativen ware zuletzt nur Riga, die Ausweichnationen Dänemark oder die Slowakei als Spielort im Gespräch. Spätestens in einer Woche soll es nun Klarheit darüber geben, wo gespielt wird. Österreich ist 2019 in die B-Gruppe abgestiegen.

Wachsender Schatten über Belarus

Die EU erkennt Lukaschenko seit der als gefälscht eingestuften Präsidentenwahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Dutzende Staaten haben Sanktionen gegen Funktionäre des Machtapparats erlassen. Bei Protesten gegen Lukaschenko gab es seit August mehr als 30.000 Festnahmen, hunderte Verletzte und zahlreiche Tote. Zudem steht Belarus wegen mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen in der Kritik. 2014, als die WM zuletzt in Minsk stattgefunden hatte, waren internationale Proteste in dem heutigen Maße noch ausgeblieben.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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