House of Kurz

“Politico” nimmt Bundeskanzler auseinander

Die Wochenzeitung „Politico“ hat sich für seine neueste Ausgabe ein ganz besonderes Cover ausgesucht. Von der Titelseite ragt Sebastian Kurz. Dieser dürfte sich über den Artikel wohl eher weniger freuen. Der Kanzler wird regelrecht auseinandergenommen.

Wien, 08. April 2021 | Die innenpolitischen Turbulenzen in Österreich und das Image von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) waren am Donnerstag Thema in internationalen Medien. Der europäische Ableger der US-Wochenzeitung Politico hob Kurz unter dem Titel “House of Kurz” – in Anspielung auf die bekannte US-Serie “House of Cards” – aufs Cover der aktuellen Ausgabe.

House of Kurz

“House of Kurz. Eine umfassende Korruptionsuntersuchung hat das frische Image des österreichischen Regierungschefs zerstört. Sebastian Kurz, ein politisches Wunderkind, das mit nur 31 Jahren Österreichs Leader wurde, kam an die Macht, indem er ein jugendliches, gutmütiges Image pflegte, das ihn bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt machte. Und dann mutierte er zum Schurken.

“Und sie haben es ihm abgekauft”

Ein Cache mit privaten Textnachrichten (…) zeigt Kurz nicht als den wohlerzogenen “Lieblingsschwiegersohn der Nation”, der das Herz seiner Landsleute und eines Großteils der EU eroberte, sondern eher als klugen Operator hinter den Kulissen, der bereit ist, alles zu tun, um seine Agenda durchzusetzen (…). Solche Taktiken sind in politischen Kreisen kaum überraschend, auch wenn sie an einen schlechten Mafia-Film erinnern. Aber Kurz (…) versprach nicht nur, die Politik des Landes zu revolutionieren: Er überzeugte die Österreicher, dass er es ernst meinte. Und sie haben es ihm abgekauft.

Kurz hat (….) in Regierung, Privatsektor und Medien ein von Kritikern als “House of Kurz” bezeichnetes, engmaschiges Netzwerk von Loyalisten errichtet, die stillschweigend zum gegenseitigen Nutzen zusammenarbeiten. Kurz’ Metamorphose mag wie eine vertraute politische Geschichte über das Erwachsenwerden klingen, aber zu einer Zeit, in der ein Teil Mitteleuropas in eine Form des sanften Autoritarismus gerutscht ist, deuten Kurz’ Transformation und der große Korruptionsskandal in der politische Klasse Österreichs darauf hin, dass sich die Erosion von Demokratie und Normen in der Region nach Westeuropa auszubreiten droht. Dies wäre ein erheblicher Rückschlag für die Europäische Union, die bereits Schwierigkeiten hat, mit widerspenstigen Regierungen in Ungarn und Polen umzugehen (…). Wie die Führer dieser Länder hat sich Kurz nicht gescheut, die EU anzugreifen, um von seinen inneren Sorgen abzuweichen. (…)

“Nun nicht mehr”

Es ist noch nicht lange her, dass viele in Brüssel Kurz nicht als Bedrohung, sondern als konservative Zukunft Europas betrachteten. Europas Mitte-Rechts-Partei, der dominierende politische Block im Europäischen Parlament, war begeistert von dem dreisten jungen Österreicher, dessen harte Haltung zur Migration von vielen als Vorbild für konservative Parteien auf dem gesamten Kontinent angesehen wurde. Besonders beliebt war er in Deutschland, wo Kurz die Medien, insbesondere die einflussreiche Bild-Boulevardzeitung, umwarb. Einige sahen in Kurz sogar den Fahnenträger für die Post-Merkel-Ära. Nun nicht mehr.”

(apa/bf)

Titelbild: “Politico”

Lesen Sie auch

21 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Scharfe NEOS-Kritik an Schmid-Ersatz Catasta

Scharfe Kritik kommt von NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger an der ÖBAG-Schmid Ersatz-Chefin Christine Catasta. Diese hatte in den Raum gestellt, dass doch jeder derartige Chats, wie Schmid, am Handy hätte.

Maskenpflicht am Sitzplatz fällt in allen Schulen

Ab Dienstag fällt an allen Schulen die Maskenpflicht am Sitzplatz. Das gaben Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Samstag in einer Aussendung bekannt.
Link zu: MeinungLink zu: Leben

Freitagabend am Karlsplatz: Zwischen ACAB und moderatem Verständnis

Das Verhältnis zwischen Polizei und jungen Leuten ist nach der Räumung des Karlsplatzes angespannt. Gestern zeigte die LPD Wien verstärkt Präsenz, ließ die Feiernden aber gewähren. Beide Seiten gingen sich aus dem Weg und es wurde ein friedlicher, langer Juniabend.  

Freitagabend am Karlsplatz: Zwischen ACAB und moderatem Verständnis

Das Verhältnis zwischen Polizei und jungen Leuten ist nach der Räumung des Karlsplatzes angespannt. Gestern zeigte die LPD Wien verstärkt Präsenz, ließ die Feiernden aber gewähren. Beide Seiten gingen sich aus dem Weg und es wurde ein friedlicher, langer Juniabend.  

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen