Theater, Restaurant, Fitnessstudio

Freie Fahrt für geimpfte Israelis

Auch wenn man in Österreich von der Durchimpfungsrate der Israelis derzeit nur träumen kann, wird es hierzulande schon länger heiß diskutiert: Spezielle Öffnungen und Erleichterungen für bereits Geimpfte. Israel macht nun diesen Schritt und ermöglicht 3,2 Millionen Bürgern den Eintritt in Restaurants, Hotels oder auch Fitnessstudios.

Wien/Israel, 22. Februar 2021 | Israel hat am Sonntag spezielle Erleichterungen für Bürger eingeführt, die gegen das Coronavirus geimpft oder nach einer Erkrankung genesen sind. Mit einem sogenannten „Grünen Pass“ dürfen sie unter anderem wieder Fitnessstudios, Hotels, Theater oder Sportereignisse besuchen. So könnten mehr als 3,2 Millionen Israelis ab sofort diese Vorteile genießen, twitterte Gesundheitsminister Juli Edelstein. Insgesamt wurden in Israel seit dem 19. Dezember rund 4,3 Millionen Erst- und fast drei Millionen Zweitimpfungen verabreicht.

Mit “grünem Pass” wieder ins Freibad und ins Fitnessstudio

Mit den neuen Lockerungen soll die Wirtschaft wieder angekurbelt werden. “Der Grüne Pass öffnet das Land schrittweise wieder”, sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu am Samstagabend. Die Impfkampagne in Israel ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr weit fortgeschritten. Das Land mit seinen 9,3 Millionen Einwohnern gilt als Vorreiter. Inzwischen kann sich jeder Bürger ab 16 Jahren impfen lassen. Die Infektionszahlen im Land sind weiterhin vergleichsweise hoch, in den vergangenen Wochen jedoch stetig gesunken.

Aber auch für Nicht-Geimpfte gibt es nach einem wochenlangen Lockdown wieder mehr Freiheiten. Am Sonntag öffneten Einkaufszentren, Museen, Bibliotheken und Gebetshäuser wieder ihre Pforten. Dort müssen weiter die Corona-Regeln wie Maskenpflicht und Abstand eingehalten werden. Auch die Schulen wurden für weitere Klassen geöffnet.

Impfungen in Bars und sogar bei IKEA

Israel legt beim Impf-Tempo sogar noch einen Gang zu. Schon fast angeberisch, wie einige Internet-User die enorme Geschwindigkeit Israels beschreiben, wird ja nun auch in Bars und Möbelhäusern geimpft. So gibt es ausgewählte Restaurants und Nachtlokale, die den Besuchern neben eines Gratis-Getränks auch die Impfung anbieten.

“Wohnst du noch oder impfst du schon?”, heißt es am Montag und Dienstag hingegen in Israels Ikea-Filialen. Auch beim Möbel-Riesen wurden Impfstände für Bürger aller Krankenkassen aufgestellt, so Ikea in einer Ankündigung.

Impf-Informationen über QR-Code ablesbar

In Israel kann sich jeder Genesene sowie jeder Geimpfte eine Woche nach der zweiten Impfung einen Impfausweis online erstellen. Persönliche Informationen sind mittels eines einfachen QR-Codes ablesbar. Besitzer eines solchen Impfausweises können sich dann einen Grünen Pass ausstellen lassen, unter anderem über eine spezielle App.

Am ersten Tag verlief allerdings nicht alles glatt: Die App “Ramzor”, über die man auf Smartphones den Grünen Pass erstellen kann, stürzte etwa bei zahlreichen Anwendern immer wieder ab. Das Gesundheitsministerium teilte daraufhin mit, in den ersten zwei Wochen könne alternativ auch der Impfausweis vorgezeigt werden.

Das Gesundheitsministerium hat mit der Polizei Maßnahmen vereinbart, die Fälschungen verhindern sollen. Bei Verstößen drohen Unternehmen saftige Geldstrafen, Fälschern des Grünen Passes hatte Gesundheitsminister Juli Edelstein sogar mit Haftstrafen gedroht.

Einmal den QR-Code beim Eingang hergezeigt, schon geht es für die Geimpften wieder ins Freibad oder ins Fitnesstudio. (Bilder: AFP)

Kritik: Neue Vorteile sind “Druckmittel der Regierung”

Von Elternseite gab es heftige Kritik daran, dass in den Mittelschulen der Fernunterricht per Videokonferenz-Software Zoom weitergeht, während die Einkaufszentren bereits geöffnet sind. Auch Impf-Skeptiker kritisierten die Vorteile des Passes als ungerecht und als illegitimes Druckmittel seitens der Regierung.

Die Leiterin einer Fitness-Kette sprach dagegen am Sonntag von einer “fantastischen Öffnung”. Die Geimpften, die nach Monaten wieder im Studio Sport machen könnten, seien “glücklich darüber, dass sie eine grüne Insel betreten, auf der ihnen keine Gefahr droht”, sagte sie der Nachrichtenseite “ynet”.

Theater arbeitet mit Gesichtserkennung

Das israelische Nationaltheater Habima in Tel Aviv stellte nach der Wiedereröffnung am Sonntag am Eingang einen Bildschirm mit Gesichtserkennungssoftware auf. “In der Corona-Krise können wir allen Einrichtungen helfen, die rasch sehr viele Leute einlassen und ihre Identität überprüfen müssen”, erklärte Ejal Fischer vom Startup Preciate den Einsatz. Die Software brauche nur eine Sekunde für die Erkennung und könne auch Fälschungen verhindern, sagte Fischer. Theaterbesucher könnten ihren Ausweis mit Bild entweder online einscannen oder sich beim ersten Besuch an Ort und Stelle registrieren lassen. Dem Nationaltheater habe man die Software gespendet, sie koste für gewöhnlich monatlich bis zu 1.500 Schekel (rund 380 Euro) pro Station mit Bildschirm.

(mst/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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